Jie Shan (geboren im 20. Jahrhundert in China) ist eine chinesisch-US-amerikanische Physikerin und Hochschullehrerin. Seit 2025 ist sie Direktorin des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie in Hamburg.
Jie Shan wuchs in den 1970er Jahren in der Provinz Zhejiang auf. Sie war eine herausragende Schülerin und erhielt einen der begehrten Studienplätze an der University of Science and Technology of China in Hefei. Mit einem Austauschstipendium ging sie an die Staatliche Universität Moskau, wo sie 1996 ihr Diplom in Mathematik und Physik erhielt. Danach ging sie auf Einladung von Tony Heinz an die Columbia University (M.S. 1998), wo sie 2001 mit einer von Heinz betreuten Arbeit promoviert wurde.
Von 2002 bis 2014 war sie zunächst Assistant Professor, dann Associated Professor an der Case Western Reserve University und wechselte dann an die Pennsylvania State University, wo sie Full Professor wurde, und 2018 an die Fakultät für angewandte und technische Physik der Cornell University. Im Jahr 2025 wurde Shan gemeinsam mit ihrem Mann Kin Fai Mak als Direktorin ans Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie berufen.
Jie Shan erforscht die optischen, elektronischen und magnetischen Eigenschaften von nanoskaligen Materialien, insbesondere von atomar dünnen zweidimensionalen Kristallen (2D-Materialien) wie Graphen oder Übergangsmetall-Dichalkogenide (TMDs) wie Molybdändisulfit (MoS2) und daraus gebildeten Heterostrukturen (Van-der-Waals-Materialien). Mit ihrer Gruppe entwickelt sie experimentelle Techniken der optischen Spektroskopie und Mikroskopie, um die internen Freiheitsgrade der Elektronen sowie die emergenten Vielteilchenphasen, die in diesen Materialien auftreten, zu untersuchen.
Beispiele hierfür sind korrelierte und topologische Phänomene wie Supraleitung, Magnetismus und Topologische Isolatoren. Für die Experimente der Gruppe werden die verwendeten Materialien durch präzise Kontrolle der Zusammensetzung, der Stapelreihenfolge und durch gezieltes Verdrehen der Schichten synthetisiert und strukturiert.
Gemeinsam mit Mak untersuchte sie 2010 als Erste einen atomar-dünnen Halbleiter (eine Monolage MoS2) und zeigte dessen vom 3D-Material stark abweichende optische Eigenschaften. Weiterhin untersuchten sie die Erzeugung und Wechselwirkung von Quasiteilchen wie Exzitonen und Trionen in diesen Materialien. Seit der Entdeckung der verdrehten Zweilagen-Materialien untersucht sie diese auch als Basis für einen analogen Quantensimulator von stark wechselwirkenden Elektronen. Unter anderem konnte sie mit ihrem Team die Physik des Fermi-Hubbard-Modells simulieren.
Im Jahr 2010 wurde Jie Shan mit dem Scialog Award ausgezeichnet. 2013 wurde Shan zum Fellow der American Physical Society gewählt. Sie erhielt außerdem ein Marie-Tharp-Stipendium des Earth Institute der Columbia University und den CAREER Award der National Science Foundation. In Deutschland wurde sie 2021 mit dem Max-Planck-Sabbatical-Preis und dem Mildred-Dresselhaus-Preis ausgezeichnet. Clarivate zählte Shan 2025 zu den Highly Cited Researchers (wie zuvor schon seit 2023).
Laut Web of Science ist Shan Koautorin von über 400 wissenschaftlichen Artikeln in Peer-Review-Zeitschrifen, die über 58.000-mal zitiert wurden (h-Index 81).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Shan, Jie |
| KURZBESCHREIBUNG | chinesisch-US-amerikanische Physikerin und Direktorin am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie |
| GEBURTSDATUM | 20. Jahrhundert |
| GEBURTSORT | Volksrepublik China |