John Haswell

John Haswell
Grab
(Döblinger Friedhof)

John Haswell (* 20. März 1812 in Lancefield, Glasgow, Schottland, Großbritannien; † 8. Juni 1897 in Wien, Österreich-Ungarn) war ein britisch-österreichischer Ingenieur und Lokomotiv-Konstrukteur.

Leben und Wirken

John Haswell studierte an der Andersonian University in Glasgow Maschinenbau und trat mit 22 Jahren als Konstrukteur bei William Fairbairn & Co in Manchester ein.

Dort wurde er mit dem Entwurf der maschinellen Ausrüstung für die Reparaturwerkstätte der Wien-Raaber Bahn, später die Lokomotivfabrik der StEG, betraut. Dies geschah auf Veranlassung von Matthias Schönerer, der auch bei der Pferdeeisenbahn Budweis–Linz–Gmunden maßgeblich beteiligt war, und der mit Fairbairn & Co. einen Vertrag zur Konzeption und Fertigung der Werkstättenanlagen abgeschlossen hatte. Haswell wurde im Juni 1838 zur Ausführung dieser Pläne an der Seite des Mechanikers Kraft nach Wien entsendet.

Als die Werkstätte fertiggestellt war, übernahm er selbständig deren Leitung und führte neben Reparaturarbeiten sofort auch den Neubau von rollendem Eisenbahnmaterial ein. Damit begründete Haswell den österreichischen Lokomotivbau.

Unter anderem zeichnet er verantwortlich für:

Lokomotive "Steinbrück" von 1846

1873 entwirft Haswell die erste fünffach gekuppelte Dampflokomotive mit Spurkranzschwächung am 1. und 5. Kuppelradsatz. Aufgrund des Gründerkrachs wird dieses Projekt nicht weiter verfolgt und erst im Jahr 1900 von Karl Gölsdorf, dessen Vater Louis Adolf Gölsdorf schon mit Haswell zusammenarbeitete, in Form der kkStB 180 umgesetzt.

Unter Haswells umsichtiger Führung entwickelte sich die anfänglich nur als Reparaturwerkstätte konzipierte Fabrik zur ersten modernen Maschinen- und Lokomotivfabrik in Wien. Als geradezu "epochal" wird ihm die Aufstellung des ersten, koksgefeuerten Gußschmelzofens zugeschrieben.

Mit Wilhelm von Engerth, dem Konstrukteur der gleichnamigen Lokomotiven, hegte John Haswell eine erbitterte Feindschaft, da von Engerth als Ministerialbeamter Haswell zur Umkonstruktion seiner "VINDOBONA" in eine Stütztenderlokomotive zwang. Angeblich verbot der streitbare Haswell daraufhin Engerth, seine Fabrik jemals wieder zu betreten.

1882 legte Haswell seine Stelle nieder und trat in den Ruhestand.

Er ruht in einem ehrenhalber gewidmeten Grab auf dem Döblinger Friedhof (Gruppe 10, Nummer 1) in Wien. Im Jahr 1936 wurde in Wien-Floridsdorf (21. Bezirk) die Hasswellgasse nach ihm benannt.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ John Haswell. Archiviert vom Original am 5. Oktober 2025; abgerufen am 31. Juli 2026.
  2. 1 2 3 4 5 Alfred Horn: Eisenbahn Bilderalbum 16 – Die k.k. privilegierte österreichisch-ungarische Staats-Eisenbahn-Gesellschaft. Bohmann Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-99015-020-7. S. 264 f.
  3. ↑ Peter Autengruber: Lexikon der Wiener Straßennamen. Wundergarten Verlag, Wien 2022, ISBN 978-3-903070-17-2, S. 134.
Personendaten
NAME Haswell, John
KURZBESCHREIBUNG österreichischer Ingenieur und Lokomotiv-Konstrukteur
GEBURTSDATUM 20. März 1812
GEBURTSORT Glasgow
STERBEDATUM 8. Juni 1897
STERBEORT Wien