Jan Bender

Jan Oskar Bender (* 3. Februar 1909 in Haarlem; † 29. Dezember 1994 in Hanerau-Hademarschen) war ein Kirchenmusiker und Komponist niederländischer Herkunft, der in Deutschland und den USA tätig war.

Leben

Jan Bender wurde kurz nach dem Tod seines Vaters geboren. Seine Mutter, die aus Lübeck stammte, kehrte 1922 mit ihren vier Kindern dorthin zurück. Er erhielt ersten Orgelunterricht in der Marienkirche bei Karl Lichtwark und Walter Kraft und wurde eins der ersten Mitglieder des 1928 von Bruno Grusnick gegründeten Lübecker Sing- und Spielkreises. Bender besuchte die reformpädagogisch geprägte Oberschule zum Dom, wo Bernhard Capell sein Musiklehrer war. Als Abschlussarbeit schrieb er ein Streichquartett in d. Von 1930 bis 1933 studierte er in Leipzig Kirchenmusik, unter anderem bei Karl Straube. Nachdem er nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 zunächst nach Amsterdam gegangen war, kam er 1934 wieder nach Lübeck. Dort studierte er vor allem bei Hugo Distler und wurde dessen erster Kompositionsschüler.

Nach Ablegung des A-Examens erhielt Bender eine Stelle an der Lübecker St.-Gertrud-Kirche. Hier wurde er in die Auseinandersetzungen des Kirchenkampfs verwickelt, als er sich Ende 1936 weigerte, bei einem Gottesdienst die Orgel zu spielen, den ein den Deutschen Christen angehörender Pastor halten sollte. Als daraufhin durch einen Bedienungsfehler des Küsters die Orgel versagte, wurde Bender, der der Bekennenden Kirche angehörte, „Orgelsabotage“ vorgeworfen. Am Neujahrstag 1937 wurde er festgenommen und in das Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht, wo er bis zum 20. April 1937 in „Schutzhaft“ festgehalten wurde. Im Herbst 1937 erhielt er einen Ruf als Kirchenmusiker an die Lambertikirche in Aurich. Er wurde zur Wehrmacht eingezogen und verlor 1941 vor Leningrad ein Auge. 1944 kam er an der Westfront in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft. Dort schrieb er einfache Chorsätze für Lagergottesdienste, die nach seiner Entlassung als Auricher Singbüchlein im Bärenreiter-Verlag veröffentlicht wurden.

Weitere Stationen seines Berufslebens waren zunächst Langen (Hessen) bei Frankfurt am Main und St. Michaelis in Lüneburg. Gastprofessuren führten ihn an die Valparaiso University und University of Denver in den USA. 1960 nahm er einen Ruf als Assistant Professor für Kirchenmusik am Concordia Teachers College in Seward (Seward County (Nebraska)) an, einer Einrichtung der Lutheran Church – Missouri Synod. 1965 wechselte er an die Wittenberg University in Springfield (Ohio), wo er bis 1976 blieb. Er war Mitglied verschiedener Gesangbuch-Kommissionen der Lutherischen Kirchen in den USA.

Mit seiner Frau kehrte er 1976 nach Deutschland zurück und verbrachte seinen Ruhestand in Hanerau-Hademarschen. Seine letzte Ruhestätte liegt auf dem Waldfriedhof Hanerau.

Nachlass

Benders Nachlass, der mehr als 1500 Kompositionen umfasst, befindet sich in der Stadtbibliothek zu Lübeck.

Werke

Orgelkompositionen

Chorlieder

Liturgisches Material

Schriften

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Katalog der Werke ohne Opuszahl, abgerufen am 28. September 2020.
  2. ↑ Schnoor (Lit.), S. 102.
Personendaten
NAME Bender, Jan
ALTERNATIVNAMEN Bender, Jan Oskar (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG niederländisch-deutscher Komponist und Kirchenmusiker
GEBURTSDATUM 3. Februar 1909
GEBURTSORT Haarlem
STERBEDATUM 29. Dezember 1994
STERBEORT Hanerau-Hademarschen