Jean de Coras

Jean de Coras (* 3. Dezember 1512 in Réalmont (Département Tarn); † 4. Oktober 1572 in Toulouse) war ein französischer Jurist und Hochschullehrer in Toulouse. Er starb als Opfer der Ausschreitungen um die Bartholomäusnacht in Toulouse. De Coras nahm an der Betrachtung des „Falles Martin Guerre“ teil.

Frontispice aus dem Arresto Memorable (1560)

Leben und Wirken

Geboren wurde de Coras in Réalmont als Sohn eines Advokaten am Parlement in Toulouse, avocat au Parlement de Toulouse. Der Name seiner Mutter lautete Jeanne de Termes. Er studierte Rechtswissenschaften in Toulouse, Cahors, Orléans, Paris und Padua und promovierte in Siena im Jahr 1535. Unter seinen Lehrern fanden sich Franciscus Curtis der Jüngere († 1495) und Marianus Socinus der Jüngere (1482–1556). Nach seiner Promotion 1535 in Padua bei Filippo Decio (1454–1535) lehrte er Rechtswissenschaften ab dem Jahre 1536 an der Universität von Toulouse, es folgten Valence im Jahre 1545 und in Ferrara 1550, wo man in ihm einen der beliebtesten Professoren seiner der Zeit sah.

Im Jahre 1552 wurde De Coras Mitglied des Parlement von Toulouse und nahm an der berühmten Studie zu Martin Guerre teil, er schrieb hierzu Arrest Memorable du Parlement de tolose (1560). Später im Jahre 1562, nachdem er zum Protestantismus konvertiert war, scheiterte er bei dem Versuch, die Stadt Toulouse für die Calvinisten zu öffnen. Er beteiligte sich hierzu an dem Aufstand der Hugenotten in der Stadt an der Garonne. Die Rebellion misslang und de Coras musste nach Navarra fliehen, dort übernahm er die Aufgaben eines Kanzlers des Königreichs von Navarra, chancelier du royaume de Navarre. Später um 1563 kehrte er nach Toulouse zurück. Heinrich II. ernannte ihn zum Parlamentsrat in Toulouse. Er war aber 1566 wieder gezwungen die Stadt wieder zu verlassen und lebte hieraufhin zeitweise in La Rochelle.

De Coras war zweimal verheiratet; seine erste Ehefrau war Catherine Boysonné, Tochter eines Tolouser Kaufmanns. Gemeinsam hatten sie zwei Kinder, die Tochter Jeanne und den Sohn Jacques. Nach dem Tod seiner Ehefraum um 1552/1553 heiratete er später erneut. Der Name seiner zweiten Ehefrau war Jacquette de Bussi, eine Cousine De Coras'. De Coras unterstützte die Hugenotten bei den protestantischen Unruhen, die in den Ersten Hugenottenkrieg gipfelten. Durch das Einwirken von Louis I. de Bourbon, prince de Condé wurde de Coras im Jahre 1568 inhaftiert und im Jahre 1572 im Gefängnis, nach dem Massaker in der Bartholomäusnacht, ermordet.

Herrschaftsgebiete im Westen und Südwesten Europas unter Carlos I. von Spanien und Heinrich II. von Frankreich um 1519–1556; einschließlich des Königreich Navarra, in gelber Farbe unterlegt

Werke

Literatur

Wikisource: Jean de Coras – Quellen und Volltexte (französisch)

Einzelnachweise

  1. ↑ Réseau des Bibliothèques - Université de Toulouse. Coras, Jean de
  2. ↑ Ernst Holthöfer: De Coras, Jean. In: Michael Stolleis (Hrsg.): Juristen: ein biographisches Lexikon; von der Antike bis zum 20. Jahrhundert. C.H. Beck, München 2001, ISBN 3-406-45957-9, S. 162.
  3. ↑ Friedrich Karl von Savigny: Geschichte des römischen Rechts im Mittelalter. Band 6, Mohr und Zimmer, 1831, S. 307.
  4. ↑ Johannes Corasius Rechtshistorische Notizen und Texte: Heino Speer. Kurzbiographische Daten
  5. ↑ P. Arabeyre, J.-L. Halphérin, J. Krynen: Dictionnaire historique des juristes français (XIIe-XXe siècle). Pub. sous la dir. de Paris, PUF, 2007.
  6. ↑ Axel Rüth: Erzählte Geschichte: narrative Strukturen in der französischen Annales-Geschichtsschreibung. Walter de Gruyter, 2005, ISBN 3-11-018369-2, S. 176.
  7. ↑ Natalie Zemon Davis: Die wahrhaftige Wiederkehr des Martin Guerre. 1. Auflage. Wagenbach, Berlin 2004, S. 124–125.
Personendaten
NAME Coras, Jean de
ALTERNATIVNAMEN Joannis Corasi
KURZBESCHREIBUNG französischer Jurist, Hochschulprofessor
GEBURTSDATUM 3. Dezember 1512
GEBURTSORT Réalmont (Département Tarn)
STERBEDATUM 4. Oktober 1572
STERBEORT Toulouse