Jean-Joseph Merlot

Jean-Joseph Merlot (1964)

Jean-Joseph Merlot (* 27. April 1913 in Seraing, Provinz Lüttich; † 22. Januar 1969 ebenda) war ein belgischer Politiker der Sozialistischen Partei, der unter anderem zwischen 1968 und 1969 stellvertretender Premierminister war.

Leben

Jean-Joseph Merlot, Sohn des Politikers Joseph Merlot studierte an der Universität Lüttich und schloss seine Studien 1935 mit einem Doktortitel in Rechtswissenschaften und einem Diplom in Politik- und Sozialwissenschaften ab. Nach seiner anwaltlichen Zulassung war er zunächst als Rechtsanwalt am Arbeitsgericht, später am Berufungsgericht Lüttich tätig. 1935 wurde er Vorsitzender des Allgemeinen Verbandes Sozialistischer Studenten und während des Zweiten Weltkrieges in das belgische Heer eingezogen. Er nahm an der Schlacht um Belgien (10. bis 28. Mai 1940) teil und geriet in deutsche Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Befreiung engagierte er sich während der deutschen Besetzung Belgiens im Widerstand und verteidigte als Anwalt belgische Patrioten vor deutschen Gerichten.

Nach Kriegsende war Merlot von 1946 bis 1969 Mitglied des Gemeinderates von Seraing und fungierte als Nachfolger seines Vaters Joseph Merlot zwischen 1947 und 1969 Bürgermeister von Seraing. 1954 wurde er erstmals Mitglied der Belgischen Abgeordnetenkammer und vertrat in dieser bis zu seinem Tode am 22. Januar 1969 das Wahlkreis „Lüttich“. Am 25. April 1961 wurde er als Minister für öffentliche Arbeiten in die Regierung Lefèvre berufen und bekleidete dieses Ministeramt bis zu seinem Rücktritt am 5. November 1962, woraufhin Georges Bohy seine Nachfolge antrat. Er musste als Minister zurücktreten, da sich der Lütticher Verband der Belgischen Sozialistischen Partei von der Annahme des Plans des Innenministers Arthur Gilson zur Festlegung der Sprachgrenze distanzierte. Merlot, der sich lange im wallonischen Aktivismus engagierte und sich insbesondere für wirtschaftliche Belange einsetzte, unterstützte die Wallonenpolitik entschieden. Er war der erste Vorsitzende des Ständigen Ausschusses der Wallonischen Verbände der PSB und 1967 Generalberichterstatter des Kongresses der Wallonischen Sozialisten in Verviers.

Jean-Joseph Merlot setzte einen Reformplan durch, der die Anerkennung der flämischen, wallonischen und Brüsseler Gemeinschaften, die Einrichtung von Gremien mit wirtschaftlichen und kulturellen Zuständigkeiten sowie die Ernennung regionaler Minister vorsah. Auf Grundlage dieses Plans trat er am 17. Juni 1968 als stellvertretender Premierminister und Wirtschaftsminister in die Regierung G. Eyskens IV ein und bekleidete diese Ämter bis zu seinem Tode bei einem Autounfall am 21. Januar 1969. Daraufhin wurde Haushaltsminister André Cools zusätzlich stellvertretender Premierminister und Edmond Leburton neuer Wirtschaftsminister wurden. Er war seit dem 2. April 1938 mit Simone Renard verheiratet.

Einzelnachweise

  1. ↑ Leburton, Edmond (Jules Isidore). In: rulers.org. Abgerufen am 10. August 2026 (englisch).
  2. ↑ Regierung Lefèvre (Memento vom 3. Dezember 2022 im Internet Archive)
  3. ↑ Gilson, Arthur (Robert Aline Ghislain). In: rulers.org. Abgerufen am 10. August 2026 (englisch).
  4. ↑ Cools, André (Hubert Pierre). In: rulers.org. Abgerufen am 10. August 2026 (englisch).
  5. ↑ Leburton, Edmond (Jules Isidore). In: rulers.org. Abgerufen am 10. August 2026 (englisch).
  6. ↑ Regierung G. Eyskens V (Memento vom 3. Dezember 2022 im Internet Archive)
  7. ↑ Belgium: Key Ministries. In: rulers.org. Abgerufen am 10. August 2026 (englisch).
Personendaten
NAME Merlot, Jean-Joseph
KURZBESCHREIBUNG belgischer Rechtsanwalt und Politiker
GEBURTSDATUM 27. April 1913
GEBURTSORT Seraing, Provinz Lüttich
STERBEDATUM 22. Januar 1969
STERBEORT Seraing, Provinz Lüttich