Ivan Kamenec

Ivan Kamenec bei einer Tagung der Slowakischen Historischen Gesellschaft (2019).

Ivan Kamenec (* 27. August 1938 in Nitra, Tschechoslowakei) ist ein slowakischer Historiker. Er beschäftigt sich insbesondere mit der Geschichte des Slowakischen Staates sowie der slowakischen Beteiligung am Holocaust und gilt als einer der renommiertesten Historiker des Landes.

Leben

Kamenec wurde als Sohn jüdischer Eltern geboren. Sein Vater, erhielt als Bauingenieur im Slowakischen Staat eine wirtschaftliche Ausnahmebescheinigung von der antisemitischen Gesetzgebung und beteiligte sich 1944 am Slowakischen Nationalaufstand.

Im Jahr 1961 absolvierte Kamenec ein Studium der Geschichte und der Kulturgeschichte an der philosophischen Fakultät der Comenius-Universität Bratislava. Danach arbeitete er im Slowakischen Nationalarchiv, im Slowakischen Nationalmuseum und ist gegenwärtig leitender Mitarbeiter des Historický ústav (Historisches Institut). Bis zur Samtenen Revolution 1989 war er Mitglied der kommunistischen Partei. Er beschäftigt sich vor allem mit der Erforschung und der Interpretation der politischen und kulturellen Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Auch beschäftigt er sich mit einigen theoretischen Fragen der slowakischen Historiografie und ihrer Entwicklung. Seine Forschung konzentriert er vor allem auf die Problematik der Geschichte des Slowakischen Staates der Jahre 1939 bis 1945. Sein Schwerpunktthema stellt die historische Rekonstruktion des politischen Systems, des Holocaust und der Profile der höchsten politischen Würdenträger dieses Staates dar.

Extern hält er Vorträge an slowakischen Hochschulen und tritt mit fachlichen Referaten bei wissenschaftlichen Veranstaltungen im In- und Ausland auf.

Rezeption

Die deutsche Historikerin Tatjana Tönsmeyer (2003) urteilt in ihrer Monographie Das Dritte Reich und die Slowakei 1939–1945, dass Kamenec' Arbeiten zu den wenigen seriösen gehören, die in der slowakischen bzw. tschechoslowakischen Historiographie vor der Samtenen Revolution 1989 produziert wurden. Für die Zeit nach der Wende hebt Tönsmeyer die von Kamenec' 1991 erschienene Holocaust-Studie Po stopách tragédie und die 1998 veröffentlichte Tiso-Biographie Tragédia politika, kňaza a človeka hervor.

Die deutsche Historikerin Sabine Witt (2015) wiederum schätzt Kamenec in ihrer Arbeit über nationalistische Intellektuelle folgendermaßen ein:

Ivan Kamenec ist einer der eigenständigsten und renommiertesten slowakischen Historiker, der sich in den 1960er-Jahren intensiv mit der Rolle des slowakischen Staates bei der Deportation von Juden auseinandersetzte und in den 1980er-Jahren eine deutliche Wende zur marxistischen Geschichtsschreibung vollzog.

Werke

Literatur

Commons: Ivan Kamenec – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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Einzelnachweise

  1. ↑ Tatjana Tönsmeyer: Das Dritte Reich und die Slowakei 1939–1945. Politischer Alltag zwischen Kooperation und Eigensinn. Paderborn 2003, S. 16f.
  2. ↑ Sabine Witt: Nationalistische Intellektuelle in der Slowakei 1918–1945. Kulturelle Praxis zwischen Sakralisierung und Säkularisierung. Berlin/München/Boston 2015, S. 11.
Personendaten
NAME Kamenec, Ivan
KURZBESCHREIBUNG slowakischer Historiker
GEBURTSDATUM 27. August 1938
GEBURTSORT Nitra, Tschechoslowakei, heute Slowakei