| Inverted Dendermonde | |||
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| Ausgabe | |||
| Land | Belgien | ||
| Produktionsort | Haarlem, Niederlande | ||
| Nominalwert | 65 Centimes | ||
| Ersttag | 5. August 1920 | ||
| Gestaltung | |||
| Bildmotiv | Rathaus und Belfried von Dendermonde | ||
| Farbe | rotviolett und schwarz | ||
| Entwurf | Joh. Enschedé | ||
| Stich | Joh. Enschedé | ||
| Druckart | Stichtiefdruck | ||
| Perforation | Zähnung 11½ | ||
| Besonderheiten | kopfstehendes Mittelstück; 132 Exemplare vernichtet, 18 verkauft und 17 bekannt | ||
| Auflage | |||
| Auflage | 150 | ||
Die Inverted Dendermonde (niederländisch Omgekeerde Dendermonde, französisch Termonde renversé) ist eine seltene Druckabart einer belgischen Briefmarke von 1920. Bei dem Fehldruck steht das zentrale Bild des Rathauses von Dendermonde gegenüber dem Rahmen mit Landes- und Wertangabe kopf. Von 18 in den Verkauf gelangten Exemplaren sind 17 nachgewiesen, darunter 15 ungebrauchte und zwei postalisch verwendete Marken.
Die Inverted Dendermonde gehört zu den bekanntesten philatelistischen Objekten Belgiens. Das belgische Postunternehmen bpost bezeichnete sie anlässlich ihres hundertjährigen Bestehens als eine der ikonischsten Briefmarken der belgischen Postgeschichte.
Die Marke mit einem Nennwert von 65 Centimes wurde am 5. August 1920 ausgegeben. Sie ergänzte eine seit dem Ersten Weltkrieg erschienene belgische Freimarkenserie. Die niedrigeren Werte der Serie zeigten König Albert I., während für die höheren Werte unterschiedliche Motive verwendet wurden.
Der Nennwert entsprach dem damaligen Tarif für eine Eilzustellung. Die Marke konnte außerdem für die Kombination aus Auslandsporto und Einschreibegebühr verwendet werden. Das Motiv erinnerte an die schweren Zerstörungen, die Dendermonde und sein Rathaus während des Ersten Weltkriegs erlitten hatten.
Wegen eines Brandes konnte die belgische Briefmarkendruckerei in Mechelen den Auftrag nicht ausführen. Die belgische Post bestellte deshalb zehn Millionen Marken bei der niederländischen Sicherheitsdruckerei Joh. Enschedé & Zonen in Haarlem, die auch Gestaltung und Stich übernahm.
Die zweifarbige Marke wurde in zwei Druckgängen hergestellt. Zunächst wurde der rotviolette Rahmen mit der Landesbezeichnung und dem Nennwert gedruckt, anschließend das schwarze Mittelstück mit dem Rathaus und seinem Belfried. Wegen eines Papiermangels entstanden zwei Auflagen: Die erste wurde in Bogen zu 25 Marken im Format 5 × 5, die zweite in Bogen zu 100 Marken im Format 10 × 10 gedruckt. Die beiden Auflagen unterscheiden sich geringfügig in den Abmessungen des Markenbildes.
Für den zweiten Druckgang mussten die bereits mit dem Rahmen bedruckten Bogen erneut in die Druckmaschine eingelegt werden. Bei mehreren Bogen geschah dies um 180 Grad gedreht, sodass das Rathaus gegenüber dem Rahmen kopfstehend erschien.
Von der ersten Auflage sind zwei fehlerhafte Bogen zu jeweils 25 Marken belegt. Einer davon gelangte im August 1920 zum Hauptpostamt in Gent. Dort wurden 18 Marken verkauft, bevor die Abweichung bemerkt wurde. Die sieben noch vorhandenen Exemplare wurden eingezogen und vernichtet. Ein zweiter fehlerhafter 25er-Bogen wurde noch bei Joh. Enschedé in Haarlem entdeckt und ebenfalls zerstört.
Auch bei der zweiten Auflage entstand ein fehlerhafter Bogen zu 100 Marken. Eine Bogenhälfte mit 50 Exemplaren wurde im Januar 1921 in Leuven entdeckt, bevor die Marken verkauft werden konnten. Diese Marken wurden am 21. Januar 1921 unter amtlicher Aufsicht verbrannt. Die übrigen 50 Exemplare befanden sich noch in den Niederlanden und wurden im Beisein belgischer und niederländischer Vertreter zerschnitten.
Aus den drei dokumentierten Bogen ergeben sich insgesamt 150 fehlerhaft gedruckte Marken. Davon wurden 132 amtlich vernichtet; lediglich die 18 zuvor in Gent verkauften Exemplare konnten erhalten bleiben.
Von den 18 verkauften Marken waren 2020 noch 17 Exemplare nachgewiesen. 15 davon waren ungebraucht, zwei waren postalisch verwendet worden. Als Entwertung ist der französischsprachige Genter Stempel „Gand 13/8/1920“ bekannt.
Ein Exemplar befindet sich in der Sammlung von bpost. Es wurde 2010 auf der internationalen Briefmarkenausstellung Antverpia in Antwerpen in einem besonders gesicherten Ausstellungsbereich gezeigt. Auch der frühere Schachweltmeister Anatoli Karpow besaß mindestens ein Exemplar.
Der Handelswert ist von Erhaltung, Zentrierung, Provenienz und philatelistischer Prüfung abhängig. De Standaard bezifferte den Wert eines Exemplars 2020 auf ungefähr 150.000 Euro. Im Michel-Katalog wird der Fehldruck unter der Nummer 124 F geführt.
Zum hundertjährigen Bestehen der Inverted Dendermonde gab bpost am 27. Januar 2020 den fünf Marken umfassenden Bogen Iconic Belgian Stamps heraus. Eine der von Myriam Voz gestalteten und von Guillaume Broux gestochenen Marken zeigt die Inverted Dendermonde vor einer vergrößerten Darstellung des Rathauses.
2002 erschien in der von der belgischen Post und der Standaard Uitgeverij herausgegebenen Comicreihe Stam & Pilou das Album Het mysterie van de omgekeerde zegel. Die Handlung dreht sich um das Verschwinden eines Besitzers der seltenen Marke. Der belgische Schriftsteller Henri Van Daele veröffentlichte 2004 den Jugendroman De omgekeerde Dendermonde.
In der 2021 ausgestrahlten Folge The Dad-Feelings Limited der Zeichentrickserie Die Simpsons droht Marge Simpson, die Inverted Dendermonde aus der Sammlung einer als Briefmarkensammler dargestellten Figur abzulecken. Drehbuchautor Ryan Koh erklärte gegenüber der philatelistischen Fachzeitschrift Linn’s Stamp News, die Marke sei ausgewählt worden, weil ein kopfstehendes Motiv leicht als Kennzeichen einer wertvollen Briefmarke verstanden werde.