Josefine Allmayer

Josefine Allmayer (* 21. Dezember 1904 in Kierling; † 1. November 1977 in Klosterneuburg) war eine österreichische Scherenschnittkünstlerin.

Leben

Josefine Allmayer war das älteste von sechs Kindern des Tapezierers Hans Allmayer (1877–1955) und dessen Ehefrau Josefa, geb. Wieser (1875–1948), die als Pflegerin in der Nervenheilanstalt Gugging arbeitete. Die Familie lebte in ärmlichen Verhältnissen. Hans Allmayer, der sich mit Scherenschnitten etwas hinzuverdiente, unterrichtete seine Tochter schon als Kind in dieser Kunst. Als sie zwölf Jahre alt war, konnte er erstmals einen ihrer Scherenschnitte (Winterwald) verkaufen.

1920 hatte Josefine Allmayer eine erste Ausstellung im Wiener Kunstverlag Würthle, auf der sie einige kleine Tiersilhouetten zeigte. Finanzielle Unterstützung erhielt sie von dem wissenschaftlich humanitären Verein „Kosmos“ und der Künstlervereinigung „Weiße Insel“, deren Ausstellungen sie ab 1924 mehrfach beschickte. Ihre Arbeiten wurden auch international gezeigt, beispielsweise in der Schweiz und in New York. 1928 hatte sie eine erste Personalausstellung, die die „Großösterreichische Jugend“ in Wien für sie veranstaltete.

Allmayer galt mit 25 Jahren als eine der bedeutendsten Scherenschnittkünstlerinnen im deutschsprachigen Raum. Sie arbeitete als Gebrauchsgrafikerin und erhielt unter anderem Aufträge des österreichischen Kaiserhauses. Auch Adolf Hitler zeigte Interesse an ihrer Kunst und schickte ihr eine Karte, auf der er ihre Scherenschnitte lobte.

Josefine Allmayer wohnte in Kierling, Haselbach und Gugging. 1960 heiratete sie den Oberlandesgerichtsrat Josef Scheib († 1971). Zeitweilig war sie bei ihm in Wien gemeldet. 1977 starb sie im Alter von 72 Jahren im Spital in Klosterneuburg.

Nachlass und Würdigung

In Klosterneuburg wurde die Allmayergasse nach Josefine und Hans Allmayer benannt. Anlässlich dieser Ehrung veranstaltete 1988 das Heimatmuseum ihres Geburtsortes Kierling eine Personalausstellung für Josephine Allmayer. Das im Jahr zuvor neu eröffnete Museum trug in den folgenden Jahrzehnten die umfangreichste Sammlung zu der Künstlerin zusammen. So erwarb es 1998 Josefine Allmayers künstlerischen Nachlass von ihrer jüngsten Schwester Anna Allmayer. Zu den weiteren bedeutenden Erwerbungen gehören 2003 die Tagebücher der Mutter und 2018 Korrespondenz der Familie und persönliche Dokumente wie eine Identitätskarte von Josefine Allmayer. Ihr Nachlass wurde digitalisiert und im In- und Ausland (u. a. Oberösterreich, Deutschland, China) präsentiert. 2017 organisierte das Museum Kierling eine Sonderausstellung anlässlich des 40. Todestages von Josefine Allmayer und veröffentlichte eine Begleitpublikation, die eine Reihe ihrer Scherenschnitte in Kombination mit Gedichten ihrer Freundin Amalie Popp (1881–1963) enthält.

Werk

Josefine Allmayer stellte mit ihren Scherenschnitten Landschaften, Porträts, Figürliches, Blumen und Tiere dar. Oft wählte sie religiöse Motive. Sie setzte eine neuartige Technik ein, indem sie durch den Einschub von Transparentpapier zwischen Vorder- und Hintergrund einen dreidimensionalen Effekt erzielte. Teilweise handelte es sich dabei um farbiges Seidenpapier. Ihre Technik wurde im Laufe der Zeit immer verfeinerter, bis hin zu geschnittenen Signaturen.

Allmayers Gesamtwerk umfasst über 3.000 Scherenschnitte. Hauptsächlich war sie als Gebrauchsgrafikerin tätig. Neben freien Scherenschnitten erschienen über 1000 ihrer Arbeiten als Künstlerkarten in verschiedenen Varianten, die sie teilweise im Eigenverlag veröffentlichte. Weiters trug Allmayer Scherenschnitte als Illustrationen zu über 500 Druckwerken wie Büchern, Zeitschriften, Broschüren und Kalendern bei. Häufig arbeitete sie mit dem Verlag des Missionshauses St. Gabriel zusammen, für das sie unter anderem den St.-Gabriel-Kinderkalender 1931 gestaltete. Von 1929 bis 1938 illustrierte sie den Kaiser-Karl-Gedächtniskalender. Neben deutschsprachigen Zeitschriften erschienen ihre Werke auch in skandinavischen Zeitungen wie der Aftenpost, für die sie eine Weihnachtsausgabe gestaltete. Sie schuf zudem einige Scherenschnitt-Exlibris.

Werke von Josefine Allmayer befinden sich unter anderem im Museum Kierling, Stadtmuseum Klosterneuburg, Stiftsmuseum Klosterneuburg, Beethoven-Haus Bonn, Graphisches Kabinett Winterthur und Jordan Schnitzer Museum of Art.

Scherenschnitte in öffentlichen Sammlungen (Auswahl)

Bücher mit Scherenschnittillustrationen und Buchschmuck von Josefine Allmayer (Auswahl)

Sonstige Gebrauchsgrafik

Ausstellungen (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 Ursula Müksch: Allmayer Josefine (Josephine), verh. Scheib. In: Ilse Korotin (Hrsg.): biografiA. Lexikon österreichischer Frauen. Band 1. Böhlau, Wien/Köln/Weimar 2016, S. 84–86.
  2. 1 2 3 Mit der Schere statt mit dem Pinsel malen. In: noe.orf.at. 26. März 2017. Abgerufen am 17. Juni 2025.
  3. 1 2 Sensationeller Fund von Josefine Allmayer Dokumenten und Belegen. In: Meinbezirk.at. 25. April 2018. Abgerufen am 17. Juni 2025.
  4. 1 2 Fritz Chlebecek: Künstlerkarten, Scherenschnitte und Gedichte. In: Meteor-Nachrichten. 30. Jg. 2/2017, S. 26–28 (PDF, mit Abb.).
  5. ↑ Claudia Wagner: Mit Papier und Poesie In: Niederösterreichische Nachrichten. 1. April 2017. Abgerufen am 18. Juni 2025.
  6. 1 2 3 Sophie Lauringer: Weihnachten im Scherenschnitt. Die Kunstwerke der Josefine Allmayer. In: Der Sonntag. 28. Dezember 2022, Ausgabe Nr. 51. Abgerufen am 18. Juni 2025.
  7. ↑ Scherenschnitte. In: museumkierling.com. Abgerufen am 18. Juni 2025.
  8. ↑ Beethoven beim Spaziergang im Wald. In: beethoven.de. Abgerufen am 18. Juni 2025.
  9. 1 2 The Delicate World of Josefine Allmayer. In: jsma.uoregon.edu. Abgerufen am 17. Juni 2025.
Personendaten
NAME Allmayer, Josefine
ALTERNATIVNAMEN Allmayer, Josephine
KURZBESCHREIBUNG österreichische Scherenschnittkünstlerin
GEBURTSDATUM 21. Dezember 1904
GEBURTSORT Kierling
STERBEDATUM 1. November 1977
STERBEORT Klosterneuburg