J. Michael Kosterlitz

Michael Kosterlitz (2016)

John Michael Kosterlitz (* 22. Juni 1943 in Aberdeen, Schottland) ist ein britisch-amerikanischer Physiker. 2016 erhielt er (zusammen mit David J. Thouless und F. Duncan M. Haldane) für Forschungen zur Theorie verschiedener topologischer Phasen der Materie den Nobelpreis für Physik.

Leben

J. Michael Kosterlitz ist der Sohn von Hans Walter Kosterlitz und Johanna Maria Kosterlitz (geborene Gresshöner), die 1934 vor dem Nationalsozialismus aus Deutschland fliehen mussten, da sein Vater ein jüdischer Arzt war. Er ist besonders bekannt für das erste Beispiel topologischer Phasenübergänge mit David J. Thouless (1973), dem Kosterlitz-Thouless-Übergang, der ungewöhnliche Eigenschaften besitzt und zum Beispiel kein Phasenübergang zweiter Ordnung ist. Er tritt in einem zweidimensionalen Spinmodell auf, dem XY-Modell, und kann als Phasenübergang aufgefasst werden, bei dem Paare von Vortex-Anregungen (diese Vortices bzw. Wirbel sind topologisch stabile Anregungen im XY-Modell) aufgebrochen werden. Daneben hat Kosterlitz zu zahlreichen Phänomenen in der Statistischen Physik geforscht, beispielsweise zu Wachstumsprozessen an Kristalloberflächen, zu Spin-Gläsern und zur Lokalisierung von Elektronen. Er ist einer der Namensgeber der KTHNY-Theorie, die das Schmelzen von Kristallen in zwei Dimensionen beschreibt.

Michael Kosterlitz ist als Sohn des Biochemikers Hans Walter Kosterlitz in Aberdeen, Schottland, geboren. Er erhielt seinen B.A. am Gonville and Caius College der Cambridge University im Jahre 1965, und im folgenden Jahr den M.A. 1969 promovierte er zum D.Phil. an der Oxford University. Es folgten Aufenthalte als Postdoktorand u. a. an der Cornell University und der University of Birmingham. 1974 wurde er als Lecturer nach Birmingham berufen. Seit 1982 ist er Professor für Physik an der Brown University und seit 2016 Distinguished Professor am Korea Institute for Advanced Study.

1981 wurde seine Forschung mit der Maxwell-Medaille des Institute of Physics und im Jahr 2000 mit dem Lars-Onsager-Preis der American Physical Society (APS) ausgezeichnet. 1992 wurde er Fellow der APS. 2007 wählte man ihn in die American Academy of Arts and Sciences, 2017 in die National Academy of Sciences und 2026 in die Royal Society.

Kosterlitz gelangen in den 60er Jahren als Spitzenbergsteiger diverse schwere Routen und Erstbegehungen, darunter „Fessura Kosterlitz“, ein bekannter Rissboulder im Valle dell’Orco, oder die selten wiederholte „Via degli Inglesi“ (Engländerführe) am Piz Badile.

1978 wurde bei ihm Multiple Sklerose diagnostiziert.

Ausgewählte Publikationen

Commons: Michael Kosterlitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Weird Science: 3 Win Nobel for Unusual States of Matter (Memento vom 9. Oktober 2016 im Internet Archive).
  2. ↑ https://www.nobelprize.org/nobel_prizes/physics/laureates/2016/
  3. ↑ Nobel Prize in Physics 2016. Abgerufen am 28. Mai 2026 (amerikanisches Englisch).
  4. ↑ http://www.alpine-club.org.uk/ac2/news-club/269-mike-kosterlitz-2016-nobel-prize-winner
  5. ↑ https://www.planetmountain.com/en/news/climbing/the-children-of-fessura-kosterlitz-the-legendary-crack-climb-in-valle-dell-orco.html
  6. ↑ http://www.alpinejournal.org.uk/Contents/Contents_1969_files/AJ%201969%20-viii-6%20Isherwood%20Badile.pdf
  7. ↑ Autobiographie von Kosterlitz auf der Nobelpreis-Webseite
Personendaten
NAME Kosterlitz, J. Michael
ALTERNATIVNAMEN Kosterlitz, John Michael (vollständiger Name); Kosterlitz, John M.
KURZBESCHREIBUNG britisch-US-amerikanischer Physiker
GEBURTSDATUM 22. Juni 1943
GEBURTSORT Aberdeen