
Joscha Bach (* 1973 in Weimar) ist ein deutscher Kognitionswissenschaftler, KI-Forscher und Philosoph. Bach forscht über kognitive Architekturen, künstliche Intelligenz, mentale Repräsentation, Emotionen, soziale Modellierung, Multiagentensysteme und die Philosophie des Geistes. Er untersucht, wie menschliche Intelligenz und Bewusstsein rechnerisch modelliert werden können.
Er stand zeitweise in engem Kontakt mit dem Financier und Sexualstraftäter Jeffrey Epstein und wurde von diesem umfangreich finanziert.
Bach schloss im Jahr 2000 das Studium der Informatik an der Humboldt-Universität zu Berlin als Master of Arts ab und promovierte 2006 im Fach Kognitionswissenschaften an der Universität Osnabrück. Seine Forschung konzentrierte sich auf Modellierung von Emotionen und künstlichem Bewusstsein. Seine Doktorarbeit befasste sich mit der Entwicklung von Micropsi, einer kognitiven Architektur zur Modellierung und Simulation menschlicher Denk- und Entscheidungsprozesse.
Nach Abschluss seiner Promotion beschäftigte sich Bach in der KI-Forschung insbesondere mit den kognitiven Architekturen und der Theorie des Geistes. Er hatte eine Reihe von Positionen in der akademischen und industriellen Forschung, so etwa bei Intel, inne. Seine Arbeit befasst sich u. a. mit den Grenzen heutiger KI-Systeme, den Möglichkeiten und Grenzen maschineller Lernmethoden, sowie mit der Frage, wie zukünftige Systeme eine menschenähnliche, allgemeine Intelligenz erreichen können. 2019 zog Bach mit seiner Familie nach Kalifornien. Er arbeitete für das KI-Unternehmen Liquid AI, das die Zusammenarbeit nach Bekanntwerden seiner E-Mails mit Epstein beendete. 2025 wurde er als Executive Director des California Institute for Machine Consciousness geführt.
Joscha Bachs Forschung konzentriert sich in erster Linie auf kognitive Architekturen – rechnerische Modelle, die versuchen, Aspekte der menschlichen Kognition nachzubilden. Zu seinen Arbeiten zählen:
Eine kognitive Architektur, die modelliert, wie Agenten basierend auf Wahrnehmung, Emotion und zielgerichtetem Verhalten denken und handeln. Bach entwarf MicroPsi, um menschenähnliche Denk- und Entscheidungsprozesse zu simulieren und so KI-Systeme zu schaffen, die komplexe reale Umgebungen navigieren können.
Bach ist bekannt für seine Diskussionsbeiträge zur Natur des Bewusstseins und die rechnerische Modellierung subjektiver Erfahrungen. Er argumentiert, dass Bewusstsein aus einem Informationsverarbeitungssystem entsteht, das in der Lage ist, interne Modelle von sich selbst und der Welt zu erstellen. Dabei betont er die Bedeutung von mentalen Modellen, emotionalen Rahmenwerken und Metakognition für die Konstruktion von bewusstem KI.
Bach hinterfragt kritisch aktuelle Trends im maschinellen Lernen, insbesondere die Grenzen von Deep Learning. Er ist der Ansicht, dass heutige KI-Systeme nicht über ein echtes Verständnis von Zusammenhängen verfügen und mehr als „extrem leistungsfähige Maschinen zur Mustererkennung“ denn echte kognitive Agenten funktionieren. Er fordert einen Wandel hin zu KI-Systemen, die abstraktes Denken, komplexe Entscheidungsfindung und interne Selbstreflexion ermöglichen.
Neben seiner technischen Forschung befasst sich Bach intensiv mit philosophischen Fragen des Bewusstseins und des freien Willens. Er vertritt die These, dass Bewusstsein als natürliche Eigenschaft von Informationsverarbeitung in hochkomplexen Systemen entsteht, welche interne Modelle ihrer selbst und der Welt entwickeln. Dabei diskutiert er häufig die Frage, ob freier Wille tatsächlich existiert oder lediglich ein Nebenprodukt von Vorhersagemodellen des Gehirns darstellt.
In diesem grundlegenden Werk beschreibt Bach die Grundprinzipien der synthetischen Kognition und diskutiert, wie kognitive Architekturen gestaltet werden könnten, um menschliche Denkprozesse nachzubilden.
Eine detaillierte Darstellung des Micropsi-Systems, Bachs Arbeit in diesem Bereich hat die Forschung in den Bereichen agentenbasiertes Modellieren und KI-Entscheidungsrahmen maßgeblich beeinflusst.
Bachs Interessen und öffentlichen Beiträge gehen weit über KI und Kognitionswissenschaft hinaus und berühren tiefgreifende philosophische Fragen zu Bewusstsein, freiem Willen, das Wesen der Realität sowie die Zukunft der Menschheit im Zeitalter intelligenter Maschinen. Seine Betrachtungen sind außerdem stark von den philosophischen Disziplinen der Phänomenologie und Erkenntnistheorie beeinflusst. Er beteiligt sich häufig an öffentlichen Debatten über das Wesen des Selbst und argumentiert, dass das, was wir als „Selbst“ betrachten, eine Illusion ist – ein mentales Modell, welches vom Gehirn zu praktischen Zwecken konstruiert wird.
Er zeichnet das Bild einer Zukunft, in der KI über Meta-Kognition verfügt – die Fähigkeit, sich ihrer eigenen Funktionsweise und Denkprozessen bewusst zu werden und Überlegungen dazu anzustellen. Maschinen könnten zwar ein gewisses Maß an subjektivem Bewusstsein erlangen, Bewusstsein im menschlichen Sinne entwickelt sich in KI jedoch möglicherweise erst dann, wenn diese Systeme ihre eigenen Erfahrungen in eine kontinuierliche und konsistente Erzählung integrieren können, ähnlich wie es beim Menschen der Fall ist.
Er behauptet, dass die heutigen KI-Systeme zwar leistungsfähig, aber weit entfernt von allgemeiner Intelligenz sind. Bach spricht oft über die Grenzen der KI und betont, dass die heutige KI keine wirkliche Vorstellung von ihrer Umwelt hat. Er nimmt eine kritische Haltung zur übertriebenen Attribution von Fähigkeiten von Deep-Learning-Modellen ein und plädiert stattdessen für eine ausgewogenere Betrachtung, die kognitive Modelle, Modellierung von Emotionen und ethische Überlegungen in die KI-Forschung integrieren.
Neben seiner akademischen Arbeit ist Bach ein aktiver Redner und Wissenschaftskommunikator, der regelmäßig seine Einsichten zu Kognitionswissenschaft, KI und Philosophie öffentlich teilt. Er hat zahlreiche Vorträge auf Konferenzen (u. a. auf der TEDx und dem Chaos Communication Congress) gehalten, in denen er Themen wie das Wesen der Intelligenz, die Zukunft der KI und die Möglichkeit, bewusste Maschinen zu erschaffen, behandelt.
Bach beteiligt sich ebenfalls häufig an Online-Diskussionen über KI und Bewusstsein und tritt in Podcasts, Interviews und öffentlichen Vorträgen auf. Im Juni 2020 trat er z. B. erstmals im Podcast von Lex Fridman auf. Er gibt Interviews auf Englisch und Deutsch.
Bach stand von 2013 bis 2019 in engem Kontakt mit Jeffrey Epstein, der seine Forschung und einen Großteil der Lebenshaltungskosten seiner Familie finanzierte.
Die Fachzeitschrift Science berichtete im Jahr 2019, dass Bach von Epstein noch nach dessen erster Verurteilung im Jahr 2008 finanziell unterstützt worden sei. Unter anderem zitiert der Beitrag eine akademische Publikation, in der für die Finanzierung gedankt wird. Dies bestätigte auch ein im Januar 2020 im Auftrag des Massachusetts Institute of Technology (MIT) veröffentlichter Bericht der Anwaltskanzlei Goodwin Procter. Demnach hatte Epstein Bach 2013 mit Joi Ito, dem damaligen Leiter des MIT Media Lab, bekannt gemacht. Epsteins Spenden vom November 2013 sowie vom Juli und September 2014 in Höhe von insgesamt 300.000 US-Dollar – rund 40 % seiner Spenden an das MIT nach seiner Verurteilung – dienten der Unterstützung von Bachs Forschung; das Media Lab habe Bach größtenteils deshalb eingestellt, weil Epstein die Kosten bezuschusste.
Im Mai 2020 veröffentlichte die Harvard University einen Bericht über eigene Ermittlungen. Demnach hatte Epstein Bach 2014 mit dem Mathematiker und Biologen Martin Nowak bekannt gemacht, der Bach von 2014 bis 2019 Zugang zu den Räumen des von ihm geleiteten Program for Evolutionary Dynamics (PED) gewährte; dort traf Bach Epstein häufig, wenn dieser zu Besuch kam. Harvard habe Bach weder bezahlt noch seine Forschung finanziert („Harvard never paid Bach or provided funds to support his research“). Bachs Hauptanbindung lag von 2014 bis 2016 am MIT Media Lab; nach seinem Weggang vom MIT 2016 führte ihn das PED bis 2019 weiter als Forschungsmitarbeiter. Ob Epstein Bach danach weiter finanzierte, konnte der Bericht nicht klären, mindestens zwei danach veröffentlichte Arbeiten Bachs nennen jedoch Epstein und das PED als Förderer. Ein Interview für die MIT-Untersuchung lehnte Bach ab, auf Gesprächsanfragen der Harvard-Ermittler reagierte er nicht.
Im November 2025 machte das House Oversight Committee einen E-Mail-Wechsel zwischen Bach und Epstein vom Juli 2016 öffentlich, der rassistische und sexistische Äußerungen Bachs sowie Sympathien für Faschismus und Eugenik enthielt. Epstein mutmaßte darin, eine veränderte zeitliche Hirnentwicklung könne Schwarze klüger machen („make blacks smarter“). Bach stimmte zu („Exactly“), schrieb, schwarze Kinder in den USA entwickelten sich kognitiv langsamer, wies eine Erklärung durch soziale Faktoren als unbelegt zurück und vermutete eine entwicklungsbedingte Ursache. Über Frauen schrieb Bach unter anderem: „Women tend to find abstract systems, conflicts and mechanisms intrinsically boring“ und „There are almost no women in math, because it does not help people or yield social attention.“ Auf Epsteins Bemerkung, der Klimawandel sei womöglich ein guter Weg, Überbevölkerung zu begegnen, entgegnete Bach, das Aufziehen von Kindern wie im Westen zu verteuern, sei „a more humane way“. Auf eine Bemerkung Epsteins über Massenhinrichtungen von Alten und Kranken bezeichnete Bach die Vorstellung, eine Gesellschaft als Organismus zu organisieren, als Faschismus und als „probably the most efficient and rationally stringent way of governance“; zugleich schrieb er, der Faschismus bereite ihm großes Unbehagen, und er habe das KZ Buchenwald fünfmal besucht. Nach Bekanntwerden der E-Mails beendete das KI-Unternehmen Liquid AI die Zusammenarbeit mit Bach.
Weitere im Januar 2026 vom US-Justizministerium veröffentlichte Epstein-Akten geben genaueren Aufschluss über Epsteins Unterstützung. Im Oktober 2013 hatte Ito Bach für eine Postdoc-Stelle am MIT 60.000 US-Dollar jährlich angeboten und mitgeteilt, Epstein werde die Differenz außerhalb des MIT ausgleichen; Bach bat Epstein daraufhin um rund 100.000 US-Dollar jährlich für den Unterhalt seiner Familie in Boston. In den folgenden Jahren bat Bach Epstein um Geld für Studiengebühren, Unterkunft, Konferenzreisen und die Privatschule seiner Kinder und leitete Flugbuchungen, Schulrechnungen und Mietrechnungen über monatlich 6.500 US-Dollar an ihn weiter. Im Januar 2018 bat er Epstein, auszuhelfen („pitch in“), da sein Konto leer sei. Im Februar 2019 bat Bach vor dem Umzug seiner Familie von Cambridge nach Kalifornien um Übernahme von Umzugskosten und Miete, bis sein neuer Arbeitgeber ihn einstellen könne, und äußerte die Hoffnung, die aktuellen Turbulenzen („the current turmoils“) bereiteten Epstein keine Sorgen.
Eine gemeinsame Recherche von ZDF, Spiegel und Standard auf Grundlage von E-Mails, Chatverläufen und Kontoauszügen beziffert Epsteins Zahlungen an Bach zwischen 2013 und 2019 auf über eine Million US-Dollar; Epstein habe Bach zudem Kontakte zu einflussreichen Wissenschaftlern vermittelt. 2014 besprach Bach eine Einladung Epsteins in die Karibik, 2015 besuchte er Epsteins Privatinsel Little Saint James. Der Kontakt hielt bis kurz vor Epsteins Festnahme im Juli 2019 an.
Im Juli 2017 schickte Bach Epstein auf dessen Aufforderung hin eine ausführliche Einschätzung, wie andere ihn wahrnähmen. Darin schrieb er, Epsteins Wikipedia-Eintrag stelle ihn im ersten Satz als Sexualstraftäter vor, Außenstehende hielten ihn für „too much interested in too young girls“, und Bekannte klammerten das Thema entweder aus oder betrachteten es als „interestingly dark and edgy“. Der Publizist Anand Giridharadas stellte diese E-Mail Bachs späterer Darstellung gegenüber, Menschen, denen er vertraute, hätten ihm versichert, Epstein habe sich gebessert.
In einem Beitrag auf Substack im November 2025 schrieb Bach, ethnische Zugehörigkeit sei nicht ursächlich für kognitive Unterschiede; seine Äußerungen seien Teil einer privaten Diskussion über Neuroplastizität gewesen und wissenschaftlich nicht haltbar. In einem Interview mit der Zeit im Februar 2026 nannte er Epsteins Taten von 2008 „unforgivable and inexcusable“. Menschen aus Epsteins Umfeld hätten ihm versichert, dieser habe sich geändert; er habe nie Hinweise auf Straftaten oder rechtlich fragwürdiges Verhalten bemerkt und hätte andernfalls jeden Kontakt abgebrochen. Er habe es interessant gefunden, mit Epstein über dessen Positionen zu diskutieren und einen Einblick in die Welt der Mächtigen zu erhalten.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bach, Joscha |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Kognitionswissenschaftler, KI-Forscher und Philosoph |
| GEBURTSDATUM | 1973 |
| GEBURTSORT | Weimar, DDR |