Eine Jehse (nach Wilibald von Schulenburg auch Jäse, mittellateinisch Geze) war ein wehrartiges Wasserbauwerk in Pfahlbauweise, das den Sorben zum Fischen diente. Eingedeutscht wurde sie als Jehsenschlag bezeichnet.
Der niedersorbische Begriff ist ten jas (die Jäse).
Der Name der ehemaligen Obodriten im heutigen Mecklenburg leitet sich ebenfalls von Pfahlwerk im Wasser ab. Er stammt von 'odry' für Pfahlwerk, also für die am Gewässer wohnen.
Die mittelniederdeutsche Entsprechung (vom 12. bis 16. Jahrhundert) lautet Slaht (auch Slat): ein Pfahlwerk als ‚Uferbefestigung‘ bzw. „ein quer durch das Flussbett als Fisch- oder Mühlenwehr aufgeführtes Stauwerk aus Holz oder Steinen“.
Der Fischfang wurde mit Hilfe von Pfahlwerken und Weidengeflechten in der Elbe betrieben. Im 17. Jahrhundert musste diese Art der Fischerei wegen Behinderung der Elbeschifffahrt eingestellt werden.
Jehse wurde aus dem Altsorbischen abgeleitet:
Kemnitz umfasste im Jahre 1324 sechs Hufen, eine Mühle, einen Garten sowie eine Fischfangstelle mit einer Geze (Jehse). Es wurde in jenem Jahr Eigentum der Meißner Domherren Heinrich und Albrecht von Guben:
Diese Mühle fand nochmals am 16. Februar 1350 Erwähnung, zusammen mit der Fischfangstelle (der Jehse):
Im frühen Mittelalter war der Elbtalkessel (Gau Nisan) mit vielen Elbarmen durchzogenen. Neben Kemnitz und Gauernitz gab es Fischerdörfer wie Copitz, Cebegrin (Söbrigen), Pillnitz, Hosterwitz, Alt-Tolkewitz an der Einmündung des Altelbarmes, Wachwitz, Loschwitz, Blasewitz, Ranvoltitz, das Fischerdorf an der Frauenkirche an der Einmündung des Altwasserarms Gruna-Striesen, Altfischersdorf, Alt-Mickten an der Einmündung der Kaditzer Flutrinne, Bortzschen an der Kaditzer Flutrinne und Gohlis.