Johann Rittmeyer

Johann Rittmeyer, auch Ritmeier (* 18. November 1636 in Braunschweig; † 2. Juni 1698 in Helmstedt) war ein deutscher evangelisch-lutherischer Geistlicher und Propst des Klosters Marienberg. Er war ein viel gelesener Autor von Erbauungsliteratur.

Leben

Johann Rittmeyer war ein Sohn des Braunschweiger Kaufmanns Hans Rittmeyer und dessen Frau Anna, geb. Pieper. Nach dem Besuch des Gymnasiums Martino-Katharineum Braunschweig begann er 1654 sein vierjähriges Studium der Philosophie und Evangelischen Theologie an der Universität Helmstedt.

1659 berief ihn Herzog Rudolf August von Braunschweig-Wolfenbüttel auf Empfehlung von Hermann Conring zum Informator (Hauslehrer) seiner beiden Töchter Dorothea Sophie (1653–1722), ab 1673 verheiratet mit Johann Adolf, Herzog von Holstein-Plön, und Christine Sophie (1654–1695), ab 1681 verheiratet mit Herzog August Wilhelm von Braunschweig (1662–1731). Zugleich diente er dem Herzog als Reiseprediger auf dessen Reisen.

1665 wurde er auf Empfehlung des Herzogs Diaconus (Prediger) an der St.-Stephani-Kirche in Helmstedt. 1669 erhielt er die Beförderung zum Archidiaconus (2. Pastor). Erster Pastor und Generalsuperintendent war zu dieser Zeit Balthasar Cellarius. 1691 wurde Rittmeyer daneben als Nachfolger des verstorbenen Paul Heigel Propst des Klosters Marienberg. Als 1692 der Herzog im Gefolge der Auseinandersetzung und Amtsenthebung von Johann Wilhelm Petersen eine Verordnung gegen den Pietismus erließ, geriet auch Rittmeyer in Verdacht, ein Pietist zu sein. Nach anfänglicher Weigerung unterschrieb er jedoch das Edikt.

Johann Rittmeyer starb am Himmelfahrtstag 1698 und wurde auf dem Kirchhof an St. Stephani beigesetzt. Seine Grabplatte, die sich 1710 im im nördlichen Teil des Friedhofes befand und eine lateinische Inschrift trug, ist nicht erhalten.

Seit November 1665 war Johann Rittmeyer verheiratet mit Maria Elisabeth, geb. Schrader (1648–1719), einer Tochter des Helmstedter Professors Christoph Schrader, der Rittmeyer am Hochzeitstag zum Magister graduierte. Von den zehn Kindern des Paares überlebten ihn nur fünf. Der Sohn Christoph Heinrich Rittmeyer (1671–1719) wurde Professor an der Universität Helmstedt.

Himmlisches Freudenmahl der Kinder Gottes, Frontispiz und Titelkupfer der Ausgabe Lüneburg: Stern 1769

Neben zahlreichen Trauerpredigten veröffentlichte Rittmeyer vor 1684 „geistreiche Gebete“ zu Beichte und Abendmahl unter dem Titel Himmlisches Freudenmahl der Kinder Gottes. Neben selbst formulierten Gebeten, einem Beichtspiegel und Lebensregeln enthielt das Kommunionbuch auch Gebete der Kirchenväter und lutherischer Theologen wie Johann Arndt, aber auch solche des puritanischen Anglikaners Lewis Bayly. Das barocke Andachtsbuch, illustriert mit emblemartigen Kupferstichen, wurde zu einem der beliebtesten Erbauungsbücher der Zeit und erlebte zahlreiche Auflagen (Hamburg 1683, Helmstedt 1708; Helmstedt 1719) Ab 1724 erschien es bei Stern in Lüneburg (1724, 1734, 1743, 1759, 1769). Die Lüneburger Ausgaben fanden „eine ungemeine Verbreitung ... Es ist das Lüneburger Modebuch jener Jahre“. Reich ausgestattete Ausgaben finden sich heute häufiger auf Auktionen. Weitere Ausgaben erschienen in Magdeburg 1743 sowie Berlin 1760. Auch Rittmeyers Betrachtungen zum Abendmahl wurden immer wieder aufgelegt.

Im 19. Jahrhundert fanden diese Schriften neues Interesse bei den Vertretern der Erlanger Theologie und des Neuluthertums sowie den Altlutheranern. Der bayerische Pfarrer Johann Tobias Müller besorgte 1850 die sechste Auflage der Betrachtungen zum Abendmahl, und der Neuruppiner altlutherische Pfarrer Carl Friedrich Ludwig Räthjen (1822–1901) publizierte 1860 eine Neuauflage des Himmlischen Freudenmahls mit Holzschnitten von August Gaber, zunächst im Eigenverlag zum Besten der Kreuzkirche (Neuruppin). Die Lebensregeln daraus veröffentlichte Wilhelm Löhe separat 1875.

Ihnen galt Rittmeyer als einer der alten Tröster der evangelisch-lutherischen Tradition, der immer noch mit Gewinn gelesen und benutzt werden sollte.

Werke

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Biographische Informationen im Wesentlichen nach Johann Georg Leuckfeld: M. Heinrich Meybaums, Sen. Chronicon Des Jungfräulichen Closters Marien-Berg Vor Helmstedt: von wem dasselbige fundiret, begabet und befordert worden ... nebst einer kurtzen Nachricht von dem ehemaligen Serviten-Closter Himmel-Garten, und der Kirchen zu Rode bey Nordhausen. Halberstadt und Leipzig: Teubner 1723, S. 93–95
  2. 1 2 Jan van de Kamp: Übersetzungen von Erbauungsliteratur und die Rolle von Netzwerken am Ende des 17. Jahrhunderts. (= Beiträge zur historischen Theologie 195) Tübingen: Mohr Siebeck 2020, ISBN 978-3-16-156779-7, S. 377
  3. ↑ Abdruck der Inschrift bei Wilhelm Christian Justus Chrysander: Ministri ecclesiae Helmstadiensis inde ab eo tempore, quo purioribus sacris addicta est. Helmstedt: Schnorr 1747, S. 20
  4. ↑ Eintrag bei Deutsche Inschriften Online, abgerufen am 30. Oktober 2026
  5. ↑ Siehe VD 17
  6. ↑ Hans Dumrese, Friedrich Carl Schilling: Lüneburg und die Offizin der Sterne. Lüneburg: Stern 1956, S. 113
  7. ↑ Beispiel; Beispiel; Beispiel
  8. ↑ Siehe Constantin Grosse: Die alten Tröster: Ein Wegweiser in die Erbauungslitteratur der ev.luth. Kirche. 1900, Digitalisat im Internet Archive, S. 291–297
  9. ↑ Constantin Grosse: Die alten Tröster: Ein Wegweiser in die Erbauungslitteratur der ev.luth. Kirche. 1900, Digitalisat im Internet Archive, S. 291–297