Josef Wenglein begann zunächst ein Jurastudium an der Ludwig-Maximilians-Universität München, wechselte dann jedoch zur Kunst und studierte an der Akademie der Bildenden Künste München. Von 1866 bis 1870 war er Schüler im Atelier des Landschaftsmalers Johann Gottfried Steffan. Auf dessen Empfehlung hin studierte er bis 1873 an der privaten Landschaftsmalschule von Adolf Heinrich Lier in München. Die Angaben zum Ende seiner Lehrzeit bei Lier schwanken zwischen 1870 und 1873. Wenglein stand zudem Eduard Schleich beratend zur Seite und unterrichtete später auch dessen Sohn. 1883 wurde er als Professor an die Münchner Akademie berufen. Zu seinen Schülern zählte unter anderem der Maler Otto Reiniger. 1886 wurde er Ehrenmitglied der Akademie. Josef Wenglein starb 1919 in Bad Tölz.
Werk
Josef Wengleins bevorzugte Motive lagen in der näheren Umgebung Münchens, vor allem in den Isarauen. Er gab die Natur mit starken Beleuchtungseffekten und intensivem Kolorit wieder. In dieser Hinsicht stand er seinem letzten Lehrer Adolf Lier nahe. Mit dem frühen Gemälde Adolf Lier beim Malen an der Kalter (Öl auf Pappe, 1868, München) setzte er ihm ein Denkmal. Das Bild zeigt Lier bei der Arbeit im Freien an der Staffelei, umgeben von der Flusslandschaft des Kaltenbachs bei Aising/Pang. Zu seinen späteren Werken zählen die Herbstlandschaft mit Jäger (Leinwand, 1895, Lenbachhaus, München) sowie ein Selbstbildnis aus dem Jahr 1880 (ebenfalls Leinwand, ebenfalls Lenbachhaus). Josef Wenglein gehört zusammen mit dem Österreicher Ludwig Willroider zu den späteren Vertretern der Münchner Freilichtmalerei. Beide waren Schüler Liers, der wiederum Kontakt zu den Malern der Schule von Barbizon pflegte.
Werke (Auswahl)
Josef Wenglein: Weidegrund, 1870
Joseph Wenglein: Kalksteinsammlerinnen im Isarbett bei Tölz, 1883, Öl auf Leinwand, 136 × 209 cm, Neue Pinakothek, München
Josef Wenglein: Blick von der Seeseite auf Schloss Nymphenburg, 1883, Öl auf Leinwand, 70,5 × 100 cm
Josef Wenglein: Voralpenlandschaft, 1904, Öl auf Leinwand, 45 × 95 cm
Josef Wenglein: Weite Landschaft im Dachauer Moos, um 1905, Öl auf Leinwand, 110 × 190 cm
Josef Wenglein: Der Heuberg bei Nußdorf (Ölskizze), Lenbachhaus, München
Josef Wenglein: Blick auf den Simssee im Frühling, um 1880, Öl auf Leinwand, 57 × 121 cm
Josef Wenglein: Herbststimmung im Moor, vor 1919, Öl auf Leinwand, 75 × 149 cm
Werke in öffentlichen Sammlungen (Auswahl)
Bamberg, Städtische Kunstsammlung (Neue Residenz): Aus dem Isartal
Berlin, Nationalgalerie: Winter am Isarufer
Breslau, Schlesisches Museum: Die Isar oberhalb Tölz
Dresden, Moderne Galerie: Bauernhäuser unter Bäumen
Frankfurt am Main, Städel: Landschaft aus der bayerischen Hochebene
Köln, Wallraf-Richartz-Museum: An der Isar
Leipzig, Museum der bildenden Künste: Herbst im oberbayerischen Moos; Spätherbst im Isarwinkel
Mainz, Städtische Gemäldesammlung: Im bayerischen Moos
München, Neue Pinakothek: Kalksteinsammlerinnen im Isarbett; Im oberbayerischen Hochmoos
München, Städtische Galerie: Selbstbildnis; Landschaft mit Viehherde; Landschaft mit Ruine
Münster, Landesmuseum: Isarbett bei Tölz
Prag, Staatsgalerie: Am Chiemsee
Schwerin, Landesmuseum: Isarlandschaft
Wiesbaden, Museum: Der Waldbach Würzburg, Universitätsgalerie: Isarlandschaft
Dresden, Staatliche Kunstsammlungen, Galerie Neue Meister
Linz, Lentos Kunstmuseum
Literatur
August Liebmann Mayer: Josef Wenglein. In: Die Kunst für Alle, Band 32, 1917, S. 226–231.
Rudolf Oldenbourg, Hermann Uhde-Bernays: Die Münchner Malerei im neunzehnten Jahrhundert. 2 Bände, Bruckmann, München 1921–1922.
Friedrich Pecht: Geschichte der Münchener Kunst im neunzehnten Jahrhundert. München 1888. Friedrich Pecht: Josef Wenglein. In: Kunst für Alle, Band 8, 1892/93, S. 177–179.
Wenglein, Josef. In: Ulrich Thieme, Felix Becker (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Band 35, E. A. Seemann, Leipzig 1942, S. 375.
Wenglein, Josef. In: Allgemeines Künstlerlexikon (AKL), Band 115, De Gruyter, Berlin 2022, S. 475.
123Wenglein, Josef. In: Allgemeines Künstlerlexikon (AKL), Band 115, De Gruyter, Berlin 2022, S. 475. In: De Gruyter, (Hrsg.): Allgemeines Künstlerlexikon (AKL). Band115. Berlin 2022, S.475.