Raukenblättriges Greiskraut

Raukenblättriges Greiskraut

Raukenblättriges Greiskraut (Jacobaea erucifolia)

Systematik
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Unterfamilie: Asteroideae
Tribus: Senecioneae
Gattung: Jacobaea
Art: Raukenblättriges Greiskraut
Wissenschaftlicher Name
Jacobaea erucifolia
(L.) G.Gaertn., B.Mey. & Scherb.

Das Raukenblättrige Greiskraut (Jacobaea erucifolia, Syn.: Senecio erucifolius L.), auch Raukenblättriges Kreuzkraut genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Jacobaea innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Sie gedeiht insbesondere in kalkhaltigen Halbtrockenrasen.

Beschreibung

Illustration
Stängel mit Laubblättern
Blütenkörbchen

Vegetative Merkmale

Das Raukenblättrige Greiskraut ist eine ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 30 bis 120 Zentimetern. Sie bildet Ausläufer. Die aufrechten Stängel sind kantig, reich beblättert und spinnwebig-wollig bis fast kahl und oft rot-braun überlaufen.

Die mittleren Stängelblätter sind bei Jacobaea erucifolia subsp. erucifolius grau-grün, fiederteilig, mit lanzettlich zugespitzten, meist schmalen Zipfeln und am Grund ohne Anhäufung schmaler Blattzipfel (Öhrchen). Bei der schmalblättrigen Unterart Jacobaea erucifolia subsp. tenuifolia sind die Blattabschnitte schmal-linealisch, am Rand zurückgerollt und auch unterseits meist frischgrün.

Generative Merkmale

Die Blütezeit reicht von Juli bis September; dort wo es gemeinsam mit dem Jakobs-Greiskraut (Jacobaea vulgaris) vorkommt, blüht es etwa sechs bis acht Wochen später als das Jakobs-Greiskraut. In einem Gesamtblütenstand stehen zahlreiche (bis 30 und mehr) Blütenkörbchen zusammen. Die Stängel sind oben ästig und ebensträußig. Die Blütenkörbchen weisen einen Durchmesser von 13 bis 15 Millimetern. Die Hülle ist bei einer Länge von 6 bis 8 Millimetern weit-glockig und besteht aus 13 Hüllblättern und 3 bis 8 aufrecht abstehenden Außenhüllblättern, die etwa halb so lang sind wie die Hüllblätter. Die 13 Zungenblüten sind hell-goldgelb, etwa 8 Millimeter lang und 1 Millimeter breit.

Die Achänen sind alle kurz behaart und 2 Millimeter lang. Der Pappus ist bleibend und zur Fruchtzeit dreimal so lang wie die Achänen.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 40.

Ökologie

Blütenstand mit Körben: die Außenhüllblätter stehen meist mehr oder weniger ab.
Fruchtstand mit Pappus
Korb mit reifen Achänen mit Pappus
Auch die Achänen der Zungenblüten sind dicht kurz behaart

Das Raukenblättrige Greiskraut ist ein Hemikryptophyt mit kriechendem Rhizom.

Die Bestäubung erfolgt vor allem durch Bienen und Fliegen. Die Diasporen, es sind die Achänen, werden durch den Wind ausgebreitet (Schirmchenflieger).

Auf dem Raukenblättrigen Greiskraut wurde die Pilzarten Erysibe cichoriacearum und Ophiobolus tenellus beobachtet.

Vorkommen

Diese eurasisch verbreitete Art fehlt teilweise im norddeutschen Tiefland.

Sie wächst häufig in Kalk-Magerrasen und Weiden, in Halbtrockenrasen oder trockenen Moorwiesen, an Wald- und Strauchrändern, Wegrainen oder Erdanrissen und in Steinbrüchen. Das Raukenblättrige Greiskraut gedeiht am besten auf basenreichen, mäßig stickstoffhaltigen Lehmböden. Nach den Ellenbergschen Zeigerwerten ist es eine Lichtpflanze von subozeanischer Verbreitung und ein Trockniszeiger. Das Raukenblättrige Greiskraut ist in Mitteleuropa eine schwache Verbandscharakterart wärmebedürftiger Distelgesellschaften (Onopordion acanthii). Es kommt besonders oft in halbruderalen, gestörten Pflanzengesellschaften der Verbände Dauco-Melilotion, Convolvulo-Agropyrion oder Mesobromion vor.

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+w+ (frisch aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4 (kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).

Das Raukenblättrige Greiskraut steigt in der Unterart Gewöhnliches Raukenblättriges Greiskraut (Jacobaea erucifolia subsp. erucifolia) in den Allgäuer Alpen im Tiroler Teil am Anstieg zur Gaichtspitze bis zu einer Höhenlage von 1300 Metern auf.

Schmalblättriges Raukenblättriges Greiskraut (Senecio erucifolius subsp. tenuifolius)
Jacobaea erucifolia subsp. argunensis

Systematik

Die Erstveröffentlichung erfolgte 1755 unter dem Namen (Basionym) Senecio erucifolius durch Carl von Linné in Flora Suecica, 2. Auflage, Seite 291. Die Neukombination zu Jacobaea erucifolia (L.) (L.) G.Gaertn., B.Mey. & Scherb. erfolgte 1801 durch Gottfried Gaertner, Bernhard Meyer und Johannes Scherbius in der Oekonomischen Flora der Wetterau, Band 3, Teil 1, Seite 208.

Von Jacobaea erucifolia gibt es je nach Autor mehrere Unterarten (Auswahl):

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 Gerhard Wagenitz et al.: Familie Compositae II. In Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 2. Auflage Band VI, Teil 3, S. 770–772. Verlag Paul Parey, Berlin, Hamburg 1987. ISBN 3-489-86020-9.
  2. 1 2 Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 955.
  3. ↑ Senecio erucifolius L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am 14. April 2023.
  4. ↑ Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 624.
  5. 1 2 3 4 Werner Greuter (2006+): Compositae (pro parte majore). In: Werner Greuter, E. von Raab-Straube (Hrsg.): Compositae.: Datenblatt Jacobaea erucifolia In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.
  6. 1 2 Jacobaea erucifolia. In: POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science, abgerufen am 20. Juni 2026.
Commons: Raukenblättriges Greiskraut (Jacobaea erucifolia) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien