Inverted Head Four Annas

Inverted Head Four Annas
Inverted Head Four Annas, indischer Vier-Anna-Kopffehldruck von 1854
Ausgabe
Land Britisch-Indien
Nominalwert 4 Annas
Ersttag1854
Gestaltung
Bildmotiv Königin Victoria
Farbe blau und rot
Druckart Lithografie
Perforation ungezähnt
Besonderheiten Druckabart mit kopfstehendem Mittelteil

Inverted Head Four Annas, auch Inverted Head 4 Annas, ist die Bezeichnung für eine seltene Druckabart der ersten allgemeinen Briefmarkenausgabe von Britisch-Indien aus dem Jahr 1854. Die Marke zu 4 Annas wurde in Blau und Rot lithografiert und zeigt ein Porträt von Königin Victoria in einem roten achteckigen Rahmen. Bei einem Teil der ersten Druckauflage steht das Porträt gegenüber dem Rahmen kopf.

Der Fehldruck gehört zu den bekannten klassischen Raritäten der Philatelie. Besonders bedeutend ist ein in der Tapling Collection der British Library Philatelic Collections erhaltener Brief von Bombay nach Venedig mit zwei Exemplaren des Fehlers. Die British Library beschreibt dieses Stück als einziges bekanntes vollständiges Ganzstück mit zwei Exemplaren des kopfstehenden Kopfes.

Ausgabe und Druckabart

Die ersten allgemeinen Briefmarken Britisch-Indiens erschienen 1854. Dazu gehörten Werte zu ½ Anna, 1 Anna und 4 Annas. Die 4-Anna-Marke war für höhere Gebühren und Auslandspost wichtig; Smythies verweist darauf, dass ein kleiner Brief von Indien nach Europa damals elf Annas kostete und die 4-Anna-Marke deshalb praktisch benötigt wurde.

Gedruckt wurde im Büro des Surveyor-General in Kalkutta. Die Marke entstand in zwei Druckgängen von getrennten lithografischen Steinen: Zunächst wurde der rote Rahmen gedruckt, später das blaue Porträt Victorias. Die Bogen der ersten Auflage bestanden aus zwölf Marken in drei Reihen zu je vier Marken. Da die Marken noch keine Zähnung hatten, wurden sie aus dem Bogen geschnitten; erhaltene Exemplare sind deshalb häufig achteckig entlang des Rahmens ausgeschnitten.

Die Bezeichnung Inverted Head folgt der sichtbaren Orientierung der fertigen Marke: Wird der rote Rahmen mit Landes- und Wertangabe als Bezug genommen, steht das blaue Porträt Victorias kopf. Drucktechnisch entstand der Fehler dadurch, dass ein bereits mit roten Rahmen bedruckter Bogen beim zweiten Druckgang falsch herum auf den Stein mit den blauen Köpfen gelegt wurde. Dadurch wurden alle zwölf Köpfe eines Bogens gegenüber den Rahmen um 180 Grad gedreht gedruckt.

Damit unterscheidet sich die Abart von der Inverted Swan aus Western Australia. Bei dieser steht nach heutiger Erklärung der Rahmen gegenüber dem zentralen Schwan kopf; beim Inverted Head Four Annas steht dagegen das Porträt gegenüber dem Rahmen kopf. Gemeinsam ist beiden Stücken, dass ihre geläufigen Namen von der sichtbaren Wirkung der fertigen Marke ausgehen und die drucktechnische Entstehung erst durch philatelistische Forschung präzisiert wurde.

Ältere Literatur beschrieb den indischen Fehler teilweise anders. In Fred J. Melvilles Beschreibung der Tapling Collection erscheint der Eintrag zu Britisch-Indien 1854 als „4 annas red and blue, frame inverted“ und nennt ein einzelnes Exemplar sowie zwei Exemplare zusammen auf einem originalen Umschlag.

Tapling-Ganzstück und bekannte Exemplare

Die beiden kopfstehenden Vier-Anna-Marken auf dem Ganzstück der Tapling Collection

Das bekannteste Stück befindet sich in der Tapling Collection, die Thomas Tapling 1891 dem British Museum vermachte und die heute Teil der British Library Philatelic Collections ist. Die British Library beschreibt das Objekt als Brief von Bombay nach Venedig mit zwei Exemplaren der 4-Anna-Marke, bei denen der Kopf Victorias kopfstehend gedruckt ist. Die beiden Marken sind auf dem Brief selbst verkehrt herum aufgeklebt. Tapling kaufte dieses Stück 1890 für 32 Pfund von dem italienischen Briefmarkenhändler Emilio Diena. Melville verzeichnete 1905 für die Tapling Collection neben den beiden zusammen auf dem Umschlag erhaltenen Marken auch ein weiteres einzelnes Exemplar des Fehlers.

Der Fehler wurde nicht unmittelbar bei der Ausgabe bemerkt. Smythies berichtet, dass er erst 1874 bei einer Sitzung der Philatelic Society, London auffiel, als ein Exemplar in einer vorgelegten Sammlung erkannt wurde. In seinem späteren Überblick zählte Smythies etwa 24 bekannte echte Exemplare und schloss aus dem Material, dass mindestens sechs oder sieben Bogen mit dem Fehler gedruckt und ausgegeben worden waren.

Alle bekannten Exemplare sind postalisch gebraucht. Viele Stücke sind achteckig ausgeschnitten; nur wenige sind rechteckig oder auf größerem Briefstück erhalten. Ein einzelnes Exemplar des Inverted Head Four Annas wurde 2013 bei Spink & Son für 69.600 Pfund verkauft. Spink beschrieb die Marke dabei als eine der gesuchten Raritäten der Philatelie des 19. Jahrhunderts und verwies auf ihre Stellung als eine der frühen mehrfarbigen Briefmarken.

Fälschungen und Prüfung

Vergleichsabbildung: links eine Fälschung des Inverted Head Four Annas, rechts eine echte, nicht invertierte 4-Anna-Marke

Wegen der Seltenheit und des hohen Marktwertes wurden Fälschungen des Fehldrucks hergestellt. Smythies unterscheidet einfache Nachahmungen von gefährlicheren Fälschungen, bei denen echte normale Vier-Anna-Marken chemisch behandelt wurden. Dabei wurde entweder der Kopf oder der Rahmen entfernt beziehungsweise verblasst und anschließend kopfstehend nachgedruckt.

Die Prüfung stützt sich unter anderem auf die genaue Zuordnung von Kopf- und Rahmentypen, die verwendeten Drucksteine, die Lage des Druckbildes, das Wasserzeichen und technische Untersuchungen wie ultraviolettes Licht. Smythies nennt einen Fall aus der Sammlung Ferrary, bei dem sich unter der Quarzlampe zeigte, dass der ursprüngliche rote Rahmen nicht invertiert war; außerdem gehörte der Kopf zu einer späteren Druckauflage, von der keine echten invertierten Exemplare bekannt sind. Die Vergleichsabbildung zeigt links eine Fälschung, bei der Kopf und Rahmen nicht zur ersten Druckauflage passen; rechts ist eine echte, aber nicht invertierte Vier-Anna-Marke zum Vergleich abgebildet.

Einordnung

Der Inverted Head Four Annas verbindet mehrere Gründe philatelistischer Bedeutung: Er gehört zu den frühen Ausgaben Britisch-Indiens, ist eine auffällige Druckabart einer zweifarbigen Marke, steht im Zusammenhang mit den technischen Schwierigkeiten des frühen lithografischen Mehrfarbendrucks und ist durch das Tapling-Ganzstück besonders gut dokumentiert.

In der Geschichte bekannter philatelistischer Objekte steht er neben anderen klassischen Invert-Fehlern. Die Inverted Swan gilt als früher australischer Invert-Fehler; bei ihr steht der Rahmen gegenüber dem Schwan kopf. Die Inverted Jenny von 1918 zeigt ein kopfstehendes blaues Flugzeug; nach Angaben des National Postal Museum wurde nur ein Bogen mit 100 invertierten Marken verkauft. Im Unterschied zu diesen beiden Stücken ist der Inverted Head Four Annas besonders eng mit den frühen technischen Problemen des zweifarbigen Steindrucks in Britisch-Indien verbunden.

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 E. A. Smythies: A Classic Stamp Error. In: The American Philatelist. 1980 (englisch, archive.org [abgerufen am 3. Juli 2026]).
  2. 1 2 3 4 India: 1854 4 annas blue and pale red, error head inverted, two used on cover. British Library, abgerufen am 3. Juli 2026 (englisch).
  3. ↑ Art and Industrial Division Acquisition Strategy. National Museum of Ireland, abgerufen am 3. Juli 2026 (englisch).
  4. 1 2 Fred J. Melville: The Tapling Collection of Stamps and Postal Stationery at the British Museum. A Descriptive Guide and Index. Lawn & Barlow, London 1905 (englisch, civilwarphilatelicsociety.org [PDF; abgerufen am 3. Juli 2026]).
  5. ↑ One Of the Most Sought After Stamps of 19th Century Philately Exceeds Its Auction Estimate At Spink. Spink & Son, 23. Januar 2013, abgerufen am 3. Juli 2026 (englisch).
  6. ↑ Art and Industrial Division Acquisition Strategy. National Museum of Ireland, abgerufen am 3. Juli 2026 (englisch).
  7. ↑ Inverted Jenny. Smithsonian National Postal Museum, abgerufen am 3. Juli 2026 (englisch).