Johan Luzian

Johan Luzian, auch Juan Luzian (* 9. November 1903 als Friedrich Johannes Adolph Lindenkohl in Hamburg, Deutschland; † 6. Juni 1996 in Chascomús, Argentinien), war ein deutscher Schriftsteller, Journalist, Buchhändler, Verleger, Schauspieler, Hoteldirektor, Verlagsmitarbeiter und Lektor.

Leben und Wirken

Johan Luzian wurde am 9. November 1903 als Friedrich Johannes Adolph Lindenkohl geboren. Er war der Sohn einer hanseatischen Beamtenfamilie in Hamburg. Sein Vater Heinrich Carl Adolph Louis Lindenkohl (1877–1967) führte den Titel Oberinspektor und gehörte der SPD an. Seine Mutter war Sophie Hölscher (1877–1956).

Er besuchte das Gymnasium und schloss sich nach dem Abitur zwischen 1924 und 1926 als Schauspieler einer Gruppe von Künstlern des Hamburger Thalia Theaters an, die über die Hansestadt hinaus in ganz Deutschland Gastspiele gab. Zwischen 1925 und 1927 studierte er in Hamburg und Bonn Philosophie und Literatur; darüber hinaus war er als Schriftsteller und Rezitator tätig. Ab 1927 verwendete er den Namen Luzian statt Lindenkohl.

Ende Dezember 1928 heiratete der evangelisch getaufte Luzian die jüdisch geborenen Leonore „Lore“ Loewenstein (1906–1992), eine Tochter des Paderborner Justizrats Abraham Loewenstein. Im Anschluss wohnten sie in Widdersberg am Pilsensee. Von 1930 bis 1936 arbeitete er zunächst als Buchhändler und danach als Abteilungsleiter beim Langen Müller Verlag in München. Von 1933 bis 1936 schrieb er Beiträge in der Satirezeitschrift Simplicissimus.

Aufgrund der nationalsozialistischen Bedrohung emigrierte das Ehepaar mit seinen Kindern und Lores Eltern im Mai 1936 nach Asunción in Paraguay. Dort eröffnete Luzian im Jahr 1937 wieder eine Buchhandlung, die er 1938 bei einem erneuten Ortswechsel nach Buenos Aires in Argentinien verlegte und sie nach dem Stadtviertel, in der sie lag, Bücherstube Belgrano nannte. Im Jahr 1940 zog die Familie auf Empfehlung seines Freundes Max Tepp nach Chascomús, 125 Kilometer östlich der Hauptstadt Buenos Aires. Dort eröffnete Luzian ein Hotel namens Casa de Huéspedes und gründete den Verlag Editorial el Lago. In der Nebensaison nahm er in seinem Hotel Schriftsteller gastlich auf. Zudem betrieb Luzian ein Kunstcafé mit Kulturprogramm, bis er das Hotel 1956 verkaufte.

Ab September 1936 pflegte Luzian Kontakte zum deutschen Exilmilieu in Buenos Aires, wodurch er schon Ende dieses Jahres gemeinsam mit Max Tepp, einem Lehrer der Goethe-Schule in Buenos Aires, bei der Herausgabe der deutsch-südamerikanischen Monatsschrift Lasso zusammenarbeitete. Auch die 1938 erschienene Publikation Kleines Bilderbuch von Buenos Aires, das Fotos und Texte diverser Künstler und Autoren beinhaltet, entstand aufgrund der Kooperation von Tepp und Luzian. In dieser Zeit entwickelten sich auch die freundschaftlichen Beziehungen zu dem deutsch-argentinischen Künstler Pablo Fabisch, dem aus Uruguay stammenden Zeichner und Illustrator Juan Hohmann sowie dem ebenfalls in Buenos Aires im Exil lebenden deutschen Schriftsteller Paul Zech.

In den folgenden Jahren knüpfte Luzian an seine bisherigen schriftstellerischen Tätigkeiten an und setzte sich unter anderem in Kurzgeschichten, Erzählungen, Gedichten sowie im Roman Der ungläubige Thomas mit der Lebensrealität der Exilanten und den verschiedenen Phasen seiner Exilerfahrung auseinander. Zudem publizierte er im eigenen Verlag diverse Bücher, darunter den 1944 veröffentlichten Gedichtband Chascómus. Verse und Bilder, den er dem eigenen Hotel sowie dem Ort Chascómus widmete. Die Illustrationen des Bandes stammen von seinem Freund Pablo Fabisch.

Ab 1940 schrieb Luzian als freier Mitarbeiter regelmäßig für das Argentinische Tageblatt und andere Zeitungen wie Das andere Deutschland und Südamerika. In den 1950er-Jahren verfasste er auch Bücher auf Spanisch, unter anderem die Titel Casa des Huéspedes, La fundación de Chascomús und Todos los sueños. Nach mehreren Bränden rund um Chascómus Ende der 1950er-Jahre gründete Luzian gemeinsam mit Mitgliedern des Rotary Clubs im Jahr 1960 eine Freiwillige Feuerwehr namens La Sociedad Bomberos Voluntarios, der er 22 Jahre als Präsident vorstand. Darüber hinaus baute er in der Nähe des Museo Pampeanos einen kleinen zoologischen Garten auf, den er fünf Jahre lang betrieb. 1964 erhielt Luzian für sein vielfältiges lokalpolitisches Engagement vom deutschen Botschafter Ernst Günther Mohr das Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.

Luzian starb im Alter von 92 Jahren am 6. Juni 1996 in Chascomús.

Rezeption

Im Jahr 2025 beleuchtete Tomás Schierenbeck zahlreiche Aspekte des Lebens und Wirkens von Johan Luzian in Argentinien in seiner Dissertation Las tramas de la identidad: el semanario Argentinisches Wochenblatt y la construcción de un referente cultural en las comunidades germanoargentinas (1939–1945). So charakterisierte er Luzians Erfahrung als „ein paradigmatisches Beispiel für multiple und widersprüchliche Sozialisationsprozesse.“ Aufschlussreich sei es, Luzians Entscheidung näher zu betrachten, sich aus der Stadt Buenos Aires zurückzuziehen, obwohl ihm die Möglichkeit offen gestanden hätte, sich dem dortigen deutsch-antifaschistischen Sozialisationsnetzwerk anzuschließen, dem er angehörte.

Werke (Auswahl)

Publikationen (Auswahl)

Hörspiele (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 Jorge Bauer: Juan (Johan) Luzian: un hacedor entre Hamburgo y Chascomús. In: Argentinisches Tageblatt. 3. Mai 2025, abgerufen am 4. September 2026 (es-AR).
  2. ↑ Luzian, Johann. In: deutsche-biographie.de. Abgerufen am 3. September 2026.
  3. ↑ Lindenkohl, Friedrich Joh. In: Staatsarchiv Hamburg (Hrsg.): Geburts-General-Register 1901–10, Laabs Melchert. S. 231 (hamburg.de [PDF; 170,0 MB]).
  4. ↑ Archiv Universität Bonn: Anmeldungszettel für Friedrich Lindenkohl (Vorlesungen mit Gebührenangaben) im Sommersemester 1926.
  5. 1 2 3 4 5 Luzian, Johan. In: Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Band 2. Saur, München 1983, ISBN 3-598-10089-2, S. 565.
  6. 1 2 Loewenstein. In: Stadt Paderborn (Hrsg.): Baun wir doch aufs neue das alte Haus. Jüdisches Schicksal in Paderborn. Junfermann, Paderborn 1964, S. 55.
  7. ↑ Personenliste Luzian, Johan. In: simplicissimus.info. Herzogin Anna Amalia Bibliothek, abgerufen am 4. September 2026.
  8. 1 2 Tomás Schierenbeck: Las tramas de la identidad: el semanario Argentinisches Wochenblatt y la construcción de un referente cultural en las comunidades germanoargentinas (1939–1945) [dt. etwa: Die Narrative der Identität: Das argentinische Wochenblatt und die Konstruktion eines kulturellen Bezugspunkts in deutsch-argentinischen Gemeinschaften (1939–1945)]. La Plata 2025, S. 156 ff., 19 Erwähnungen, Suchwort „Luzian“ (spanisch, edu.ar [PDF; 4,5 MB] Dissertation an der Universidad Nacional de La Plata).
  9. ↑ Zum 100. von Tageblatt-Mitarbeiter Johann Luzian. In: Argentinisches Tageblatt, 8. November 2003.
  10. ↑ Luzian, Johan, Buchhandlung, Asuncion (Paraguay), später Buenos Aires (Argentinien). Archival. In: Sächsisches Staatsarchiv. Abgerufen am 4. September 2026.
  11. ↑ Manrique Zago: Deutsche Präsenz in Argentinien. Manrique Zago Ediciones, Buenos Aires 1992, S. 160.
  12. ↑ Traumspiel vom Dichter Klabund, ORAG 1932. In: ARD-Hörspieldatenbank.
Personendaten
NAME Luzian, Johan
ALTERNATIVNAMEN Lindenkohl, Friedrich Johannes Adolph (Geburtsname); Luzian, Juan (spanisch)
KURZBESCHREIBUNG deutscher Schriftsteller, Journalist, Buchhändler, Verleger, Schauspieler, Hoteldirektor, Verlagsmitarbeiter und Lektor
GEBURTSDATUM 9. November 1903
GEBURTSORT Hamburg, Deutschland
STERBEDATUM 6. Juni 1996
STERBEORT Chascomús, Argentinien