Jean Rudhardt

Jean Rudhardt (* 14. Januar 1922 in Genf; † 29. Juni 2003) war ein Schweizer Religionshistoriker, Gräzist und Papyrologe.

Nach dem Besuch des Collège Calvin studierte Rudhardt, geprägt von dem Genfer Gräzisten und Papyrologen Victor Martin (1886–1964), an der Universität Genf. Selbst von der Tuberkulose betroffen, war er von 1953 bis 1960 Direktor des Sanatorium Universitaire Suisse in Leysin. Nach einer Lehrtätigkeit in Griechischer Philologie, Papyrologie und Religionsgeschichte war er schließlich von 1965 bis 1987 Inhaber des Lehrstuhls für Religionsgeschichte an der Universität Genf, der der Faculté des Lettres zugeordnet ist, und blieb anschließend der Universität als professeur honoraire verbunden. Sein Nachfolger auf dem Lehrstuhl war Philippe Borgeaud (* 1946); ab 2014 war dieser mit Dominique Jaillard (1961–2024) besetzt. Seit 2026 ist Renaud Gagné (* 1976) dessen Nachfolger.

Rudhardt arbeitete hauptsächlich zur griechischen Religion und Mythologie. Maßgeblich auf ihrem Feld ist immer noch die erneut aufgelegte Monographie zu den Grundbegriffen der griechischen Religion und den grundlegenden Kulthandlungen im klassischen Griechenland. Eine weitere seiner Monographien ist der Themis und den Horen gewidmet, die er als Göttinnen der Gerechtigkeit und des Friedens interpretierte. Ein Hauptgebiet, auf dem Rudhardt maßgebliche Arbeiten veröffentlichte, war das Phänomen der Orphik. Auf papyrologischem Feld gab er unter anderem mit André Hurst und Olivier Reverdin die Vision des Dorotheos, mit André Hurst den Codex der Visionen heraus. Unvollendet blieben ein Versuch über die griechische Religion und Untersuchungen zu den Orphischen Hymnen. Methodisch ging Rudhardt von der Sprache und dem Denken aus, wie sie sich in den Texten manifestierten.

Schriften (Auswahl)

Monographien

Herausgeberschaften

Artikel

Literatur