Johannes Sturm

Johannes Sturm (Tobias Stimmer, 1570)
Johannes Sturm (Relief) am ehemaligen Landtag/heute Nationaltheater Straßburg

Johannes Sturm, latinisiert Johannes Sturmius, französisch Jean Sturm, auch Johann Sturm (* 1. Oktober 1507 in Schleiden, Herzogtum Luxemburg; † 3. März 1589 in Straßburg, Elsass) war ein deutscher Humanist, Philologe, Pädagoge und Schulreformer. Er hat das europäische Bildungssystem wesentlich beeinflusst.

Leben

Johannes Sturm, Sohn eines Rentmeisters der Grafen von Manderscheid, besuchte von 1521 bis 1524 die Hieronymitenschule der Brüder vom gemeinsamen Leben in Lüttich und studierte anschließend an der Universität Löwen. Er setzte sich während seiner Studien mit dem Werk des Erasmus von Rotterdam auseinander. In Löwen gründete er zusammen mit einem Gräzisten eine Druckerei, in der er hauptsächlich griechische Klassiker herausbrachte. 1529 erhielt er einen Ruf als Professor klassischer Sprachen und Logik am Collège Royal in Paris. Sturm galt als Vertreter der pädagogischen Ideen Philipp Melanchthons und der theologischen Lehren der Reformation, denen er sich anschloss, ohne in der Folgezeit einer Richtung dogmatisch anzuhängen.

1537 wurde er von Jakob Sturm von Sturmeck (der nicht mit ihm verwandt war) und dem Straßburger Reformator Martin Bucer nach Straßburg berufen, wo er im folgenden Jahr neben dem bereits bestehenden Theologenkonvikt und Pädagogium ein Gymnasium gründete, die Schola Argentoratensis (Straßburger Schule) – das heutige Jean-Sturm-Gymnasium (Gymnase Jean Sturm) –, deren erster Rektor er wurde. Als sich im selben Jahr der durch seine Übersetzungen der Schriften griechischer Ärzte (Galenos u. a.) berühmte protestantische Philologe, Arzt und Anatom Johann Winter von Andernach in Straßburg niederließ, verpflichtete ihn Sturm als Griechischlehrer an seinem Gymnasium. Die Neuordnung des Schulwesens in Straßburg sowie Lehrplan, -methode und -ziel hatte er in seiner Schrift De litterarum ludis recte aperiendis liber veröffentlicht. Die für damalige Verhältnisse pädagogisch fortschrittliche Schule bot später Vorlesungen in Dialektik, Rhetorik, Theologie, Philosophie, Recht und Medizin an. 1566 erhielt sie von Kaiser Maximilian II. das Akademieprivileg, also das Promotionsrecht. Zu Sturms Schülern gehörten unter anderen Martin Crusius und Johann Ludwig Havenreuter.

Seine Schule wurde sehr rasch europaweit zu einem Modell humanistischer Schulgestaltung. Sturm fasste seine Vorstellungen vor allem in der Schrift Leges Scholae Lauinganae („Lauinger Schulordnung“, 1565) zusammen. Von Karl V. wurde er geadelt.

Der Calvinist Sturm wurde 1582 nach Vermittlungsversuchen zwischen französischen Hugenotten und den deutschen Protestanten insbesondere von seinem Straßburger Professorenkollegen Johannes Marbach, aber auch von Johannes Pappus, Lucas Osiander und Jakob Andreae bekämpft und schließlich vom Straßburger Rat als Rektor der Akademie abgesetzt.

Schriften (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 siehe Weblink Philosophengalerie der Universität Düsseldorf
  2. ↑ siehe BBKL
  3. ↑ Sturm. [2] 3). In: Heinrich August Pierer, Julius Löbe (Hrsg.): Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit. 4. Auflage. Band 17: Stückgießerei–Türkische Regenkugel. Altenburg 1863, S. 11 (Digitalisat. zeno.org).
Personendaten
NAME Sturm, Johannes
ALTERNATIVNAMEN Sturm, Jean; Sturmius, Ioannes (latinisiert); Sturm, Johann
KURZBESCHREIBUNG deutscher protestantischer Gelehrter und Pädagoge
GEBURTSDATUM 1. Oktober 1507
GEBURTSORT Schleiden
STERBEDATUM 3. März 1589
STERBEORT Straßburg