
Jean Balthazar, Johann Heinrich Karl Balthazar, (* 27. August 1857 in Köln; † 1926 in Wiesbaden) war ein deutscher Kaufmann und Industrieller.
In Westerstede, der Kreisstadt des Landkreises Ammerland im Nordwesten Niedersachsens, war Balthazar Großgrundbesitzer und Unternehmer. Er war Teilhaber und Mitbegründer an rheinischen und mitteldeutschen Bergwerken, wie zum Beispiel der 1905 in Köln gegründeten Hallesche Kaliwerke Aktiengesellschaft. 1896 begründete er die niederländische „Steenkohlen Handels-Vereeniging“ mit, Filialstelle des rheinisch-westfälischen Kohlesyndikats. Daraus entwickelte sich die heutige SHV Holdings.
In den späten 1890er Jahren lebte Jean Balthazar in den Niederlanden, wo er einen Kohle-Großhandel leitete. Ein enger Geschäftspartner war F. H. Fentener van Vlissingen (1849–1918) und dessen Sohn Frederick Henry van Vlissingen (1882–1962). Daraus entstand eine Freundschaft der Familien, die bis über Balthazars Tod hinaus bestand. Zusammen mit van Vlissinge gründete Balthazar große Unternehmen, wie die „S.H.V.“, Utrecht. Das Syndikat durfte ausschließlich einheimische Kohle vertreiben und handelte Exklusivverträge mit den Eisenbahngesellschaften aus. Trotz der gewährten Rabatte war dieses Monopol ein einträgliches Geschäft (aus Eva-Maria Roelevink: "Organisierte Intransparenz"). Ferner gründeten sie die „Nederlandsche Kunstzijdenfabrik ENKA“, aus der am 28. April 1911 eine Aktiengesellschaft wurde, wie dem Handbuch der deutschen Aktiengesellschaften zu entnehmen ist. Weiterhin war Balthazar Mitbegründer der „Utrechtsche Administratiekantoor Unitas“, Utrecht, das die Syndikatsauflagen und Syndikatsvorteile der SHV aber nicht hatte. Diese Firma arbeitete mit der SVH eng zusammen.
1897 kehrte Balthazar mit seiner Familie nach Deutschland zurück und wohnte bis zu seinem Tod in Bonn. Dort begründete er die Balthazar GmbH. Seine holländischen Geschäfte und Investitionen betrieb er von Deutschland aus ungehindert weiter.
1898 kaufte er das Moorgut Karlshof in niedersächsischen Westerstede und baute es zu einem über die Region hinaus bedeutenden Gut mit dem damals innovativen Baumaterial Eisenbeton aus. Seine Erben besaßen dieses Gut bis 1931/32.
Von 1907 bis 1917 war Balthazar Besitzer der „Ton und Braunkohlen Zeche Berggarten“ und Mitbegründer der „Gewerkschaft Keramchemie Berggarten“ in Siershahn im Westerwald.
Das Gut Garnholt, ebenfalls in Westerstede, erwarb Balthazar 1918 als Wirtschaftsbetrieb für Futteranbau. Dort lebten Erben von Balthazar noch über 30 Jahre nach seinem Tod. Ebenfalls 1918 erwarb Jean Balthazar, wie Unterlagen des Stadtarchivs Westerstede belegen, den Mayerhof mit 45 Hektar Land und den Grundstücken Grasbrock und Thalenbusch in Westerstede. Die Gebäude des Mayerhofs ersetzte er 1919 durch neue Gebäude. Sie stehen heute noch fast unverändert und sind unter Denkmalschutz gestellt.
Balthazars Verwalter und Bewirtschafter der Westersteder Güter war Heinrich Jaspers. Nach dem Tod Balthazars erwarb Jaspers den Hof von Balthazars Erben. Heute ist der sogenannte Jaspers-Hochkamp im Besitz der Stadt Westerstede.
Für seine Verdienste um die oldenburgische Moorkultur wurde Balthazar 1912 zum Kommerzienrat ernannt, 1919 folgte die Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Bonn „an einen großen Förderer sozialer Reformen und warmherzigen Helfer im Kampf gegen die Tuberkulose und Wohnungsnot.“
Im Jahr 1887 heiratete Jean Balthazar Paula Baecker in Köln. Zusammen hatten sie fünf Kinder, drei Söhne und zwei Töchter.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Balthazar, Jean |
| ALTERNATIVNAMEN | Balthazar, Johann Heinrich Karl |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Kaufmann und Industrieller |
| GEBURTSDATUM | 27. August 1857 |
| GEBURTSORT | Köln |
| STERBEDATUM | 1926 |
| STERBEORT | Wiesbaden |