Jacques Cauvin

Jacques Cauvin (* 1930; † 26. Dezember 2001) war ein französischer Archäologe, dessen Forschungsschwerpunkt die Levante und der Nahe Osten war. Dabei konzentrierte er sich vor allem auf das Neolithikum, später auf die symbolische und ideologische Sphäre dieser Epoche.

Leben

Erste Ausgrabungen führte Cauvin, der bei André Leroi-Gourhan gelernt hatte, in den französischen Höhlen von Oullins und Chazelles bei Saint-André-de-Cruzières durch. Diesen Unternehmungen der Jahre 1959 und 1960 folgten 1965 Grabungen in Chandolas.

Seine Spezialisierung auf ostmittelmeerische Stätten geht auf eine Einladung von 1958 durch Maurice Dunand (1898–1987) zurück, dem er bei Grabungen und Studien zu den Werkzeugindustrien von Byblos zur Seite stand, wobei Francis Hours, ein anderer Schüler von Leroi-Gourhan, ihm Cauvin empfohlen hatte. Bis 1967 nahm Cauvin an sieben Kampagnen teil. 1962 arbeitete er erstmals im syrischen Obermesopotamien, 1963 in Aammiq II, dann 1972 am Tell Aswad. In Mureybet, das Maurits van Loon entdeckt hatte, leitete er die nachfolgenden Grabungskampagnen. Die Fundstätte wies die längste Sequenz seit dem Tell es-Sultan in Israel auf (1971–1974), wurde allerdings 1974 unter Wasser gesetzt. In der Nachbarschaft folgte 1976 eine Grabung am Tell Sheikh Hassan.

Nachdem Maurits van Loon einen weiteren wichtigen Fundplatz entdeckt hatte, nämlich El Kowm, wo das französische Außenministerium mit Syrien vereinbarte, bei Mureybet eine Fläche von 30 km² zu untersuchen, übernahm mit Hilfe des Centre national de la recherche scientifique Jacques Cauvin die Ausgrabungen. Diese standen nunmehr im Kontext von Notgrabungen an möglichst vielen Fundorten, die durch den Bau der Tabqa-Talsperre gefährdet waren. 1976 versank Mureybet schließlich im Assad-Stausee. 1978 fragte die türkische Regierung gleichfalls wegen einer Notgrabung am Euphrat, genauer in Cafer Höyük nach, ein Unternehmen, das bis 1986 andauerte, als ein Stausee das dortige Gebiet gleichfalls überflutete.

Seit 1957 arbeitete Cauvin am Centre national de la recherche scientifique, wurde 1966 Chargé, stieg bis 1983 zum Directeur auf, um 1995 Director Emeritus zu werden. Er lehrte in Paris von 1978 bis 1982, ebenso wie in Lyon. Er war mit Marie-Claire Cauvin verheiratet, directrice am CNRS, und gleichfalls spezialisiert auf die Archäologie des Nahens Ostens. Im Juli 2000 zog sich der erkrankte Cauvin aus der Forschung zurück.

Schriften (Auswahl)

Literatur

Anmerkungen

  1. ↑ Notice de personne im catalogue.bnf.fr, abgerufen am 20. August 2021
  2. ↑ Jacques Cauvin: Les fouilles de Mureybet (1971–1974) et leur signification pour les origines de la sedentarisation au Proche-Orient, in: David Noel Freedmann, John M. Lundquist (Hrsg.): Archeological Reports from the Tabqa Dam Project – Euphrates Valley, Syria (= The Annual of the American Schools of Oriental Research, 44). American Schools of Oriental Research, Cambridge 1979, ISBN 0-89757-044-8, S. 19–48, doi:10.2307/3768538.
  3. ↑ Adnan Bounni: Campaign and exhibition from the Euphrates in Syria, in: David Noel Freedmann, John M. Lundquist (Hrsg.): Archeological Reports from the Tabqa Dam Project – Euphrates Valley, Syria (= The Annual of the American Schools of Oriental Research, 44). American Schools of Oriental Research, Cambridge MA 1979, S. 1–7, doi:10.2307/3768538.
  4. ↑ Encyclopedia Universalis - Marie-Claire Cauvin.