Josef Podlipnig

Josef Podlipnig (* 21. Juni 1902 in Klagenfurt, Österreich-Ungarn; † 18. Februar 1985 ebenda) war ein österreichischer Journalist und Politiker der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) und der Revolutionären Sozialisten (RS).

Leben

Podlipnig wurde als unehelicher Sohn einer ledigen Magd geboren. Er machte eine Friseurlehre und besuchte die sozialdemokratische Arbeiterhochschule in Wien. 1922 trat er aus der römisch-katholischen Kirche aus.

Nach dem Ersten Weltkrieg war er als Parteifunktionär der SDAP und Redakteur des sozialdemokratischen „Kärntner Volksblattes“ tätig. Nach dem Verbot der Partei im Bürgerkriegsjahr 1934 wurde er Mitglied der Landesexekutive der Revolutionären Sozialisten in Kärnten. Wegen einer Versammlungsrede in Klein St. Paul, bei der er die Mitglieder der austrofaschistischen Regierung als "Mörder im Frack" titulierte, wurde Podlipnig im März 1934 vor Gericht gestellt, von den Geschworenen aber freigesprochen.

Im Juli 1934 wurde er abermals verhaftet und ins Anhaltelager Wöllersdorf gebracht, aus dem er im Dezember 1934 entlassen wurde. Anschließend wurde er neben seinem engen Parteifreund Joseph Buttinger zweiter Länderreferent der Revolutionären Sozialisten in Wien. Als dieser 1935 die Führung der Revolutionären Sozialisten übernahm, wurde er dessen Stellvertreter. Noch vor dem „Anschluss“ Österreichs 1938 flüchtete er mit Buttinger ins Ausland, wo in Brüssel Ende März 1938 das Führungsgremium der Revolutionären Sozialisten mit dem Auslandsbüro der österreichischen Sozialdemokraten (ALÖS) zur Auslandsvertretung der österreichischen Sozialisten (AVOES) verschmolzen wurde. Anschließend flüchtete Podlipnig nach Frankreich, wo er im Herbst 1939 im Fußballstadion Colombe in Paris und dann noch ein weiteres Mal im Juni 1940 in Südfrankreich gemeinsam mit dem religiösen Sozialisten Otto Bauer interniert wurde. Podlipnig schied 1940 im Streit mit Otto Leichter und Oscar Pollak aus der AVOES aus. Er emigrierte unter dem Namen Josef Moll in die USA. Spätestens 1971 kehrte er nach Kärnten zurück, blieb aber politisch untätig.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Matriken der Kärntner Diözese Gurk, K14_002-1, Geburtsbuch I.
  2. ↑ "Mörder im Frack", Die Neue Zeit, 27. März 1952, S. 3.
  3. ↑ Gerlinde Buchhäusl: Die illegale sozialdemokratisch/sozialistische Arbeiterbewegung in Kärnten zwischen 1934 und 1938. Klagenfurt 1997, S. 145.
  4. ↑ Otto Bauer: Ausgewählte Schriften. Der politische Kampf der religiösen Sozialisten Österreichs. Hrsg.: Josef Giefing, Wolfgang Palaver, Cornelius Zehetner. Band 2. Zeuys, Neuhofen/Ybbs 2022, ISBN 978-3-903893-12-2, S. 289.
  5. ↑ Christian Fleck, Heinrich Berger: Gefesselt vom Sozialismus: Der Austromarxist Otto Leichter (1897-1973) (Studien zur historischen Sozialwissenschaft). Campus, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-593-36455-7, S. 112.
Personendaten
NAME Podlipnig, Josef
ALTERNATIVNAMEN Moll, Josef (nach 1940)
KURZBESCHREIBUNG österreichischer Parteifunktionär der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP)
GEBURTSDATUM 21. Juni 1902
GEBURTSORT Klagenfurt
STERBEDATUM 18. Februar 1985
STERBEORT Klagenfurt