Jeremy Adler

Jeremy Adler (* 1. Oktober 1947 in London) ist ein britischer Dichter und emeritierter Professor für deutsche Sprache am King’s College London. Seit 2005 ist er Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Leben

Adler ist der Sohn des Schriftstellers H. G. Adler und der Bildhauerin Bettina Gross (1913–1993). Er studierte am Queen Mary College in London englische wie deutsche Literatur und promovierte (1977) bei Claus Victor Bock über das Thema Eine fast magische Anziehungskraft: Goethes Wahlverwandtschaften und die Chemie seiner Zeit. Er war mit Bill Griffiths, Lawrence Upton, Dick Higgins u. a. am British Poetry Revival im Writer’s Forum London um Bob Cobbing beteiligt, veröffentlichte dort Konkrete und Visuelle Poesie, Texte und Gedichte auch von H. G. Adler und Franz Wurm wie 1971–73 und 1977 vier Ausgaben der von ihm herausgegebenen Sammlung A. An Envelope Magazine of Visual Poetry als Künstlerbücher im Selbstverlag Alphabox. Die Nachlässe seines Vaters und Franz Baermann Steiners überließ er dem Deutschen Literaturarchiv Marbach und gab Werke aus deren Nachlass heraus. Zusammen mit Rüdiger Görner und Michael Krüger berichtete er über Deutschsprachige Exilanten in London im Zeichen der Shoah im Internationalen Kolleg Morphomata der Universität Köln am 7. November 2016.

Eine Liste der Opfer seiner eigenen Familie im Weltkrieg umfasst 100 Namen.

Adler war Mitglied des Colloquiums Neue Poesie in Bielefeld, im akademischen Jahr 1985/1986 und wieder im Jahr 2011/2012 Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin. In Deutschland wurde Adler durch seine Kritik an Bernhard Schlinks Bestseller Der Vorleser bekannt. Mit seiner Ablehnung der Edition von Mein Kampf durch das Institut für Zeitgeschichte München-Berlin löste er eine internationale Debatte aus. Seine Auffassungen und Kritik fasste Adler in seinem 2018 erschienenen Buch Das absolut Böse zusammen, sie werden von Wolfgang Benz geteilt.

Adler setzte sich öffentlich gegen den Brexit ein und befürwortete den Verbleib des Vereinigten Königreiches in der EU. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung kritisiert er den EU-Deal mit der Türkei als Menschenhandel und fordert die Einrichtung einer europäischen Flüchtlingsbehörde.

2022 veröffentlichte Adler sein Opus magnum Goethe: Die Erfindung der Moderne, eine Biographie.

Werke (Auswahl)

Gedichte und Künstlerbücher

Sachbücher

Herausgeber des Nachlasses von Franz Baermann Steiner

Einzelnachweise

  1. ↑ Bettina Adler. Deutsche-biographie.de; abgerufen am 9. November 2023.
  2. ↑ Jeremy Adlers Eintrag im Wiki Encyclopedia of Humanthermodynamics
  3. ↑ Jeremy Adler, Rüdiger Görner und Michael Krüger: Deutschsprachige Exilanten in London im Zeichen der Shoah. Morphmomata - Universität Köln, 7. November 2016, abgerufen am 12. Mai 2026.
  4. ↑ "Ich habe einmal eine Liste der Opfer meiner eigenen Familie im Weltkrieg zusammengestellt. Dabei kam ich auf hundert Menschenseelen, ein ganzes Dorf." Jeremy Adler: Erinnerungen an Bohumil Hrabal. In: Sinn und Form 3/2026, S. 376-383.
  5. ↑ Der Fellowfinder. Wissenschaftskolleg zu Berlin, abgerufen am 7. Oktober 2020.
  6. ↑ Jeremy Adler: Die Kunst, Mitleid mit den Mördern zu erzwingen. Einspruch gegen ein Erfolgsbuch: Bernhard Schlinks „Der Vorleser“ betreibt sentimentale Geschichtsfälschung. In: SZ, 20. April 2002, S. 18.
  7. ↑ Jeremy Adler im Gespräch mit Jasper Barenberg: Kontroverse um "Mein Kampf". "Dieses Buch beinhaltet noch eine Gefahr". Deutschlandfunk, 8. Januar 2016, abgerufen am 4. Mai 2017.
  8. ↑ Jeremy Adler: Das absolut Böse lässt sich nicht neutralisieren. Süddeutsche Zeitung, 4. Januar 2016, abgerufen am 4. Mai 2017.
  9. ↑ Jeremy Adler: Debatte: Das absolut Böse. Süddeutsche Zeitung, 6. Januar 2016, abgerufen am 4. Mai 2017.
  10. ↑ Jürgen Kaube: Das Böse, kommentiert. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. Januar 2016, abgerufen am 4. Mai 2017.
  11. ↑ Patrick Guyton: Aufarbeitung ist ein „Dienst an der Würde der Opfer“. Der Tagesspiegel, 8. Januar 2016, abgerufen am 4. Mai 2017.
  12. ↑ Hubertus Volmer im Gespräch mit Albrecht Koschorke: Hitlers Botschaft. "In 'Mein Kampf' geht es um die Geste". n-tv, 8. Januar 2016, abgerufen am 4. Mai 2017.
  13. ↑ Jeremy Adler: Das absolut Böse. Donat, Bremen 2018, ISBN 978-3-943425-74-1.
  14. ↑ Johannes Klotz: "Mein Kampf" Jeremy Adler greift das Münchner Institut für Zeitgeschichte an. Badische Zeitung, 2. Dezember 2017, abgerufen am 16. März 2018.
  15. ↑ Wolfgang Benz: Jeremy Adler, Das absolut Böse, Rezension. In: Wolfgang Benz, Michael Borgolte, Peter Steinbach und Ludmila Thomas (Hrsg.): Zeitschrift für Geschichtswissenschaft. 66. Jg., Nr. 3. Metropol, Berlin März 2018, S. 291–293.
  16. ↑ Jeremy Adler: Hinter dem Brexit steckt eine pervertierte Idee von Freiheit. Süddeutsche Zeitung, 1. Mai 2017, abgerufen am 4. Mai 2017.
  17. ↑ Jeremy Adler: Der unvollendete Kontinent. Europa lebt vom Handel der Ideen. Neue Zürcher Zeitung, 2. Januar 2017, abgerufen am 4. Mai 2017.
  18. ↑ Paul Munzinger (Interview mit Jeremy Adler): EU-Türkei-Deal : "Dieses Tauschverfahren ist nichts anderes als Menschenhandel". Süddeutsche Zeitung, 4. Mai 2016, abgerufen am 17. August 2018.
  19. ↑ Andreas Kilb: Rezension Goethe-Biographie: Auch die Unendlichkeit braucht ein Gesicht. In: FAZ. FAZ, 14. Oktober 2022, abgerufen am 9. November 2022 (deutsch).
  20. ↑ Uli Hufen: Jeremy Adler: Goethe. Aus dem Englischen von Michael Bischof (Autor im Gespräch). In: WDR 3 Gutenbergs Welt als Podcast. WDR 3, 29. Oktober 2022, abgerufen am 9. November 2022 (deutsch).
Personendaten
NAME Adler, Jeremy
KURZBESCHREIBUNG britischer Dichter und Professor für Deutsche Sprache
GEBURTSDATUM 1. Oktober 1947
GEBURTSORT London