Irminenfreihof

Ehem. Kloster St. Katharina, heute Campus Gestaltung der Hochschule Trier, August 2015
Bau der Nachkriegsmoderne, einst Sitz von Finanzamt und Justiz, Juni 2019. Umbau und Fassadenneugestaltung begannen im Oktober 2020
Reste des früheren Fischer- und Schifferviertels Britanien
Barockbau mit dem Römer- bzw. Festsaal der Vereinigten Hospitien Trier

Der Irminenfreihof ist ein Platz am Rande der Trierer Innenstadt. Er ist nach dem ehemaligen Kloster St. Irminen benannt, dessen Name auf die heilige Irmina zurückgeht, und gehörte einst zur Immunität bzw. zum Immunitätsbezirk des Klosters (analog der Domfreiheit, die sich in Trier bspw. auch über den Domfreihof erstreckte). Ein Abschnitt dient heute als Parkplatz.

Auf der Südseite liegt das weitläufige Areal der Vereinigten Hospitien. Dazu gehört das Willibrord-Denkmal, in einem durch einen Torzugang abgetrennten Hospitienbereich. Es ist dem heiliggesprochenen englischen Missionar Willibrord gewidmet, der das Kloster Echternach gründete. Das Irminenkloster stand in engem Austausch mit der luxemburgischen Abtei. Zum Gelände zählt ferner der, auch für Hochzeiten nutzbare, Römer- oder Festsaal in einem Barockanbau. Am heutigen Irminenfreihof 6 (früher 10) stand ein barockes Haus mit gotischem Kern, das im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und später abgerissen wurde. Heute ist es die Adresse eines zwischen 2000 und 2009 errichteten Wohnhauses.

Den Platz dominiert das, in Richtung Moselufer hin gelegene, unter Denkmalschutz stehende ehemalige Dominikanerinnenkloster St. Katharina, am Westrand des Areals. In dem Barockensemble logiert seit 2005 der Campus Gestaltung der (Fach-)Hochschule Trier, der einen weiteren Standort am nahen Paulusplatz umfasst. Der Campus entstand u. a. aus der hier seit 2001 ansässigen Fachrichtung Modedesign. Seine Tradition reicht aber bis 1830 zurück, dem gleichzeitigen Gründungsjahr der Baugewerkeschule zur Ausbildung von Architekten und Bauingenieuren, am Irminenfreihof, sowie der Königlichen Provinzialgewerbeschule, im ehemaligen Karmeliterkloster an der Ecke Fleischstraße/Böhmerstraße (später Kaufhaus Horten).

Am Ostrand der Freifläche und hinter einer mehrere Meter hohen Umfassungsmauer verborgen, liegen die Bereiche des Echternacher Hofs und des östlich davon situierten Ruländer Hofs. Beide gehören zu den Vereinigten Hospitien. Der Echternacher Hof dient er als ein Wohn- und Pflegeheim für Menschen mit Multipler Sklerose. Das namensgebende Gebäude stammt aus dem Jahr 1639 und befindet sich in der Kalenfelsstraße 2; dort ist die Fassade mit Jahreszahl frei einsehbar. Der 1287 erstmals urkundlich erwähnte, doch im 19. Jahrhundert nahezu komplett umgestaltete Ruländer Hof beheimatet diverse Kinder- und Jugendbetreuungsstätten; er kann vom nahe gelegenen Paulusplatz ohne Sichtbehinderung betrachtet werden. In der Umfassungsmauer stellenweise verbaut sind, in Form von Tür- und Fenstereinfassungen, Spolien des früheren Fischer- und Schifferviertels Britanien (von lat. prytaneum = Kornspeicher).

Ein an der Nordseite im Jahr 1961 vollendeter, sechs Etagen umfassender Mehrstöcker der Nachkriegsmoderne beherbergte zunächst das Finanzamt Trier, ab 1991 dann die Trierer Staatsanwaltschaft, bis zu deren Umzug in die Christophstraße im Oktober 2011. Ende September 2012 zog auch das seit 1994 hier untergebrachte Verwaltungsgericht Trier aus, worauf ein mehrjähriger Leerstand folgte. Das Gebäude soll nach Kernsanierung und in neuem Design dem Campus Gestaltung zugeschlagen werden. Die Bauarbeiten begannen im Oktober 2020; ihr Abschluss war ursprünglich zu Beginn des Sommersemesters 2024 vorgesehen. Aufgrund des Anstiegs der Baukosten von 14 auf 17 Millionen Euro und diverser Verzögerungen wurde der Umbau bisher noch fertiggestellt (Stand Oktober 2026).

Am nordöstlichen Ausgang des Platzes, an der Kalenfelsstraße 3 in einem wilhelminischen Eckhaus, befindet sich seit 1904 ein Gastraum mit Biergarten. Ursprünglich residierte hier das Gasthaus Meyer, später die Irminenschenke. Phasenweise große Beliebtheit genossen der von den 1980er Jahren bis 2003 existierende Szene-Treffpunkt Mephisto sowie der von 2015 bis 2019 hier angesiedelte Brauerei-Ausschank Zum Petrusbräu. Zwischendurch und danach wechselten Zeiten des Leerstands mit diversen Inhabern und Namen (Cuba Viejo, Delicia, Namaste Shiva). Anfang September 2026 übernahm die Bestseller-Autorin Stefanie Stahl die Lokalität und betreibt dort eine Mischung aus Restaurant und Weinbar. Neu ist, dass am Wochenende bis 24.00 Uhr im Biergarten ausgeschenkt werden darf. Lange galt die Konzession für den Außenbereich, wegen Anwohnerbeschwerden, nur bis 23.00 Uhr, dann 22.00 Uhr.

Siehe auch

Commons: Irminenfreihof (Trier) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Kulturbüro der Stadt Trier (Hrsg.), Emil Zenz: Straßennamen der Stadt Trier: Ihr Sinn und ihre Bedeutung. Trier, 2003.
  2. ↑ Wächter Willibrord. In: volksfreund.de. 29. Januar 2007, abgerufen am 17. April 2018.
  3. ↑ Helmut Lutz: Verzeichnis der seit 1930 untergegangenen denkmalwerten Bauanlagen. Denkmalpflege in Trier, Städtische Denkmalpflege, 1975.
    Adelheid Lehmann, 2015.
  4. ↑ Patrick Ostermann u. a.: Stadt Trier: Altstadt (= Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland; 17.1). Werner, Worms, 2001, ISBN 978-3-88462-171-4.
  5. ↑ Campus Gestaltung: Profil und Geschichte. hochschule-trier.de, abgerufen am 15. Oktober 2026.
  6. ↑ Ehemaliges Karmeliterkloster. In: Datenbank der Kulturgüter in der Region Trier. kulturdb.de, abgerufen am 15. Oktober 2026.
  7. ↑ www.museum-trier.de - Das Schifferviertel Britanien (Memento vom 18. Dezember 2021 im Internet Archive).
  8. ↑ Die Gestapo Trier in der Christophstraße 1. In: Forschungsstelle Seal. hochschule-trier.de, abgerufen am 15. Oktober 2026.
  9. ↑ Rainer Neubert: Land gibt 13 Millionen Euro für Umbau am Irminenfreihof. hochschule-trier.de, zuerst Trierischer Volksfreund, 5. Mai 2020, abgerufen am 15. Oktober 2026.
  10. ↑ Rainer Neubert: Ausbau der ehemaligen Staatsanwaltschaft zum neuen Haus der Architektur. hochschule-trier.de, zuerst Trierischer Volksfreund, 21. November 2022, abgerufen am 15. Oktober 2026.
  11. ↑ Claire Hermann: 17 statt 14 Millionen – Hochschul-Campus in der Trierer City wird teurer. hochschule-trier.de, zuerst Trierischer Volksfreund, 17. Oktober 2025, abgerufen am 15. Oktober 2026.
  12. ↑ Cordula Fischer: Petrusbräu-Biergarten: Bierlaune schmeckt Nachbarn nicht. Trierischer Volksfreund, 7. Juli 2015, abgerufen am 15. Oktober 2026.
  13. ↑ Roland Morgen: Petru(s)bräu-Brauereiausschank wohl nur noch bis Ende 2019 in der Kalenfelsstraße. Trierischer Volksfreund, 21. Juli 2019, abgerufen am 15. Oktober 2026.
  14. ↑ Claire Hermann: Warum ein Restaurant in bekannter Trierer Location schließt. Trierischer Volksfreund, 12. Mai 2025, abgerufen am 15. Oktober 2026.
  15. ↑ Bestsellerautorin eröffnet heute Lokal mit Biergarten in Trier. sol.de, 2. September 2026, abgerufen am 15. Oktober 2026.

Koordinaten: 49° 45′ 30,7″ N, 6° 37′ 56,1″ O