Jan Pieper

Jan Pieper (* 24. Mai 1944 in Lüdinghausen/Westfalen) ist ein deutscher Architekt der historischen Bauforschung, Hochschullehrer und Autor.

Leben

Jan Pieper wuchs als Sohn des Glasmalers Vincenz Pieper und seiner Frau Christine, geb. Mies, in Angelmodde bei Münster auf. Nach seinem Abitur 1964 am Johann-Conrad-Schlaun-Gymnasium studierte er Architektur an der TU Berlin, wechselte 1968 nach dem Vordiplom und einer Südostasienreise an die RWTH Aachen, um dort 1970 am Lehrstuhl Gottfried Böhms sein Diplom abzulegen. Danach arbeitete er praktisch in England und war von 1970 bis 1972 Forschungsstudent im postgraduierten Programm der Architectural Association School of Architecture in London sowie Stipendiat des British Council im Aufbaustudium Architekturgeschichte an der Universität London. Hier forschte er über den Neo-Palladianismus in Britisch-Indien 1756–1853, insbesondere auf einem Feldaufenthalt 1972/73 in Indien über die Palladio-Rezeption in der Britisch-Indischen Kolonialarchitektur. Nach Mitarbeit im Architekturbüro Gottfried Böhm in Köln wurde Pieper nach seiner Promotion von 1974 bis 1976 dessen wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Stadtbereichsplanung und Werklehre in der Architekturabteilung der RWTH Aachen. Dort habilitierte er sich nach Feldforschungen vor Ort 1978 über kulturspezifische Begriffe von Raum, Architektur und Stadt im vorkolonialen Indien. Bis 1983 wirkte er als Privatdozent am Institut für Kunstgeschichte. 1988 wurde Pieper zum Professor berufen und lehrte Baugeschichte an der Fachhochschule Aachen, von 1988 bis 1993 als Professor für Architektur- und Stadtgeschichte an der TU Berlin und von 1993 bis 2013 als Professor am Lehrstuhl für Baugeschichte und Denkmalpflege der RWTH Aachen. Von 1996 bis 1999 war er Dekan der Fakultät für Architektur und ist seit 1996 Senator der RWTH Aachen sowie seit 1999 Mitglied der Senatskommission und Vorsitzender des Fakultätsausschusses für Struktur, Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs.

2023 kritisierte er die Rückgabe der Benin-Bronzen, da es sich nicht um Raubkunst handele, sondern durch im Kunsthandel rechtmäßig erworbenes Eigentum des deutschen Staates.

Forschung

Bau- und Bestandsaufnahme als wissenschaftliche Methode der Architektur- und Bauforschung zeichnen Pieper als maßgeblichen Vertreter der Aachener Schule aus. Auf langjährigen Aufenthalten in Süd- und Südostasien während der 60er und 70er Jahre forschte er zur vergleichenden Architekturgeschichte (Palladianismus und Kolonialarchitektur); seit 1982 erforschte Pieper die italienische Renaissance – insbesondere den Ausbau von Pienza zu einer Idealstadt durch Papst Pius II., ferner Sabbioneta, eine andere Renaissance-Idealstadt in der Lombardei – und die Rezeption der italienischen Renaissance nördlich der Alpen, insbesondere in Frankreich. Von 1995 bis 1999 war er Herausgeber der Zeitschrift Daidalos für Architektur, Kunst und Kultur.

Schriften (Auswahl)

Quelle:

Einzelnachweise

  1. ↑ Eintrag auf den Seiten der RWTH Aachen (Memento des Originals vom 25. März 2018 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  2. ↑ Abschiedsvorlesung von Jan Pieper (Memento des Originals vom 25. März 2018 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., Eintrag auf den Seiten der RWTH Aachen
  3. ↑ TU Berlin: Mitarbeiter Pieper. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 4. März 2016; abgerufen am 24. März 2018.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  4. ↑ Leserbrief in der FAZ Nr. 149, S. 23
  5. ↑ Sebastian Redecke: Forschen mit Jan Pieper. Bauwelt Heft 45, 2013, abgerufen am 24. März 2018 (deutsch).
  6. ↑ Karl-Heinz Hänel: Buch: Pienza Der Entwurf einer humanistischen Weltsicht. Karl-Heinz Hänel, 5. Januar 2016, abgerufen am 24. März 2018 (deutsch).
  7. ↑ Jan Pieper: Beispiel Sabloneta quadrata, die römischen Grundlagen des Stadtplans von Sabbioneta. Zs. Bauwelt 40–41/05, Bauverlag BV, Gütersloh. S. 33–45
  8. ↑ Jan Pieper: Sabbioneta - Die Maßfigur einer Idealstadt. In: Kulturerbe. RWTH Aachen, 17. September 2012, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 2. November 2019; abgerufen am 2. November 2019.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  9. ↑ TU Berlin: Schriftenreihe Pieper. Abgerufen am 24. März 2018.
Personendaten
NAME Pieper, Jan
KURZBESCHREIBUNG deutscher Architekturhistoriker und Hochschullehrer
GEBURTSDATUM 24. Mai 1944
GEBURTSORT Lüdinghausen, Westfalen