Jamondino

Jamondino
Basisdaten
Fläche: 11,527 km²
Lage 1° 11′ N, 77° 15′ WKoordinaten: 1° 11′ N, 77° 15′ W
Politik
Departamento: Nariño
Lage

Jamondino ist ein Corregimiento der Gemeinde (municipio) Pasto im Departamento de Nariño in Kolumbien. Im Westen und Süden grenzt Jamondino an Catambuco, im Osten an Mocondino und im Norden an die Stadt Pasto.

Das Corregimiento wurde durch den Acuerdo Municipal N.º 018 am 30. Juli 2007 durch den Concejo Municipal („Stadtrat“) von Pasto geschaffen. Die amtliche Karte der Alcaldía weist eine Fläche von 11,527 km² aus.

Geographie und Bevölkerung

Jamondino liegt auf rund 2800 m Höhe. Nach Angaben des DANE aus dem Jahr 2012 lebten im Corregimiento rund 8128 Menschen; Jamondino war damit das zweitbevölkerungsreichste Corregimiento von Pasto. Einer sozioökonomischen Studie zufolge stammten um 2005 etwa zehn Prozent der Bevölkerung aus anderen Orten, darunter Guaitarilla, Ancuya, Túquerres und das Departamento de Putumayo.

Geschichte

Das Gebiet von Pasto war vor der spanischen Eroberung überwiegend von Quillacinga besiedelt. Um 1580 ist der Ort als Jamundino belegt. Er war damals dem Encomendero Urbano de Lara mit 46 tributpflichtigen Quillacinga zugeteilt. Nach einer im Ort überlieferten Erzählung gehen die ähnlich klingenden Namen Jamondino, Mocondino und Pejendino auf drei Söhne eines Kaziken zurück, unter denen dieser das Land aufgeteilt habe. Weitere Belege dafür gibt es nicht.

Der Historiker Sergio Elías Ortiz beschrieb 1935 die beiden indigenen Resguardos Jamondino und Males. Sie lagen etwa fünf Kilometer von Pasto entfernt auf einer Hochfläche rund 20 Meter über dem Niveau der Stadt. Von den zusammen 1005 Hektar entfielen 985 auf Jamondino und 20 auf Males; eine Grenze zwischen beiden bildete nur ein gemeinsamer Weg. Jede Familie bewirtschaftete eine eigene Parzelle mit Kartoffeln, Gerste und Mais als Grundnahrungsmitteln. Gemüse wie Zwiebeln, Kohl und Salat bauten einige für den Verkauf an.

Wirtschaft

Wichtigste Einkommensquellen sind Landwirtschaft, insbesondere der Anbau von Zwiebeln und Kartoffeln, sowie Viehhaltung, Kleintierzucht und Möbeltischlerei. Ein Teil der Bewohner arbeitet zudem im Baugewerbe.

Kultur

Religion und Feste

Schutzpatroninnen des Ortes sind die Nuestra Señora del Rosario und die Nuestra Señora de la Natividad. Das Patronatsfest wird am 8. September gefeiert, unter anderem mit einem Feuerwerksgerüst (castillo). Zu den weiteren kirchlichen Festen gehören Fronleichnam, die Prozessionen der Karwoche, der Dreikönigstag am 6. Januar und die Weihnachtsprozession am 24. Dezember. Diese führt vom Haus des fiestero (Festausrichters) zur Kirche, die Teilnehmer sind als Figuren der Weihnachtsgeschichte verkleidet. Ortiz berichtete 1935, dass bei den nächtlichen Karwochenprozessionen alle Heiligenbilder der Kirche mitgetragen wurden und das Fasten danach mit einem reichlichen Bußmahl aus Kürbis, Ollucos und Karotten gebrochen wurde.

Beim voto navideño (Weihnachtsgelübde) verpflichtet sich ein Bewohner, ein Jahr lang Mittel zu sammeln und die Weihnachtsfeier auszurichten. Nach der Messe wird der Nachfolger für das kommende Jahr bestimmt, anschließend lädt der fiestero zu Essen, Musik und Getränken in sein Haus ein. Ältere Bewohner berichten, dass es früher zwei Feste mit guaguas de pan (Brotfiguren) gab, heute nur noch eines.

Traditionen

Als traditionelle Gemeinschaftspraktiken gelten:

  • der enteje: ein Fest zur Fertigstellung eines neuen Hauses, früher meist aus Stampflehm (tapia) mit Ziegeldach. Nachbarn und Freunde halfen beim Eindecken. Der Hausbesitzer setzte einen geschmückten letzten Ziegel, auf dem First wurde ein Kreuz angebracht. Danach wurde mit Musik, Essen und Chicha gefeiert.
  • die minga: gemeinschaftliche Arbeitseinsätze, etwa zur Reinigung der Straßengräben oder am Friedhof.
  • die veladas: gemeinsame Essensabende in Privathäusern, deren Erlöse dem Ort zugutekamen. Heute haben Festivals und Bingos diese Rolle weitgehend übernommen.
  • die Tulpa: die traditionelle offene Feuerstelle, um die sich die Familie zum Kochen, Wärmen und Erzählen versammelte.

Enteje, veladas und tulpa werden nach Aussagen von Bewohnern heute kaum noch oder nur in veränderter Form gepflegt.

Bildung

Das Centro Educativo Municipal Jamondino geht auf eine Schule zurück, die 1935 mit 13 Mädchen und 13 Jungen begann. Wegen Wassermangels wurde sie abwechselnd (nicht alle Schüler auf einmal) besucht.

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 Alcaldía de Pasto: CTO. DE JAMONDINO. Amtliche Karte.
  2. ↑ Acuerdo Municipal N.º 018. Concejo Municipal de Pasto, 30. Juli 2007.
  3. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 Ana Cristina Viteri Jojoa: Otras miradas a las memorias y saberes tradicionales. Re significación de saberes y prácticas culturales en el corregimiento de Jamondino. Trabajo de grado, Licenciatura en Artes Visuales, Universidad de Nariño, San Juan de Pasto 2022.
  4. ↑ Sergio Elías Ortiz: Las comunidades indígenas de Jamondino y Males. Boletín de Estudios Históricos, Suplemento Nr. 3, Pasto 1935; zitiert nach Viteri Jojoa 2022.
  5. ↑ Ortiz 1935, zitiert nach Viteri Jojoa 2022.