
Jonathan Haidt (* 19. Oktober 1963 in New York City) ist ein US-amerikanischer Psychologe und Sozialpsychologe. Er ist Professor für Psychologie der Stern School of Business in New York City und Spezialist für Moral und Moralpsychologie. Er ist Autor mehrerer Bestseller; internationale Beachtung fand zuletzt vor allem sein Buch The Anxious Generation (deutsch: Generation Angst), in dem er sich mit den Folgen einer „smartphonebasierten Kindheit“ auseinandersetzt. Haidt gilt als einer der 50 einflussreichsten lebenden Psychologen und gehört zu den am meisten zitierten Forschern der Politik- und Moralpsychologie.
Haidt wurde in New York City geboren, wuchs allerdings in Scarsdale auf. Er erlangte 1985 einen Bachelor in Philosophie an der Yale University und erwarb 1992 an der University of Pennsylvania einen Doctor of Philosophy in Psychologie. Danach studierte er als Post-Doktorand und Fellow Kulturpsychologie an der University of Chicago, für drei Monate war er durch ein Fulbright-Stipendium in Orissa (Indien). Später arbeitete er als Associate Professor an der Universität von Virginia.
Viel zitiert ist der AufsatzThe emotional dog and its rational tail: a social intuitionist approach to moral judgment (2001), der das Verhältnis von moralischem Urteil und Gefühlen oder gefühlten Überzeugungen behandelt. Wie schon David Hume meint Haidt, dass die Gefühle dem Urteil vorausgehen, also der Hund sind, der mit dem Schwanz (Urteil) wedelt. Aufgrund unserer Voreinstellungen suchen wir nach Begründungen unserer Entscheidungen: Er zeigte dies auch zuvor schon an der Entscheidung zur Frage, ob man seinen Hund essen dürfe (1993).
Bis 2009 sah Haidt sich selbst als „liberalen Partisanen“. Gleichwohl setzte er sich in seinem Buch The Righteous Mind 2012 auch mit liberalen Denk- und Argumentationsmustern kritisch auseinander. 2026 erschien die deutsche Übersetzung Macht der Moral. Hier schreibt Haidt, dass Linksliberale mit ihren Wertesystemen im Nachteil sind. Sie lassen sich leiten von den moralischen Grundlagen Fürsorge, Fairness und Kampf gegen Unfreiheit, während Konservative und Rechte eher Werte wie Loyalität zur eigenen Kultur und Autorität beachten, welchen auch die Arbeiterklasse mehrheitlich zustimmt. Seit 2012 fühlt er sich als "JS Mill liberalen Zentristen" politisch keinem Lager mehr zugehörig.
2015 kritisierte Haidt eine Entwicklung an amerikanischen Universitäten, bei der eine zunehmend institutionalisierte Form von Zensur im Namen von Identitätspolitik und politischer Korrektheit versuche, „den Campus in eine Sicherheitszone zu verwandeln, wo junge Erwachsene vor Ideen und Wörtern geschützt werden, die ihnen Unwohlsein bereiten“. 2019 argumentierte Haidt, es gebe „eine sehr gute Chance, dass die amerikanische Demokratie versagen wird; dass wir in den nächsten 30 Jahren ein katastrophales Versagen unserer Demokratie haben“.
Im Jahr 2024 veröffentlichte Haidt das Buch The Anxious Generation: How the Great Rewiring of Childhood is Causing an Epidemic of Mental Illness. Darin untersucht er die Auswirkungen moderner Technologie wie Smartphones und sozialer Medien auf die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden junger Menschen. Haidt diskutiert, wie der Übergang von einer auf Spiel basierenden Kindheit zu einer stärker technologieorientierten Umgebung zu einem Anstieg von Angst, Depression und anderen psychischen Erkrankungen bei Jugendlichen geführt hat, dies vor allem aufgrund des Mangels an unstrukturierter Spielzeit und einer übermäßigen Bildschirmzeit. Außerdem analysiert er, wie soziale Medien das Gefühl von sozialem Druck, Konkurrenz und Isolation bei Jugendlichen verstärken. Eingehend setzt sich Haidt mit dem Thema Geschlechtsinkongruenz und dem möglichen Einfluss von Social-Media-Trends auseinander. Er stellt fest, dass historisch gesehen der Prozentsatz von Männern höher war, die wegen Geschlechtsdysphorie eine geschlechtsangleichende Operation suchten, dass es aber in den letzten Jahren eine schnelle Zunahme bei Frauen gab, besonders unter den Gen-Z-Teenagern, die eine Behandlung für Geschlechtsdysphorie wünschten. Haidt diskutiert die komplexe Dynamik der Geschlechtsidentität und den Einfluss sozialer und kultureller Faktoren, einschließlich Online-Interaktionen, auf das Verständnis und die Erfahrung des Geschlechts.
In diesem Buch schlägt er auch ein Verbot von Smartphones für Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 14, den Verzicht auf den »Hexenkessel« sozialer Netzwerke bis zum Alter von 16 vor; Schulen sollten den Gebrauch von Smartphones und Smartwatches vollkommen untersagen.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Haidt, Jonathan |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Psychologe und Bestsellerautor |
| GEBURTSDATUM | 19. Oktober 1963 |
| GEBURTSORT | New York City, Vereinigte Staaten |