James Churchward

James Churchward

James Churchward (* 27. Februar 1851 in Bridestow bei Okehampton, Devon, England; nach anderen Angaben 1852; † 4. Januar 1936 in Los Angeles, Kalifornien) war ein britischer Ingenieur, Erfinder und Autor. Bekannt wurde er durch eine mehrbändige Buchreihe, in der er die Existenz eines angeblich im Pazifischen Ozean versunkenen Kontinents namens „Mu“ postulierte. Seine Thesen gelten in Wissenschaft und Forschung als Pseudowissenschaft beziehungsweise Pseudoarchäologie.

Leben

Churchward wurde als eines von neun Kindern von Henry und Matilda Churchward (geb. Gould) geboren. Sein jüngerer Bruder Albert Churchward (1852–1925) wurde ebenfalls als Verfasser okkultistisch-freimaurerischer Schriften bekannt. Nach dem frühen Tod des Vaters 1854 zog die Familie zunächst zu den mütterlichen Großeltern in die Nähe von Okehampton, später nach London.

In den 1870er-Jahren ging Churchward nach Ceylon (dem heutigen Sri Lanka), wo er als Teepflanzer arbeitete, bevor er in den 1890er-Jahren in die Vereinigten Staaten übersiedelte. Dort meldete er mehrere Patente an, darunter eine als „NCV-Stahl“ bezeichnete Nickel-Chrom-Vanadium-Legierung, die im Ersten Weltkrieg zur Panzerung von Schiffen verwendet wurde. Nach einem Vergleich in einem Patentrechtsstreit zog er sich 1914 auf ein Anwesen am Lake Wononskopomuc in Lakeville, Connecticut, zurück.

Nach eigener Darstellung habe Churchward während einer Hungersnot in Britisch-Indien die Freundschaft eines Hindu-Priesters gewonnen, der ihm Zugang zu uralten Tontafeln in einer angeblichen Sprache namens „Naacal“ verschafft habe. Diese Tafeln hat außer Churchward niemand je gesehen; ihre Existenz gilt als nicht belegt. Maßgeblich beeinflusst wurde Churchward zudem durch den Archäologen Augustus Le Plongeon, mit dem er in den 1890er-Jahren befreundet war und dessen bereits zuvor widerlegte Theorie eines versunkenen „Landes Mu“ er übernahm und weiter ausbaute.

Die Mu-Bücher

Ab 1926 veröffentlichte Churchward über mehrere Jahre eine Serie von Büchern, die seine Theorie über den Kontinent Mu ausbreiteten:

Laut Churchward habe sich Mu über weite Teile des Pazifiks erstreckt – etwa von nördlich Hawaiis bis zu den Fidschi-Inseln und der Osterinsel – und damit rund die Hälfte des heutigen Pazifischen Ozeans eingenommen. Der Kontinent sei von bis zu 64 Millionen Menschen bewohnt gewesen, denen Churchward sämtliche antiken Hochkulturen – von Ägypten über Indien bis zu den Maya – als bloße Kolonien oder Abkömmlinge zuschrieb. Zum Untergang durch vulkanische Kataklysmen macht Churchward in seinen einzelnen Büchern unterschiedliche und widersprüchliche Zeitangaben, die zwischen rund 12.000 und weit über 50.000 Jahren schwanken. In seiner Beschreibung der Bevölkerung Mus nahm er zudem eine rassistisch geprägte Hierarchisierung vor, wonach eine „weiße Rasse“ über die übrigen Bewohner geherrscht habe – ein Punkt, der in kritischer Sekundärliteratur wiederholt hervorgehoben wird.

Wissenschaftliche Einordnung

Churchwards Theorien fanden in Archäologie und Geologie keine Anerkennung und gelten heute einhellig als pseudowissenschaftlich. Weder die von ihm beschriebenen Tontafeln noch geologische Belege für einen versunkenen pazifischen Kontinent konnten je nachgewiesen werden; die Annahme ist zudem mit den Erkenntnissen der Plattentektonik unvereinbar. Auch die von Le Plongeon stammenden Maya-„Übersetzungen“, auf die sich Churchward stützte, gelten in der Fachwelt als fehlerhaft.

Rezeption

Trotz fehlender wissenschaftlicher Grundlage entfaltete Churchwards Mu-Mythos eine breite Nachwirkung in Esoterik und Populärkultur. Das britische Elektronik-Label Planet Mu benannte drei Kompilationsalben (The Cosmic Forces of Mu, 2001; Children of Mu, 2004; Sacred Symbols of Mu, 2006) nach Titeln aus Churchwards Werk. Die Anime-Serie RahXephon greift Elemente seiner Mu-Theorie für ihre Handlung auf, und im Videospiel Star Ocean (1996) wird der versunkene Kontinent Mu als Herkunftsort einer außerirdischen Zivilisation genannt. Der Okkultautor Raymond Buckland verfasste unter dem Pseudonym „Tony Earll“ mit Mu Revealed (1969) eine Parodie auf Churchwards Werk.

Im Manga und Anime One Piece von Eiichiro Oda wird seit der Einführung des „Antiken Königreichs“ und der Figur Imu in Fan-Communitys und der Unterhaltungspresse wiederholt eine Verbindung zu Churchwards Mu-Mythos vermutet: So wird etwa die von Churchward behauptete Bezeichnung „Ra“ für einen Herrscher von Mu mit dem ägyptischen Sonnengott Ra assoziiert, der wiederum als mögliche Inspiration für die Figuren „Sonnengott Nika“ und „Joy Boy“ gilt. Diese Parallelen beruhen ausschließlich auf Spekulationen von Fans und einschlägigen Unterhaltungsmedien; eine Bestätigung durch Autor Eiichiro Oda selbst liegt nicht vor.

Werke (Auswahl)

Literatur

Commons: James Churchward – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 Churchward, James (1852–1936), Encyclopedia of Occultism and Parapsychology, über encyclopedia.com, abgerufen am 10. September 2026.
  2. ↑ Jason Colavito: The Weird Case of Atlantis-Mu in the Madrid Codex, jasoncolavito.com, abgerufen am 10. September 2026.
  3. ↑ One Piece's Mother Flame Is the Key to Deciphering Imu's Identity & the Ancient Kingdom, ScreenRant, 25. Mai 2024, abgerufen am 10. September 2026.
Personendaten
NAME Churchward, James
KURZBESCHREIBUNG britischer Ingenieur, Erfinder und Autor
GEBURTSDATUM 27. Februar 1851 oder 1852
GEBURTSORT Bridestow bei Okehampton, Devon (England), England
STERBEDATUM 4. Januar 1936
STERBEORT Los Angeles, Kalifornien