Jean Nicolas Grou SJ (* 24. November 1731 in Calais, Frankreich; † 13. Dezember 1803 in Lulworth Castle, England) war ein französischer Jesuit, Priester, Mystiker und Theologe. Er hinterließ eine große Zahl asketischer und mystischer Schriften, die bis in die Neuzeit zahlreiche Auflagen erlebten. Sein Handbuch für innerliche Seelen gilt als Klassiker der geistlichen Lektüre.
Jean Nicolas Grou wurde 1731 in der nordfranzösischen Stadt Calais geboren und trat mit fünfzehn Jahren in das Noviziat der Gesellschaft Jesu ein, 1762 empfing er die Priesterweihe. Nach seinen humanistischen Studien war Grou von 1751 bis 1755 Lehrer am Kolleg in La Flèche. P. Grou machte sich bald auch einen Namen als Übersetzer der Werke von Platon. Seine berühmten Übersetzungen sind immer wieder nachgedruckt worden (z. B. in Platons sämtlichen Werken, herausgegeben von Émile Saisset, Paris 1869, und in der Ausgabe des „Staates“ und der „Gesetze“ von Victor Cousin, Paris 1822). Von 1761 bis 1765 war Pater Grou tätig für die Verteidigung seines Ordens gegen die Jansenisten und die Aufklärungsphilosophen. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens in Frankreich dozierte er Griechisch an der Universität Pont-à-Mousson.
Das philologische Werk Grous ist außerordentlich umfangreich: Korrekturen zum ganzen Text von Homer, Platon, Cicero, Horaz, Livius und auch der Vulgata. Im Jahre 1770 machte er Exerzitien, welche er als seine „zweite Bekehrung“ bezeichnete. Seine Studien beschäftigten sich von da an nur mehr mit dem geistlichen Leben. Es entstand eine Reihe großer aszetisch-mystischer Werke, die bald in viele Sprachen übertragen werden sollten. Sie kennzeichnen sich durch Klarheit und Tiefe, lange persönliche Erfahrung und eine große Beobachtungsgabe und Einfühlungskraft.
Als die Französische Revolution ausgebrochen war, wollte Grou in Paris sich versteckt halten und seinen Dienst in der Seelsorge und Seelenführung weiterführen. Schließlich wurde er aber bewogen nach England zu gehen, wo er in Schloss Lulworth bei Thomas Weld, dem Vater des späteren Kardinals Thomas Weld, Aufnahme fand. Dort setzte er sein Leben der Arbeit, Sammlung und Strenge fort; alle Tage stand er um vier Uhr auf, widmete eine Stunde dem inneren Gebet, betete das Brevier und bereitete sich auf die Heilige Messe vor. Er lebte vorbildlich die Tugend der Armut, er besaß nichts zu eigen. Bald wurde er der geistige Mittelpunkt und der Seelenführer einer Gruppe von Priestern und Ordensleuten. Als Papst Pius VII. die Gesellschaft Jesu für Russland wiederherstellte, baten die alten Jesuiten in England sofort um die Aufnahme in den wiedererstandenen Orden. Am 23. Mai 1803 konnte P. Jean Nicolas Grou seine Gelübde erneuern. Die letzten Monate seines Lebens waren von zahlreichen Krankheiten geprägt. Die Sterbesakramente empfing er bei vollem Bewusstsein und starb mit den Worten „O mein Gott, wie süß ist es, in Deinen Armen zu sterben.“
Jean Nicolas Grou verfasste zahlreiche Schriften zu aszetischen und mystischen Themen. Einige seiner Schriften sind auch vom großen französischen Bischof und Prediger Jacques Bénigne Bossuet beeinflusst, etwa sein berühmtes Werk „Manuel des âmes intérieures“ („Handbuch für innerliche Seelen“), das vom 18.–20. Jahrhundert auch zahlreiche Übersetzungen erfuhr. Die in vielen seiner Bücher niedergelegte Lehre ähnelt auch der von Louis Lallemant SJ. Weiters brachte Grou viele Übersetzungen klassischer philosophischer Werke heraus, vor allem seine Übersetzungen und Kommentare der Werke von Plato erfuhren eine weite Verbreitung. Im deutschen Sprachraum wurden die Werke von P. Grou besonders von Fürstbischof Johannes Zwerger von Graz-Seckau geschätzt.
Einige deutsche Ausgaben seiner Schriften (Auswahl)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Grou, Jean Nicolas |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Jesuit, Priester, Mystiker und Theologe |
| GEBURTSDATUM | 24. November 1731 |
| GEBURTSORT | Calais, Frankreich |
| STERBEDATUM | 13. Dezember 1803 |
| STERBEORT | Lulworth Castle, England |