Jacques Pradon

Jacques Pradon (* 21. Januar 1644 in Rouen; † 14. Januar 1698 in Paris) war ein französischer Tragödiendichter.

Leben

Vorbemerkung zu Vorname und Geburtsjahr

Jacques Pradon wurde am 21. Januar 1644 in Rouen getauft. Da der Vorname im 17. und 18. Jahrhundert in seinen Werken nicht verwendet wurde, kam es ab dem Ende des 18. Jahrhunderts zu der irrtümlichen Annahme, sein Vorname sei Nicolas und das Geburtsjahr 1632. Erst Thomas W. Bussom hat die Fakten verarbeitet, was aber wegen der von ihm verwendeten englischen Sprache in der französischen Forschung lange nicht zur Kenntnis genommen wurde. Viele Darstellungen nennen ausschließlich den Vornamen Nicolas.

Opposition zu Racine

Pradon kam 1668 im Gefolge des Herzogs von Montausier nach Paris, als dieser, bis dahin in Rouen Kommandant der Normandie, zum Erzieher des Thronfolgers berufen wurde. Pradon hatte 1673 mit seinem ersten, im Hôtel de Bourgogne aufgeführten Theaterstück Pirame et Thisbé großen Erfolg. Ab seinem zweiten Stück trat er in Rivalität zu Racine, dessen Bajazet von 1672 er unter dem Titel Tamerlan ou la Mort de Bajazet 1675 seine eigene Fassung entgegenstellte, die das Ideal der bienséance (Sittlichkeit) vollkommener verkörperte als die blutige Handlung Racines.

Als bekannt wurde, dass Racine an der Phèdre arbeitete, wurde Pradon von dem Herzog von Nevers (Philippe Mancini, 1641–1707) und von der Herzogin von Bouillon, wie auch von Antoinette Deshoulières, gedrängt, den Stoff ebenfalls zu dramatisieren, was er innerhalb von drei Monaten abschließen konnte. Zwei Tage nach der Erstaufführung der Tragödie Racines kam die Fassung von Pradon auf die Bühne der Salle de la Bouteille und erzielte 19 Aufführungen. Es kam zu einer längeren Polemik zwischen den beiden Lagern, in der Racine zwar Henri Jules de Bourbon, prince de Condé und vor allem Nicolas Boileau auf seiner Seite hatte, doch trug der Vorgang dazu bei, den empfindlichen Racine zum Verzicht auf weitere Bühnenschöpfungen zu bewegen.

Die offizielle Literaturgeschichtsschreibung hat Pradon das nie verziehen und sich mit harschen Urteilen über seine angebliche Unfähigkeit gerächt, die erst in allerneuester Zeit einer angemesseneren Würdigung Platz machen. Immerhin konnte Pradon fünf weitere Stücke aufführen, deren Erfolg unter anderem durch Übersetzungen in andere Sprachen und nach seinem Tod durch mehrere Auflagen der gesammelten Werke beglaubigt wurde.

Werke

Tragödien

Weitere Werke

Literatur

Handbuchliteratur

Einzelnachweise

  1. ↑ Bussom 1923, S. 12
Personendaten
NAME Pradon, Jacques
ALTERNATIVNAMEN Pradon, Nicolas (Falschschreibung)
KURZBESCHREIBUNG französischer Tragödiendichter
GEBURTSDATUM 21. Januar 1644
GEBURTSORT Rouen
STERBEDATUM 14. Januar 1698
STERBEORT Paris