Meister von Moulins

Triptychon von Moulins – Innenseite
Triptychon von Moulins – Außenseite
Meister von Moulins: Kardinal Charles II. de Bourbon, um 1476
Moulins: Hl. Magdalena mit Stifterin, um 1490

Mit Moulins (französisch: maître de Moulins) wird der gotische Maler bezeichnet, der um 1500 einen dreiteiligen Altar (Triptychon) für die Kathedrale von Moulins geschaffen hat. Der namentlich nicht sicher bekannte Meister stammte eventuell aus Flandern und war vermutlich zwischen 1470 und 1500 tätig. Zuletzt in Frankreich zu finden war sein Hauptauftraggeber der Hof der Herzöge von Bourbon, mit ihrer Residenz in Moulins.

Sein Triptychon von Moulins wird als Spitzenwerk am Ausgang der Spätgotik betrachtet. Es ist typisch für die prominente Darstellung des Stifters im Bild zu dieser Zeit.

Das Triptychon des Meisters von Moulins

Der Altar ist in der Schatzkammer der Kathedrale von Moulins zu finden und besteht aus den drei Bildern:

Die Außenseiten der beiden Flügel zeigen eine Verkündigung in Grisaillen.

Nach einer umfassenden Restaurierung wird das Meisterwerk bis 2028 im Louvre ausgestellt und danach in die Kathedrale zurückkehren.

Identifizierung

Die Auflösung des Notnamens des Meisters von Moulins wird von Kunsthistorikern diskutiert.

Oft wird der Meister mit dem Maler Jean Hay (oder Jean Hey) identifiziert. Ein Maler mit Namen Maistre Je(h)an ist in Unterlagen des Hofes im Moulins damals zu finden. Er wird in Quellen als „Maler des Kardinals“ (also von Kardinal Charles II. de Bourbon, vergleiche dessen Porträt vom Meister von Moulins) bezeichnet und begleitete ihn auf Reisen.

Weiter wird in Fachkreisen der Name Jean Prévost diskutiert, ein in Lyon nachgewiesener Maler und Glasmaler, für das gesamte oder zumindest Teile des Werkes des Meister von Moulin.

Andere Werke des Meisters von Moulins

Eine Reihe von anderen Werken werden dem Meister von Moulins zugeordnet, darunter:

Die Darstellung des Kardinals im Bild entspricht der Beschreibung in einem Vertrag des Malers Pierre Spicre mit dem Stift der Kirche Notre-Dame in Beaune aus dem Jahr 1474, in dem dieser mit Entwürfen für Wandteppiche in der Kirche beauftragt wird: „es soll auch gemacht werden mein Herr der Kardinal betend, mit geschlossenen Händen, sein Kardinalshut neben ihm und sein Hündchen vor ihm, wie es ist auf dem Bild in der Kapelle St. Ligier in Beaune, das der genannte Meister gemacht hat.“ Offenbar diente Pierre Spicres Bild in der St. Ligier-Kapelle dem Meister von Moulins als Vorbild.

Zwei erhaltene Tafeln eines Retabels der Empfängnis Mariens, um 1491/94:

Zwei Tafeln einer Kreuztragung, um 1500 (Chicago, Art Institute):

Zwei Flügel eines Triptychons (Louvre, Paris):

Zeichnungen:

Glasmalereien:

Von „Jean Hey“, der mit dem Meister von Moulins identifiziert wurde, ist ein Werk erhalten, das mit seinem Namen signiert ist:

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Peter Kropmanns: Himmlische und irdische Sphären. Die Restaurierung des Triptychons von Moulins war ein drei Jahre währender, äußerst aufwendiger und kostenintensiver Kraftakt. Das Resultat kann im Louvre bestaunt werden. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11. August 2026, S. 12.
  2. ↑ Charles Sterling: Jean Hey, le Maître de Moulins. In: Revue de l’Art. Band 1–2, 1968, S. 26–33.
  3. ↑ Charles Sterling: Du Nouveau sur le Maître de Moulins. In: L'Œil. Band 107, 1963, S. 2–15.
  4. ↑ Nicole Reynaud: Le Problème du Maître de Moulins. Etat de la Question. In: L’Information d’Histoire de l’Art. Band 2, 1957, S. 175–180.
  5. ↑ Nicole Reynaud. Jean Hey, peintre de Moulins et son client Jean Cueillette. In: Revue de l’Art. Band 1–2, 1968, S. 34–37.
  6. ↑ Auch Madeleine Huillet d’Istria: La Peinture française de la Fin du Moyen Âge. Presses universitaires de France, Paris 1961.
  7. ↑ Dazu zuletzt Pierre-Gilles Girault, Etienne Hamon: Nouveaux documents sur Jean Hey et ses clients Charles de Bourbon et Jean Ceuillette. In: Bulletin Monumental. Band 161–2, 2003 S. 117–125.
  8. ↑ Madeleine Huillet d’Istria: La Peinture française de la Fin du Moyen Âge. Presses universitaires de France, Paris 1961.
  9. ↑ Jacques Dupont: Jean Prévost, peintre de la cour de Moulins. In: Art de France. Band 3, 1963, S. 77–89.
  10. ↑ Auch Madeleine Huillet D’Istria: The Problem of the Master of Moulins. In: The Burlington Magazine. Band 106, 1964, S. 43f.
  11. ↑ Dazu auch Albert Châtelet: A Plea for the Master of Moulins. In: The Burlington Magazine. Band 104, 1962, S. 517–524 und Albert Châtelet: Jean Prévost. Le Maître de Moulins. Gallimard, Paris 2001. Dagegen wendet sich Lorne Campbell in seiner Rezension in The Burlington Magazine. Band 144, 2002, S. 357–359.
  12. ↑ Nach Albert Châtelet: Jean Prévost, Le Maître de Moulins.
  13. ↑ Nach Albert Châtelet: Jean Prévost, Le Maître de Moulins.
  14. ↑ Philippe Lorentz: Jean Hey et le vitrail. Une œuvre méconnue du peintre des Bourbons à la cathédrale de Moulins. In: Les courants stylistiques au temps de Louis XII et de François Ier (= Peindre en France à la Renaissance. Band 1). Mailand 2011, S. 179–194.
  15. ↑ Till-Holger Borchert (Hrsg.): Jan van Eyck und seine Zeit. Flämische Meister und der Süden 1430–1530. Stuttgart 2002, Kat. Nr. 74, S. 252.