Ještěd

Ještěd
Gipfel des Ještěd mit Funkturm im Gegenlicht
Gipfel des Ještěd mit Funkturm im Gegenlicht
Höhe 1012 m n.m.
Lage Tschechien
Gebirge Jeschkengebirge
Dominanz 18,5 km → Holubník (1070 m n.m.; im Isergebirge)
Koordinaten 50° 43′ 56″ N, 14° 59′ 7″ OKoordinaten: 50° 43′ 56″ N, 14° 59′ 7″ O
Ještěd (Tschechien)
Ještěd (Tschechien)
Gestein Quarzit

Der Ještěd (deutsch Jeschken) ist mit 1012 m n.m. die höchste Erhebung im Jeschkengebirge in Nordböhmen (Tschechien). Der auffallende Fernsehturm auf dem Gipfel macht ihn zu einer unverwechselbaren Landmarke.

Entstehung des Namens

Der Ursprung des Namens ist ungewiss, vermutlich leitet sich der Name von Eschenberg nach der einst dort vorherrschenden Baumart ab. Im Tschechischen ist der Name zuerst im Jahr 1545 als „Jesstied“ nachgewiesen (pod horou Jesstiedem), die deutsche Form wird als „Jeschkenberg“ erstmals im Jahr 1565 erwähnt.

Lage und Umgebung

Luftaufnahme des Gipfels aus südöstlicher Richtung
Schuldschein des Deutschen Gebirgsvereins vom 1. Oktober 1906 mit Abbildung des Hotels im Unterdruck
Blick von Nordost auf Reichenberg und den Ještěd

Der Ještěd befindet sich unmittelbar südwestlich von Liberec (deutsch Reichenberg) und ist dessen Hausberg. Direkt am Fuße des Berges liegen der Stadtteil Horní Hanychov (deutsch Oberhanichen) sowie die Gemeinde Světlá pod Ještědem (deutsch Swetla). Am Nordwesthang entspringt der Ještědský potok.

An den Hängen des Ještěd-Kammes befindet sich eine Reihe von Skiliften und Skipisten für den alpinen Skisport. Bekannt sind auch die Ještěd-Skisprungschanzen. Auf der großen K120-Anlage werden regelmäßig auch internationale Skisprungwettbewerbe ausgetragen. Am Ještěd befindet sich auch ein Bikepark mit fünf Abfahrten unterschiedlicher Länge und Schwierigkeitsgraden, wobei zum Teil die Skiabfahrten genutzt oder gekreuzt werden.

Mit der Kunstbahn Jeschken (auch Jeschkenbahn) gab es die bedeutendste künstlich errichtete Rodelbahn der Sudeten am Berg. Zwischen 1913 und 1937 fanden hier 13-mal die Rodelmeisterschaften der Sudetenländer statt, 1940 die deutschen Meisterschaften. Wichtigste Ereignisse waren die Rennrodel-Europameisterschaften 1914, die ersten überhaupt, die auf der Bahn stattfanden, sowie die Europameisterschaften 1939. Ruinöse Teile der Anlage sind in der Landschaft noch auszumachen.

Geschichte

Bereits 1838 wurde auf dem Gipfel der noch vorhandene Rohanstein errichtet, der gleichzeitig als Grenzstein diente. Eine erste Hütte auf dem Gipfel bestand schon im Jahre 1844.

In den 1860er-Jahren wurde auf dem Gipfel eine Vermessungsstation errichtet, als Station Nr. 4 „Jeschken“ eine Station erster Ordnung der königlich-sächsischen Triangulation.

Am 7. August 1870 fand auf dem Berg ein tábor lidu (Volks-Tábor, ein nationales Treffen der tschechischen Patrioten, dem noch weitere Tábory folgten) statt, aus dem dann 1878 die Sociálně demokratická strana českoslovanská v Rakousku, die tschechische Sozialdemokratie, entstand.

Im Jahre 1906 baute der Deutsche Gebirgsverein für das Jeschken- und Isergebirge ein Berghotel, wofür Schuldscheine ausgegeben worden waren.

Im Jahre 1927 wurde das erste Jeschkenbergrennen für Kraftfahrzeuge veranstaltet.

Die Jeschkenseilbahn von Horní Hanychov zum Gipfel wurde 1933 als Sessellift eröffnet. 1972 folgte der Ersatz durch die Seilbahn. Am 31. Oktober 2021 stürzte eine der beiden Gondeln der Bahn ab. Ein Seilbahnführer kam dabei ums Leben. Der Betrieb der Bahn ist seitdem eingestellt.

Am 23. August 1940 gegen Mitternacht prallte ein Flugzeug des Typs Heinkel He 111 vom Kampfgeschwader 26 (Löwengeschwader) in Lüneburg gegen den Berg unweit des Gipfels und riss eine lange Schneise in den Wald. Bei diesem Unglück starben die vier Insassen.

Im Jahr 2009 wurde ein Teil der Wettkämpfe der Nordischen Skiweltmeisterschaften am Ještěd ausgetragen.

Bebauung

Im 1906 erbauten Berghotel kam es am 31. Januar 1963 zu einem Großbrand. Ein Mitarbeiter hatte versucht, eine eingefrorene Wasserleitung mit einer Lötlampe aufzutauen und dabei eine Holzverkleidung in Brand gesetzt. Wegen der unzureichenden Löschwasserversorgung brannte das Hotel bis auf die Grundmauern nieder.

Von 1966 bis 1973 wurde nach dem Entwurf des Architekten Karel Hubáček ein 99,86 Meter hoher futuristischer Bau neu errichtet, der Fernsehturm Ještěd. Für den Bau, der in Form eines Rotationshyperboloids die Formen der Berghänge aufgreift und nach oben hin fortführt, wurde der Architekt mit dem Auguste-Perret-Preis ausgezeichnet. Der Turm dient als Aussichtsturm, Sendemast, Hotel und Restaurant. Seit dem Jahr 2007 läuft eine Bewerbung zur Aufnahme dieses Bauwerks in die Liste des UNESCO-Welterbes.

Das Hotel steht im Mittelpunkt des Romans Grandhotel (2006) von Jaroslav Rudiš.

Im Februar 2026 kaufte der Liberecký kraj das Berghotel für 181 Millionen Kronen. Der bisherige Eigentümer České radiokomunikace verbleibt als Mieter weiterhin im Gebäude und zahlt dafür jährlich drei Millionen Kronen.

Seilbahn zum Gipfel, 2006

Wege zum Gipfel

Hunderter-Wettbewerb

Der „Hunderter-Wettbewerb“ ist ein ausgefallenes Wettrennen auf den Ještěd. Es geht darum, den Gipfel innerhalb kürzester Zeit hundertmal zu erklimmen und darüber hinaus das Abzeichen für tausend oder fünftausend Aufstiege zu erringen. Als Auszeichnung gab es im Ausschank auf dem Ještěd die Hunderter-Abzeichen und das Halbliterglas mit Namen und der Anzahl der absolvierten Hunderten von Aufstiegen.

Im Jahr 2000 nahm man die Tradition wieder neu auf.

Erwähnenswerte Rekorde

Commons: Ještěd – Sammlung von Bildern und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Robert Knothe: Die alte Jeschken-Rodelbahn. In: Oberlausitz und Nordböhmen (privates BLOG). Robert Knothe, 20. März 2012, abgerufen am 23. Oktober 2024.
  2. ↑ Kalendárium: 10. května 1868 – začátek táborového hnutí. Abgerufen am 25. Juli 2023 (tschechisch).
  3. ↑ Zástupci ČSSD zavzpomínali nejen na ještědské události z roku 1870. 13. August 2013, abgerufen am 25. Juli 2023.
  4. ↑ Das erste Jeschkenbergrennen bei Reichenberg (Böhmen). Artikel in Motor und Sport, Heft 38 (1927), S. 37
  5. ↑ Absturz in Tschechien: Seilbahn-Mitarbeiter tot. Abgerufen am 31. Oktober 2021.
  6. ↑ 9. Juli 1973: Ještěd-Sender feiert heute sein 50-jähriges Bestehen. Tschechien News, 9. Juli 2023, abgerufen am 14. August 2024.
  7. ↑ „Region Reichenberg kauft Berghotel auf dem Jeschken“ auf landesecho.cz
  8. ↑ Mit dem Bus nach Ještěd. Visit^Liberec, 6. Juni 2024, abgerufen am 13. August 2024.