John Scheid

John Scheid (* 31. Mai 1946 in Luxemburg) ist ein französischer Althistoriker und Religionshistoriker luxemburgischer Herkunft. Er war Professor für Römische Religionen an der École pratique des hautes études (1983–2001) und für Religion, Institutionen und Gesellschaft des antiken Rom am Collège de France (2001–2016).

Leben und Wirken

Nach dem Schulbesuch in Luxemburg (Abschluss 1965) studierte Scheid zunächst Philosophie und Lettres (Sprachen und Literatur) in Luxemburg, dann Lettres classiques (klassische Sprachen, antike Literatur, Geschichte und Philosophie) an der Universität von Paris (Sorbonne) und der Universität Straßburg, wo er 1972 den Doktorgrad (Docteur de IIIe cycle) erwarb. Außerdem studierte er von 1969 bis 1979 an der École pratique des hautes études (EPHE), in der IV. (historisch-philologischen) und V. (religionswissenschaftlichen) Sektion. Von 1974 bis 1977 war er an der École française de Rome tätig. Anschließend war er bis 1983 Assistent für Alte Geschichte an der Université de Lille. Parallel leitete Scheid gemeinsam mit Henri Broise von 1975 bis 1988 und erneut 1997–1998 die archäologischen Arbeiten am Heiligtum der Dea Dia im Südosten Roms.

Von 1983 bis 2001 war Scheid Directeur d’études in der religionswissenschaftlichen Sektion der EPHE mit dem Fachgebiet „Römische Religionen“. Zwischen 1985 und 1993 arbeitete er auch am Institute for Advanced Study in Princeton. 1987 habilitierte er sich (Doctorat d’État) an der Universität Straßburg II Marc Bloch mit einer Arbeit über das Kollegium der Arvalbrüder. Von 2000 bis 2016 war Scheid Kodirektor der Ausgrabungen im tunesischen Djebel Oust. Das Collège de France wählte ihn 2001 auf den Lehrstuhl für „Religion, Institutionen und Gesellschaft des antiken Rom“, den er bis 2016 innehatte. Dort zeichnete er außerdem von 2006 bis 2015 für die internationalen Beziehungen verantwortlich, von 2012 bis 2015 war er Vize-Administrator des Collège de France.

Scheid beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der römischen Religions- und Sozialgeschichte. Er hat insbesondere mehrere prosopographische Arbeiten über das Kollegium der Arvalbrüder veröffentlicht. Zusammen mit Jesper Svenbro erhielt er für das gemeinsame Werk La tortue et la lyre („Schildkröte und Lyra“) 2015 den Prix Émile Girardeau der Académie des sciences morales et politiques am Institut de France.

Seit 1991 ist Scheid korrespondierendes Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts. Als ausländischer Experte wirkte er von 1993 bis 1999 am DFG-Schwerpunktprogramm „Kelten, Germanen, Römer im Mittelgebirgsraum zwischen Luxemburg und Thüringen“ und von 2002 bis 2007 im Schwerpunktprogramm „Römische Reichsreligion“ mit. Ebenfalls von 2002 bis 2007 war er Vizepräsident der Association Internationale d’Épigraphie Grecque et Latine. 2006 wurde er als ordentliches Mitglied in die Academia Europaea aufgenommen. 2012 wurde er korrespondierendes Mitglied der British Academy und 2016 Mitglied der Académie des inscriptions et belles-lettres. Er ist Ehrendoktor der Universitäten in Erfurt (2006) und Chicago (2013) sowie seit 2013 Ritter der Ehrenlegion. Scheid gehört den Redaktionsbeiräten des Archivs für Religionsgeschichte, der Potsdamer Altertumswissenschaftlichen Beiträge, der Zeitschriften Historia, Millennium und Athenaeum, des Archivo Español de Arqueología und der Rivista Storica Italiana an.

Schriften

Einzelnachweise

  1. ↑ Prix Émile Girardeau. In: Académie des Sciences Morales et Politiques. 20. November 2018, abgerufen am 12. Juni 2019 (französisch).
  2. ↑ Mitgliederverzeichnis: John Scheid. Academia Europaea, abgerufen am 25. September 2017 (englisch).
  3. ↑ Fellows: John Scheid. British Academy, abgerufen am 29. November 2020.
  4. ↑ Mitglieder: Scheid, John. Académie des inscriptions et belles-lettres, ehemals im Original (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 29. November 2020 (französisch). (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive)