
Josef Sinn (* 16. Januar 1868 in Aachen; † 6. November 1929 ebenda) war ein deutscher Kaufmann und Politiker (Deutsche Zentrumspartei).
Josef Sinn war der Sohn des Kaufmanns Franz Sinn (1831–1911) und der Elisabeth Sinn geb. Lütke (1839–1890), die beide aus Fredeburg im Sauerland stammten. Franz Sinn war 1856 einer der Gründer der Firma „Gebr. Sinn“ und Mitbegründer der Sinnschen Geschäfte in Dortmund, Bonn, Saarbrücken usw., und von 1887 bis zu seinem Tode 1911 Mitglied der Handelskammer Aachen.
Josef Sinn besuchte bis 1884 die Königliche Gewerbefachschule in Aachen und absolvierte anschließend eine kaufmännische Lehre im belgischen Aalst. Dort musste er die zu jenem Zeitpunkt prekären Arbeitsverhältnisse der Arbeiter in den Textilfabriken gesehen haben. Gleichzeitig musste er sich neben dem Erlernen der primären kaufmännischen Fähigkeiten Sprachkenntnisse in Französisch und Niederländisch aneignen. Schon in der Zeit wird er die für einen Kaufmann wichtige Vernetzung mit Produzenten begonnen haben. In den Jahren 1887/1888 absolviert er den Einjährigen freiwilligen Militärdienst im Infanterie-Regiment 53 in Aachen. Von 1888 bis 1889 arbeitete er als Verkäufer in Berlin. Von 1889 bis 1890 besucht er die noch junge aber schon berühmte Wirkwarenfachschule in Limbach, Sachsen, wo er die damals modernsten Maschinen zur Herstellung von Stoffen kennenlernt.
Ab 1890 arbeitete Sinn als Prokurist in der elterlichen Firma Gebr. Sinn, Einzelhandel in Web-, Wirk- und Strickwaren in Aachen in der Großkölnstr 15–19. Vier Jahre später 1894 wurde er dort Teilhaber und 1909 Inhaber dieser 1856 gegründeten Firma. Er war Kommanditist der Großhandlung Franz Sinn und Sohn, Aachen und der Weingesellschaft des Karlshaus Oster & Co., Aachen.
Schon früh engagierte sich Sinn politisch für die Deutsche Zentrumspartei. Er wurde Mitglied im Stadtrat von Aachen und zog am 2. Juni 1922 im Nachrückverfahren für den verstorbenen Abgeordneten Josef Nacken in den Reichstag ein, in dem er bis zu seinem Ausscheiden im April 1929 den Wahlkreis 20 (Köln-Aachen) vertrat.
In der Wahlkreisarbeit lernte er Persönlichkeiten wie den Justizrat Karl Trimborn, einer der Gründerväter des Zentrums, und den späteren Oberbürgermeister von Köln und ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer kennen. Im Reichstag gehörte er zu den eher ruhigen Abgeordneten. Seine Stärken lagen in der Arbeit in den Ausschüssen. Sein besonderes Engagement galt dem Projekt des Baus eines Aachen-Rhein-Kanals, da nach dem Ersten Weltkrieg Aachen eine Grenzstadt geworden war und er sich durch einen solchen Verkehrsweg eine Stärkung der Wirtschaft in der Region Aachen versprach. Durch seine Mitgliedschaft im Aufsichtsrat der Aachener Kleinbahngesellschaft war er mit Fragen des effizienten Transports vertraut. Das Kanal-Projekt wurde jedoch nie realisiert. Weil er den Antrag gemeinsam mit Christine Teusch und Thomas Eßer stellte, darf eine inhaltliche und politische Nähe zu diesen Abgeordnetenkollegen vermutet werden.
Seit 1894 war Sinn mit Wilhelmine geb. Blaise (1872–1943), Tochter des Spediteurs Wilhelm Blaise (Firma Gebr. Blaise, Aachen) verheiratet. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor: Robert Sinn (1895 in Aachen–1914 in Mühlhausen, Elsass), Maria Kroll geb. Sinn (1896 in Aachen–1961 Bad Gastein), Hedwig Müller geb. Sinn (1898?–? in Köln), Edmund Sinn, MdB (1902 in Aachen–1978 in Aachen), Georg Sinn (1904–1904). Josef Sinn starb am 6. November 1929 und fand seine letzte Ruhestätte auf dem Westfriedhof II in Aachen. Laut einer Zeitungsnotiz im „Echo der Gegenwart“ vom 3. Dezember 1929 besuchten am 2. Dezember 1929 der frühere Reichskanzler und damalige Reichsminister für die besetzten Gebiete Joseph Wirth, der preußische Wohlfahrtsminister Heinrich Hirtsiefer und der Aachener Oberbürgermeister Wilhelm Rombach sein Grab, um dort einen Kranz niederzulegen.

| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Sinn, Josef |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Kaufmann und Politiker (Zentrum), MdR |
| GEBURTSDATUM | 16. Januar 1868 |
| GEBURTSORT | Aachen |
| STERBEDATUM | 6. November 1929 |
| STERBEORT | Aachen |