John Mattes

John Mattes (* 1859 in Nendingen, Königreich Württemberg als Johann Mattes; † 6. Oktober 1944 in Omaha) war ein US-amerikanischer Politiker (Demokratische Partei) und Braumeister.

Leben

Mattes wurde 1859 in Nendingen geboren und erhielt seine Schulbildung in seinem Heimatland. Im Alter von 18 Jahren emigrierte er nach Des Moines in Iowa. Dort war er 1879 in der Mattes Brewery tätig, die seine Onkel Paul Mattes (1841–1897) und John Mattes Sr. (1847–1914) drei Jahre zuvor gegründet hatten. 1886 zog Mattes nach Nebraska City, wo sein Onkel John eine Brauerei aufgekauft hatte und stieg dort 1890 als dessen Partner ein. 1902 wurde das Unternehmen als Mattes Brewing Co. in eine Kapitalgesellschaft umgewandelt. 1906 verkaufte Mattes seine Anteile an der Brauerei, die im Folgejahr in Otoe Brewing Co. umfirmierte. Sein Onkel blieb im Unternehmen und war dessen Präsident, als er im Dezember 1914 starb. Die Otoe Brewing Co. wurde im Mai 1917 mit der Alkohol-Prohibition in Nebraska geschlossen.

Mattes erlangte als Kandidat der Demokratischen Partei bei Wahlen mehrere Mandate. Er gehörte für das Otoe County dem Repräsentantenhaus (1889) und dem Senat (1891, 1893, 1915, 1917) der Nebraska State Legislature an. Von 1917 bis 1918 war er Senatspräsident. Im Auftrag Julius Sterling Mortons, der von 1893 bis 1897 Landwirtschaftsminister unter Präsident Cleveland war, hielt sich Mattes drei Jahre lang als Repräsentant des US-Landwirtschaftsministeriums in Berlin auf. Im Jahr 1900 war er für eine Amtsperiode Bürgermeister von Nebraska City.

Mattes sprach sich als Politiker nachdrücklich gegen ein Alkoholverbot aus. Er war ein innerparteilicher Opponent von William Jennings Bryan, der die Prohibition unterstützte und Mattes wegen seiner diesbezüglichen Ansichten und seiner Verbindung zur Brauindustrie öffentlich kritisierte. Die Wahl Mattes zum Senatspräsidenten im Januar 1917 beruhte möglicherweise darauf, dass die Gegner Bryans und der Prohibition ein Statement abgeben wollten. Weiterhin setzte sich Mattes unter anderem für die Existenz deutscher Schulen und Deutsch als Fremdsprache an öffentlichen Schulen ein. Letzteres konnten Eltern in Nebraska auf Basis des 1913 beschlossenen Mockett Act unter bestimmten Bedingungen einfordern. Als nach Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg im April 1917 dieses Gesetz aufgehoben werden sollte, traf Mattes eine Absprache zum Tausch von Stimmen mit den Frauenrechtlern und stimmte für ein (eingeschränktes) Frauenwahlrecht in Nebraska, obwohl er dieses eigentlich ablehnte. 1918 stimmte er aber mit allen anderen Senatsmitgliedern der Aufhebung des Mockett Act zu.

Als Deutschamerikaner engagierte sich Mattes auch außerhalb der Politik für die Belange dieser Volksgruppe. 1910 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der German-American Alliance of Nebraska, einem bis 1917 existierenden Zweig der National German-American Alliance. Er war 20 Jahre lang Präsident der Federated German American Societies of Nebraska. Auch bei den Sons of Hermann, einer Selbsthilfeorganisation deutscher Immigranten in den USA, übernahm er als State President und National Grand President leitende Funktionen. Von 1907 bis 1912 war er Redakteur der deutschsprachigen Nebraska Staats-Zeitung, die von der Beutler’schen Nachlassenschaft herausgegeben wurde.

Die letzten 25 Jahre seines Lebens verbrachte Mattes in Omaha. Dort arbeitete er zuletzt im Büro von City Commissioner Harry Knudsen. Er starb 1944 im Alter von 85 Jahren an einem Herzinfarkt in seinem Zuhause in Omaha. Er hinterließ seine Ehefrau. Ihr einziges gemeinsames Kind, eine Tochter, war bereits im Teenageralter gestorben.

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 John Mattes. In: Legislative Journal of the State of Nebraska. 1945, S. 1424.
  2. 1 2 3 John Mattes, 85, Dies in Omaha. In: Lincoln Evening Journal. 6. Oktober 1944, S. 2.
  3. ↑ A well known man is dead. In: Nebraska Daily News-Press. 27. Dezember 1914, S. 2.
  4. ↑ genealogytrails.com.
  5. 1 2 John Mattes, Sr., Deceased. In: The Western Brewer: and Journal of the Barley, Malt and Hop Trades. Januar 1915, S. 26.
  6. ↑ John Mattes, Jr., Sells out. In: Nebraska City News Press.8. März 1906, S. 2.
  7. ↑ The Daily Tribune. 13. Februar 1907, S. 2.
  8. ↑ Last Days of Liquor Traffic. In: The Grand Island Independent. 1. Mai 1917, S. 6.
  9. ↑ John Mattes (Democrat). In: Nebraska Blue Book and Historical Register. 1918, S. 267.
  10. ↑ MANUAL OF Nebraska Legislative
  11. 1 2 3 John Mattes, 85, Dies in Omaha. In: Nebraska City News Press. 8. Oktober 1944, ·S. 2.
  12. ↑ The Commercial & Financial Chronicle. Band 71. Oktober 1900, S. 128 (online).
  13. ↑ Mattes’ Selection Answer to Bryan. In: Lincoln Evening Journal. 3. Januar 1917, S. 3.
  14. ↑ Thou Shalt Not Vote: Anti-Suffrage in Nebraska, 1914–1920 (Memento vom 9. Juni 2011 im Internet Archive; PDF)
  15. 1 2 The German-American Alliance in Nebraska, 1910–1917 (Memento vom 4. September 2012 im Internet Archive; PDF)
  16. ↑ Mockett Act Wiped of Statute Books. Senate Unanimously Votes for its Repeal. In: Lincoln Journal Star. 4. April 1918, S. 1.
  17. ↑ Karl John Richard Arndt, May E. Olson: The German Language Press of the Americas. Verlag Dokumentation, München 1976, ISBN 3-7940-3422-8, S. 289.