Jean Ralaimongo

Denkmal für Jean Ralaimongo in Antananarivo

Jean Ralaimongo (* 1885 auf Madagaskar; † 1944 ebenda) war ein madagassischer Lehrer, Aktivist und Politiker. Er setzte sich dafür ein, dass der Bevölkerung Madagaskars die französische Staatsbürgerschaft durch die französischen Regierung verliehen werden sollte und dass Madagaskar ein französisches Département und damit Teil Frankreichs werden sollte. Er erlangte Bekanntheit, als nach seinen Reden 1929 in einem Kino 3.000 Menschen demonstriert hatten.

Leben

Ralaimongo wurde 1985 als Sohn eines Pastors in einer der Missionen auf Madagaskar geboren. Es war dasselbe Jahr, in dem ein Vertrag zwischen dem wichtigsten Herrscher der Insel und Frankreich geschlossen wurde. Die Regelungen in diesem Vertrag dienten zehn Jahre später als Vorwand des Einmarschs Frankreichs.

Ralaimongo wurde Lehrer. Nachdem er 1910 Frankreich besucht hatte, diente er im ersten Weltkrieg, wie 40.000 seiner Landsleute, von denen ein Fünftel nicht zurückkehrte. Diejenigen, die Frankreich diese Treue erwiesen hatten, waren der Meinung, dass auch Frankreich ihnen eine gewisse Treue schulde, und so wollte auch Ralaimongo die Möglichkeit erhalten, die französische Staatsbürgerschaft zu erhalten.

Im Jahr 1913 wurde die Vy Vato Sakelika gegründet. Sie wurde als Kulturorganisation geführt, was aber eine Geheimgesellschaft zu Rebellion gegen die französische Kolonialregierung. Die Regierung war von der Existenz einer Rebellionszelle überzeugt und verurteilte 1916 unter Ausübung von Tribunalbefugnissen einige Mitglieder zu Haftstrafen. Die Strafen wurden nicht vor November 1922 aufgehoben. Als einer der Anführer der VVS stand Ralaimongo unter Beobachtung, zu dieser Zeit war seine Absicht nicht militant. Er wollte, dass Madagakar ein Teil Frankreichs wird und dass seine Landsleute in Frankreich eingebürgert werden. Die Behörden stellten ihn jedoch vor Gericht und verurteilten ihn im Juli 1922 wegen Aufruhrs. Angesichts einer drohenden Haftstrafe ging er nach Paris und wandte sich dem Journalismus zu. In der Folge gründete er die Zeitung L’Opinion, die neben anderen Zeitung in seiner Heimat verlegt wurde.

Anfang 1924 war Ralaimongo noch immer in Paris und traf andere Leute aus dem sozialistischen Umfeld, darunter sein Mitbewohner, der künftige Hồ Chí Minh. Später in diesem Jahr kehrte Ralaimongo nach Madagaskar zurück und befasste sich mit den Arbeitsverhältnissen. Die Franzosen führten ein System mit zwei Ausschüsse ein, welche die Ansichten der Bevölkerung vertreten sollten, diese Vertreter besaßen jedoch keinerlei Befugnisse. Die Ausschüsse trugen den Namen Délégations Économiques et Financières und waren ein Sieg für Ralaimongo, aber die französische Verwaltung lenkte sie maßgeblich und setzte sich für die französischen Siedler ein, während sie die Madagassen größtenteils ignorierte.

Nach einer Rede Paul Dussacs am 19. Mai 1929 in einem Kino erhoben sich 3.000 Demonstranten. Sie versammelten sich vor dem Büro des Gouverneurs in Tananarive, bewaffnet mit Stöcken und roten Fahnen. Als der nächste Generalgouverneur, Léon Cayla, eintraf, hatten die polizeilichen Repressionen die Anführer der Demonstration vom 19. Mai zu Helden gemacht. Der neue General versuchte, die Zahl der für die französische Staatsbürgerschaft genehmigten Anträge zu erhöhen, doch sie blieb weiterhin sehr niedrig und weit hinter der Forderung der Demonstranten nach Masseneinbürgerungen zurück.

Ralaimongo wurde 1930 unter Hausarrest gestellt und erst 1936 Amnestie gewährt. Ralaimongo starb 1944.

Vermächtnis

Erst am Ende des Zweiten Weltkriegs gestattete die französische Regierung eine gewisse Form von Demokratie. Ende 1945 wurden zwei Vertreter durch die Madagassen gewählt, um sie in Paris zu vertreten, Joseph Raseta und Joseph Ravoahangy-Andrianavalona. Beide hatten sich der Selbstbestimmung für Madagaskar verschrieben.

Am 29. März 1947 schlugen die Franzosen einen Aufstand in Madagaskar nieder. Es gab Schätzungen von bis zu 80.000 Toten, doch spätere Angaben bezifferten die Zahl auf 11.000.

Am 26. Juni 1960 wurde Madagaskar unanhängig.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Martin Thomas: The French Empire Between the Wars. Manchester University Press, Manchester 2005, ISBN 978-0-7190-6518-7, S. 82.
  2. ↑ Pierre François Gonidec: African politics. Nijhoff, 1981, ISBN 978-90-247-2391-1, S. 94.
  3. 1 2 3 4 5 Helen Chapin Metz: Madagascar: a country study. Hrsg.: Government of the USA. Federal Research Division of the US Library of Congress (Ed.), Washington, DC 1994 (countrystudies.us).
  4. ↑ Bonar A. Gow: Chapter 13: Madagascar. In: The Cambridge History of Africa. Band 8, 1984, doi:10.1017/CHOL9780521224093.015 (archive.org).
  5. 1 2 Philip M. Allen und Maureen Covell: Historical Dictionary of Madagascar (= Historical Dictionaries of Africa. Band 98). The Scarecrow Press, Inc., Lanham, Maryland 2005 (archive.org [PDF]).
  6. 1 2 A Historical Timeline for Madagascar. In: wildmadagascar.org. Wild Madagascar, abgerufen am 27. Juni 2026.
Personendaten
NAME Ralaimongo, Jean
KURZBESCHREIBUNG madagassischer Politiker, Lehrer und Aktivist
GEBURTSDATUM 1885
GEBURTSORT Madagaskar
STERBEDATUM 1944
STERBEORT Madagaskar