Jacques Berchtold

Jacques Berchtold (* 24. April 1959 in Genf) ist ein Schweizer romanistischer Literaturwissenschaftler. Er war von 2014 bis 2026 Leiter der Fondation Bodmer in Cologny.

Jacques Berchtold (2014)

Leben

Jacques Berchtold wuchs als Sohn des Historikers Alfred Berchtold in Chêne-Bougeries bei Genf auf. Er bestand 1978 die Matura am Collège Calvin und studierte von 1980 bis 1985 Französisch, Deutsch und Geschichte an der Universität Genf. Seine wichtigsten Lehrer waren Jean Starobinski, Bernhard und Renate Böschenstein und Bronisław Baczko, deren Unterricht sein späteres Interesse für das 18. Jahrhundert vorspurte. Er schloss das Studium mit einer Lizentiatsarbeit über das Motiv der Ratten in der Literatur ab, die 1992 in Buchform erschien. Von 1985 bis 1987 war er Assistent an der Universität Bern, dann von 1986 bis 2001 mit kürzeren Unterbrechungen Assistent und Oberassistent in Genf. 1990/91 war er Gastdozent in Yale, 1997/98 Stipendiat am Istituto Svizzero di Roma. 1994 reichte er seine Dissertation über die Darstellung von Gefängnissen in Romanen des 17. und 18. Jahrhunderts in Genf ein. Doktorvater war Alain Grosrichard, der das Lehrgebiet von Jean Starobinski übernommen hatte. Zunächst hatte Berchtold eine Studie über das Motiv des Schachspiels in der Literatur des Mittelalters geplant. Im Jahr 2000 erwarb er an der Sorbonne in Paris die Habilitation à diriger des recherches. Von 2001 bis 2008 war er ordentlicher Professor für die französische Literatur des 18. Jahrhunderts an der Universität Paris III – Sorbonne Nouvelle und von 2008 bis 2014 an der Universität Paris-Sorbonne (Paris IV). Von 2014 bis 2026 war er Direktor der Fondation Bodmer in Cologny. Von 2017 bis September 2024 war er auch Titularprofessor am Institut Éthique Histoire Humanités der Universität Genf, wo er am interfakultären Zentrum für Bioethik und Geisteswissenschaften Kurse anbot.

Berchtold nahm Gastprofessuren u. a. an der Johns Hopkins University in Baltimore (1997), der Universität der Wissenschaften Szeged (2007), der Universität Kairouan in Tunesien (2010, 2013), der Universität Uppsala und der Harvard University (2011) wahr.

Von 1996 bis 2003 war er als Co-Redaktor zuständig für die Annales de la Société Jean-Jacques Rousseau und von 2004 bis 2008 für die Zeitschrift Dix-huitième siècle. Von 2008 bis 2015 war er Präsident der Société Française d’Études du 18e siècle. Von 2016 bis April 2024 war er Präsident der Fondation Pittard de l’Andelyn in Genf, die jährlich einen Literaturpreis verleiht. Seit 2019 steht er zudem der Jury des Literaturpreises der Société littéraire de Genève vor.

Forschung

Berchtold ist ein Spezialist für die Literatur und Geschichte des 18. Jahrhunderts in Frankreich, besonders für das Werk von Jean-Jacques Rousseau und Denis Diderot. In seinen frühen Arbeiten ging er von Motiven oder – wie er es in der Tradition der Genfer Schule nannte – von «Themen» aus (Ratten, Gefängnisse, Kartenspiel), deren Artikulation er durch die Texte aus verschiedenen Zeiten hindurch verfolgte. Er ist seit 2008 Mitherausgeber der im Entstehen begriffenen neuen Ausgabe der Gesammelten Werke von Rousseau, die im Verlag Classiques Garnier erscheint.

Auszeichnungen

Veröffentlichungen (Auswahl)

Monographien

Herausgeberschaft (Auswahl)

Edition

Einzelnachweise

  1. 1 2 Grand Salon: Rencontre avec Jacques Berchtold. In: La Gazette des Délices. Nr. 49, 2016, abgerufen am 14. Februar 2024 (französisch).
  2. ↑ Siehe die Rezension von Meinolf Schumacher, in: Mediaevistik. Nr. 7. 1994, S. 284 f. online.
  3. ↑ Isabelle Martin: Livres: Jacques Berchtold, le thésard, les prisons et le roman. In: Le Temps. 10. Juli 1999.
  4. ↑ Jacques Berchtold, directeur Fondation Martin Bodmer, Sendung Entre nous soit dit, Radio Télévision Suisse, 29. Januar 2020.
  5. ↑ Lebenslauf von Jacques Berchtold (PDF; 55 KB), Website der Fondation Bodmer, abgerufen am 1. August 2024.
  6. ↑ Jacques Berchtold auf der Website der Universität Genf, abgerufen am 1. August 2024.
  7. ↑ Départs à la retraite: Jacques Berchtold. In: Newsletter de la Faculté de médecine. Université de Genève, 4. Dezember 2024, abgerufen am 26. Dezember 2025 (französisch).
  8. ↑ La Fondation Pittard de l’Andelyn attribue son Prix 2024 à Tombola de Jérémie Gindre. In: Fondation littéraire Pittard de l’Andelyn. 2024, abgerufen am 2. August 2024 (französisch).
  9. ↑ Organisation. Société littéraire de Genève, abgerufen am 1. August 2024.
  10. ↑ Siehe Jacques Berchtold: L’approche thématique de l’histoire littéraire. In: Quarto. Revue des Archives littéraires suisses. Nr. 15/16. 2001, S. 112–115.
  11. ↑ A propos… Œuvres complètes de Jean-Jacques Rousseau. Une nouvelle édition. In: La Gazette des Délices. Nr. 19, 2008, abgerufen am 1. August 2024 (französisch).
Personendaten
NAME Berchtold, Jacques
KURZBESCHREIBUNG Schweizer Literaturwissenschaftler
GEBURTSDATUM 24. April 1959
GEBURTSORT Genf