Josef Baumhoff

Todesanzeige Josef Baumhoff
Todesanzeige Josef Baumhoff Rückseite

Josef Baumhoff (* 10. September 1887 in Finnentrop; † 26. Januar 1962 in Köln) war ein deutscher Beamter, Zeitungsherausgeber und Politiker der Zentrumspartei.

Leben

Josef Baumhoff wurde am 10. September 1887 in Finnentrop geboren. Sein Vater Josef Baumhoff war Gastwirt; seine Mutter war Therese Baumhoff, geborene Gutmann. Er besuchte zunächst die Volksschule, dann die katholische Rektoratsschule und schließlich die Gymnasien in Hagen und Attendorn.

Baumhoff heiratete 1913 Wilhelmine Oppenheim. Das Ehepaar lebte später in Köln-Lindenthal und hatte fünf Kinder.

Beruf

Josef Baumhoff erhält das große Verdienstkreuz der Bundesrepublik
Zeitungsartikel über den Ruhestand von Josef Baumhoff als Präsident der Oberpostdirektion Köln 1954.

Nach seiner Schulzeit trat Baumhoff in den Postdienst ein und wurde 1904 zum Postgehilfen, 1908 zum Postassistenten, 1915 zum Postsekretär, 1921 zum Oberpostsekretär und kurze Zeit später zum Oberpostinspektor ernannt. 1933 wurde er in den Zwangsruhestand versetzt.

Noch 1945, nach dem Ende der NS-Diktatur, wurde Baumhoff zum Präsidenten der Oberpostdirektion Köln (OPD) ernannt, eine Position, die er bis 1953 innehatte. Während dieser Zeit setzte er sich stark für den Wiederaufbau der Post- und Fernmeldeinfrastruktur ein. Er war maßgeblich an der Gründung der Post-Bau- und Wohnungsgenossenschaft beteiligt, die unter seiner Leitung über 2.000 Wohnungen für Postbedienstete errichtete. Zudem förderte er den Aufbau eines betrieblichen Sozialwerks, das mit freiwilligen Spenden in Höhe von 1,5 Millionen DM soziale Unterstützung für Postbedienstete leistete.

Neben seiner Tätigkeit für die Post war Baumhoff nach 1945 einer der Lizenzinhaber und Herausgeber der Kölnischen Rundschau, die als christliche Zeitung nach dem Krieg gegründet wurde. Darüber hinaus war er Aufsichtsratsvorsitzender der Adler-Feuerversicherungs-AG.

Am 19. März 1954 wurde Baumhoff offiziell in den Ruhestand verabschiedet.

Gewerkschafter

Neben seiner politischen Tätigkeit engagierte sich Baumhoff in der Beamtenbewegung. Er wirkte gewerkschaftlich als Vorsitzender der Beamten- und Lehrervereinigung für die Provinz Westfalen und war Erster Vorsitzender des Reichsbeamtenbeirates der Zentrumspartei.

Politisches Engagement in der Zentrumspartei

Baumhoffs besonderes Anliegen galt der christlich-politischen Erziehung der Jugend. Deshalb engagierte er sich im Windthorst-Bund. Er trat in die Zentrumspartei ein, wurde zunächst zum Kreisvorsitzenden gewählt und war später Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes der westfälischen und preußischen Zentrumspartei, die er zwischen 1919 und 1921 im westfälischen Provinziallandtag vertrat. Außerdem wurde er Stadtverordneter in Hagen.

Abgeordneter

Seit 1921 war Baumhoff Mitglied des Reichsparteivorstandes des Zentrums und Mitglied im Preußischen Landtag. Vom 28. November 1929 bis 1933 war er Zweiter Vizepräsident des Parlaments. Außerdem war er 1930 Vorsitzender eines Untersuchungsausschusses des Landtages im Zusammenhang mit dem Volksbegehren gegen den Young-Plan.

Im Wahlkampf zur Reichspräsidentenwahl 1932 trat Baumhoff als bundesweit tätiger Wahlredner der Zentrumspartei auf. Bei einer Großkundgebung in Beckum warb er für die Wiederwahl Paul von Hindenburgs und wandte sich gegen die Propaganda der NSDAP. Dabei verteidigte er die Politik des Reichskanzlers Heinrich Brüning und kritisierte insbesondere die nationalsozialistischen Angriffe auf die katholische Kirche.

Politische Verfolgung im Nationalsozialismus

Seine christlich-demokratische Haltung brachte Baumhoff wiederholt in Konflikt mit dem NS-Regime, weshalb er bereits 1933 seine Ämter verlor und inhaftiert wurde.

Am 22. August 1944 wurde Baumhoff nach dem Attentat auf Hitler im Rahmen der Aktion Gewitter verhaftet, einen Tag später in das Kölner Gestapo-Gefängnis EL-DE-Haus eingeliefert und von dort als Schutzhäftling zusammen mit Freunden wie Konrad Adenauer, Thomas Eßer, Joseph Roth, Peter Schlack, Peter Paffenholz, Peter Knab und Otto Gerig in das Arbeitserziehungslager in den Messehallen in Köln-Deutz überführt. Zusammen mit Gerig, Roth, Knab und Schlack wurde er am 16. September 1944 ins Konzentrationslager Buchenwald deportiert und dort in den Zellenblock 45 untergebracht. In den Unterlagen der Arolsen Archives ist Baumhoff unter der Häftlingsnummer 81589 als politischer Häftling des Konzentrationslagers Buchenwald verzeichnet; als Einweisungsdatum wird dort der 17. September 1944 genannt. Seine Entlassung erfolgte am 5. Oktober 1944.

Nach seiner Entlassung wandte sich Baumhoff wegen eines zurückgelassenen Wehrpasses an die Lagerkommandantur. Diese Korrespondenz ist ebenfalls in den Arolsen Archives überliefert.

Nachkriegszeit

Nach 1945 engagierte sich Baumhoff für den Wiederaufbau Deutschlands und sprach sich gegen eine Neugründung der Zentrumspartei aus, um stattdessen eine überkonfessionelle Partei zu fördern. Er gehörte zu den Mitbegründern der CDU.

Josef Baumhoff verstarb bei einem Verkehrsunfall.

Ehrungen

Kardinal-Großmeister Nicola Kardinal Canali ernannte Josef Baumhoff 1952 zum Ritter des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Lorenz Jaeger, der Großprior der deutschen Statthalterei, investierte Baumhoff am 1. Mai 1952.

1953 empfing er für seine Verdienste im Postwesen das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, mit dem Bundespostminister Hans Schuberth ihn auszeichnete.

1958 wurde er durch Papst Pius XII. zum Ritter des Ordens vom Heiligen Papst Silvester geschlagen.

Literatur und Quellen

Einzelnachweise

  1. ↑ Personenkarte zu Josef Baumhoff, Häftlingsnummer 81589. In: Arolsen Archives. Abgerufen am 17. Juni 2026.
  2. ↑ Personenkarte zu Josef Baumhoff, Häftlingsnummer 81589. In: Arolsen Archives. Abgerufen am 17. Juni 2026.
  3. ↑ Präsident Baumhoffs Abschied von der Post. In: Westfälische Nachrichten. Verlag Aschendorff, 1952, abgerufen am 5. März 2025.
  4. ↑ Karin Jaspers, Wilfried Reininghaus: Westfälisch-lippische Kandidaten der Januarwahlen 1919. Eine biographische Dokumentation. Aschendorff, Münster 2020, S. 32–33.
  5. ↑ Ernst Kienast (Hrsg.): Handbuch für den Preußischen Landtag, Ausgabe für die 5. Wahlperiode, Berlin 1933, S. 306–307.
  6. ↑ Landtagsvizepräsident Baumhoff sprach in Beckum: Für Hindenburg gegen Hitler. In: Die Glocke. 12. März 1932, abgerufen am 28. November 2025.
  7. ↑ Internationales Rotes Kreuz Bad Arolsen, Archiv: Auszug aus den Blockverlegungen des Konzentrationslagers Buchenwald, Verlegungen am 29. September 1944 aus dem Zeltlager. Blatt 659.
  8. ↑ Häftlings-Personal-Karte Josef Baumhoff, Häftlingsnummer 81589. In: Arolsen Archives. Abgerufen am 17. Juni 2026.
  9. ↑ Registraturkarte Josef Baumhoff, Häftlingsnummer 81589. In: Arolsen Archives. Abgerufen am 17. Juni 2026.
  10. ↑ Schreiben Josef Baumhoffs an die Kommandantur des Konzentrationslagers Buchenwald vom 7. Oktober 1944. In: Arolsen Archives. Abgerufen am 17. Juni 2026.
  11. ↑ Schreiben der Verwaltung des Konzentrationslagers Buchenwald an die Geheime Staatspolizei, Staatspolizeistelle Köln, vom 11. Oktober 1944. In: Arolsen Archives. Abgerufen am 17. Juni 2026.
  12. ↑ AAS 50 (1958), n. 10, p. 502.
Personendaten
NAME Baumhoff, Josef
KURZBESCHREIBUNG deutscher Beamter und Politiker (Zentrum), MdL
GEBURTSDATUM 10. September 1887
GEBURTSORT Finnentrop
STERBEDATUM 26. Januar 1962
STERBEORT Köln