Jacques Hamel (* 30. November 1930 in Darnétal; † 26. Juli 2016 in Saint-Étienne-du-Rouvray) war ein französischer katholischer Priester. Er wurde bei dem Anschlag in Saint-Étienne-du-Rouvray von zwei Attentätern des Islamischen Staats ermordet, während er in der Kirche Saint-Étienne (Sankt Stephan) die Heilige Messe zelebrierte. Sein Seligsprechungsverfahren wurde 2017 eröffnet.
Jacques Hamel wurde am 30. November 1930 in Darnétal im französischen Departement Seine-Inferieure (mittlerweile Seine-Maritime) geboren. Sein Geburtshaus steht in der Rue Louis Pasteur, nahe der Kirche Saint-Ouen de Longpaon, wo er auch getauft wurde. Sein Vater arbeitete für die Eisenbahn, seine Mutter war eine sehr fromme Hausfrau. Mit sechs Jahren wurde er Ministrant in der Kirche Saint-Paul de Rouen und trat mit 14 Jahren ins Kleine Seminar ein. In den 1950er-Jahren leistete er seinen Militärdienst in Algerien ab. Eine Beförderung zum Offizier verweigerte er, da er sich einerseits nicht über seine Mitsoldaten erheben und andererseits niemanden den Befehl zum Töten erteilen wollte. Als einfacher Soldat und als einziger Überlebender seiner Truppe kehrte er im November 1954 zurück.
Hamel empfing am 30. Juni 1958 die Priesterweihe von Erzbischof Joseph-Marie Martin für die Erzdiözese Rouen. Zu seinen Stationen als Kaplan zählten Saint-Antoine in Le Petit-Quevilly sowie ab 1967 Notre-Dame-de-Lourdes in Sotteville-lès-Rouen. 1975 wurde er Pfarrer von Saint-Pierre-lès-Elbauf und wurde 1988 nach Cléon versetzt. Von 2005 bis zu seiner Ermordung war er Subsidiar in Saint-Étienne-du-Rouvray, wo er schon seit dem Jahr 2000 als Pfarrer tätig gewesen war.
2008 feierte er den 50. Jahrestag seiner Priesterweihe und somit das „goldene Priesterjubiläum“. Nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo im Jänner 2015 wurde ein Komitee zum interreligiösen Dialog ins Leben gerufen, an dem Jacques Hamel teilnahm. Die katholische Kirche schenkte auch der lokalen muslimischen Gemeinde das Grundstück für ihre Moschee.
Am 26. Juli 2016 drangen gegen 9:45 Uhr zwei mit Stichwaffen ausgerüstete islamistische Terroristen in die Kirche Saint-Étienne in Saint-Étienne-du-Rouvray ein. Sie griffen zunächst Jacques Hamel an, der gerade die Morgenmesse vor fünf Gläubigen (drei Ordensschwestern aus dem Orden der Vinzentinerinnen sowie ein Pensionistenehepaar) feierte. Laut Augenzeugen schrien sie: „Ihr Christen unterdrückt uns!“ und zwangen Hamel auf die Knie, wo sie ihn heftig attackierten. Zusammen mit der Polizei, die vor Ort eintraf, umstellte die französische Brigade de recherche et d’intervention (BRI), eine auf Raub und Geiselnahmen spezialisierte Einheit, das Gebäude und erschoss die beiden Dschihadisten, als diese versuchten, die Kirche zu verlassen, während sie sich zum Schutz hinter zwei Ordensfrauen versteckten. Jacques Hamel wird von den Behörden mit durchgeschnittener Kehle tot aufgefunden, eine Autopsie stellt später 18 Stich- und Schnittverletzungen fest. Ein anderer Messteilnehmer wird ebenfalls schwer verletzt.
Der französische Historiker Jean-François Colosimo stellte fest, dass Jacques Hamel der erste katholische Priester seit dem Aufstand der Vendée war, der in Frankreich während einer Eucharistiefeier ermordet wurde. Gleichermaßen war es der erste Mord, den Anhänger des Islamischen Staats in einer europäischen Kirche verübten. Die vatikanische Organisation Fides verkündete, dass Hamel der einzige, 2016 in Europa getötete katholische Priester war, unter insgesamt 28 getöteten katholischen Missionaren weltweit in diesem Jahr.

In dieser Stadt habe der interreligiöse Dialog einen hohen Stellenwert gehabt, erklärte Imam Mohamed Karabila. Die katholische Kirche hatte den Muslimen das Grundstück geschenkt, auf dem sie ihre Moschee errichteten. Karabila, Vorsitzender des regionalen Rats der Muslime, kannte Hamel von regelmäßigen Treffen der Religionsvertreter. Er habe ihn als „Mann des Friedens, der Religion, einen charismatischen Mann“ erlebt, sagte er dem Figaro. Der Tod seines Freundes macht Karabila fassungslos: „Ich kann es nicht begreifen. Wir beten für die Familie und die katholische Gemeinde.“ Ähnlich schrieb die Tageszeitung The Malta Independent am 3. August 2016: „Wir versuchen, dem Vorbild nicht nur von Papst Franziskus, sondern auch dem von Pater Jacques Hamel zu folgen, der den Muslimen in seinem Pfarrbezirk half, ihre Moschee zu errichten, bevor er von zwei IS-Anhängern ermordet wurde.“
Am 2. August 2016 fand in der Kathedrale von Rouen vor mehr als 2000 Menschen und in Anwesenheit hoher geistlicher Würdenträger verschiedener Religionen sowie des französischen Innenministers Bernard Cazeneuve eine Trauerfeier für Hamel statt.
Der Erzbischof Dominique Lebrun von Rouen sammelt Material für eine mögliche Seligsprechung des von Islamisten getöteten Priesters.

Am Mittwoch, dem 14. September 2016, feierte Papst Franziskus in seiner Residenz Santa Marta eine Messe für Jacques Hamel im Beisein von Familienangehörigen sowie dem Erzbischof von Rouen Dominique Lebrun. Hierbei rief der Papst alle Religionen auf, sich von dieser Art der Gewalt zu distanzieren: „Wie sehr wünschte ich, dass alle religiösen Konfessionen klar aussprechen würden: Im Namen Gottes zu töten ist satanisch!“ Franziskus schlug den Bogen vom ersten Opfer am Kreuz, jenem von Jesus, über die Märtyrer der frühen Kirche bis zu den Märtyrern von heute. Die Geschichte der Morde aus Glaubenshass wiederhole sich andauernd und sei aktuell noch blutiger als zu Zeiten der alten Kirche. „Heute werden Christen getötet, gefoltert, eingesperrt, wird ihnen die Kehle durchgeschnitten, weil sie Jesus Christus nicht verleugnen. Damit kommen wir im Rahmen dieser Geschichte zu unserem Père Jacques: Er gehört zu dieser Kette der Märtyrer. Christen leiden heute im Gefängnis, durch Folter oder durch Mord, weil sie Jesus Christus nicht verleugnen, und das lässt uns wirklich die Grausamkeit dieser Verfolgung ermessen.“
Schon zwei Wochen nach dem Attentat erklärt Dominique Lebrun, der Erzbischof von Rouen, einen Seligsprechungsprozess anstreben zu wollen. Im September 2016 feiert Papst Franziskus eine Messe im Gedenken an Jaques Hamel und beschreibt ihn in seiner Predigt als Märtyrer. Am 2. Oktober 2016 verkündet Erzbischof Lebrun bei der Wiedereröffnung der Kirche Saint-Étienne-du-Rouvrey, dass Papst Franziskus die Einleitung der Seligsprechung genehmigt und von der kirchenrechtlich vorgesehenen fünfjährigen Wartefrist dispensiert hat. Kirchenrechtlich zuständig bleibt die Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse. Das Martyrium von Priester Hamel ist die entscheidende Voraussetzung für die Seligsprechung.
Das Seligsprechungsverfahren für Jacques Hamel wurde, laut einer Mitteilung des Erzbischofs von Rouen am 13. April 2017, offiziell eröffnet. In einer ersten Phase wurden auf diözesaner Ebene Dokumente und Zeugnisse gesammelt.
Seit Anfang März 2019 ist dieser Untersuchungsprozess abgeschlossen. Die Unterlagen wurden nach Rom weitergeleitet. Dort erstellt die Heiligsprechungskongregation einen Bericht für den Papst, dem letztendlich die Entscheidung über die Seligsprechung obliegt.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hamel, Jacques |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer katholischer Priester im Erzbistum Rouen |
| GEBURTSDATUM | 30. November 1930 |
| GEBURTSORT | Darnétal |
| STERBEDATUM | 26. Juli 2016 |
| STERBEORT | Saint-Étienne-du-Rouvray |