Josef Shaked

Josef Shaked (23. September 1929 in Kisvárda – 21. November 2021) war ein österreichischer Psychoanalytiker, Gruppenanalytiker, Psychiater, Honorarprofessor an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt und Mitbegründer der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Gruppenanalyse. Er lebte und arbeitete in Wien. Shaked war Vorsitzender und danach Ehrenpräsident des Wiener Arbeitskreises für Psychoanalyse.

Leben

Josef Shaked war jüdischer Herkunft; in den 1930er Jahren zog die Familie nach Palästina. Er kämpfte im Israelischen Unabhängigkeitskrieg und ging danach zum Medizin-Studium nach New York. Im Jahr 1955 ging er nach Wien, da er die Lebenshaltungskosten in New York nicht mehr aufbringen konnte. Hier machte er eine Lehranalyse bei Igor Caruso. Josef Shaked hatte sich bereits als Jugendlicher für die Werke Sigmund Freuds interessiert und den Entschluss gefasst, Psychoanalytiker zu werden. Seine psychiatrische Facharztausbildung absolvierte er im Gugging. Danach wurde er Leiter der psychotherapeutischen Ambulanz der Wiener Gebietskrankenkasse; ab 1975 hatte er eine eigene Praxis. Er verstarb am 21. November 2021. Er wurde am Gersthofer Friedhof bestattet.

Wirken

Shaked hat 1976 gemeinsam mit Alice Ricciardi und Michael Hayne die gruppenanalytischen Fortbildungs-Workshops der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Gruppenanalyse in Altaussee gegründet, leitete dort über mehr als dreißig Jahre alle Großgruppen. Er leitete lange die Fachsektion Gruppenpsychoanalyse im ÖAGG, dem größten psychotherapeutischen Ausbildungsverein Österreichs. Hier wirkte er über mehrere Jahrzehnte als Lehrtherapeut und Supervisor, die Theorieseminare, die er in seiner Praxis in der Währingerstraße abhielt, waren bekannt für ihre intellektuelle Offenheit und die besondere Qualität der Diskussionen. Josef Shaked war darüber hinaus Mitglied der Group Analytic Society (London) und Ehrenmitglied des Deutschen Arbeitskreises für Gruppenpsychotherapie und Gruppendynamik (DAGG). Ab 2007 war er – gemeinsam mit Wolfgang Martin Roth – Herausgeber des Österreichischen Jahrbuches für Gruppenanalyse.

Shaked machte die Leitung der Großgruppe und ihre intellektuelle Durchdringung zu seiner Lebensaufgabe. Seine Erfahrungen vermittelte er in seiner Leiterfunktion, seinen Seminaren, in Vorträgen und in Publikationen. Er war der Erste, der Großgruppen im deutschen Sprachraum für Zwecke der Selbsterfahrung und Ausbildung etablierte. Besondere Aufmerksamkeit erfuhr die Großgruppe, die er ab 2003 in Wien zum Thema Shoah leitete. Die Auswirkungen dieser Gruppe auf den Umgang mit Scham, Moralisieren und Schuld in diesem Kontext sind nur teilweise erforscht und nicht erschöpfend erforschbar, aber sie waren und sind für diejenigen, die an ihr teilnahmen, prägend gewesen, darüber hinaus für die ganze Stadt. Shaked war eine einflussreiche Persönlichkeit für mehrere Generationen von Psychoanalytikern und Psychoanalytikerinnen, insbesondere im Bereich der Gruppenpsychoanalyse.

„Die Gruppe interessiert mich aus einem besonderen Grund: wegen des Phänomens der Massenpsychologie. Die Psychoanalyse hat angesichts der Massenpsychologie versagt. Wenn man sieht, wie blauäugig und völlig unwissend die Psychoanalytiker reagiert haben auf Hitler in Deutschland und Österreich und wie sie das zum Teil noch immer bei diesem Thema tun, das hat mich immer sehr geängstigt. Das war mein Motiv, mich mit der Gruppe zu beschäftigen, und das war auch ein Grund, warum ich zur analytischen Großgruppe gekommen bin. Mein persönliches Motiv war Angst, wie zivilisierte Menschen derart entfesselt sein können.“

– Josef Shaked: In: Grossmann-Garger, Parth, 1999, S. 8f.

Zu Ehren von Josef Shakeds 80. Geburtstag veranstaltete die Fachsektion Gruppenpsychoanalyse im ÖAGG im November 2009 ein dreitägiges Symposium mit dem Titel Die analytische Großgruppe, an dem bedeutende Gruppenanalytiker aus ganz Europa teilnahmen, u. a. Susann Heenen-Wolff, die die Großgruppe leitete, Mohammad Ardjomandi, Rainer Danzinger, Earl Hopper, Thor Kristian Island und Gerhard Wilke.

Schriften

Literatur und Quellen

Einzelnachweise

  1. ↑ Eleonore Lappin, Albert Lichtblau: Die „Wahrheit“ der Erinnerung: Jüdische Lebensgeschichten. Studienverlag, Innsbruck-Wien-Bozen 2008, S. 241.
  2. ↑ Mitteilung der IAG, abgerufen am 22. November 2021.
  3. ↑ Roland Kaufhold: Zum Tode des jüdischen Psychoanalytikers und Gruppenanalytiker Josef Shaked. In: haGalil.com. 1. Dezember 2021, abgerufen am 9. Dezember 2021.
  4. ↑ Josef Shaked in der Verstorbenensuche bei friedhoefewien.at
  5. ↑ Internationale Arbeitsgemeinschaft für Gruppenanalyse (Memento des Originals vom 18. Januar 2008 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Artikel und Vorträge
Personendaten
NAME Shaked, Josef
KURZBESCHREIBUNG österreichischer Psychoanalytiker, Gruppenanalytiker und Psychiater
GEBURTSDATUM 23. September 1929
GEBURTSORT Kisvárda
STERBEDATUM 21. November 2021