Josefine Hermann (* 1911 in Bruck an der Mur; † nach 1968) war eine österreichische Ärztin an der Landes-Heil- und Pflegeanstalt für Geisteskranke am Feldhof (heute LKH Graz II Standort Süd) und im Rahmen der Krankenmorde in der Zeit des Nationalsozialismus an der Ermordung zahlreicher Patienten beteiligt.
Sie hatte an der Universität Graz Medizin studiert und dort 1939 promoviert. Danach arbeitete sie an der Psychiatrisch-Neurologischen Klinik in Graz. Im April 1941 wurde sie mit der Leitung der dortigen Frauenambulanz betraut. Im Januar 1943 wurde sie wissenschaftliche Assistentin von Peter Korp an der Landes-Irren-Heil- und Pflegeanstalt Feldhof bei Graz. Sie war u. a. für die körperlichen Untersuchungen von Minderjährigen zuständig; untersucht sollte werden, ob diese Patienten bildungs- und arbeitsfähig waren. Wenn sie diese Kriterien nicht erfüllten, wurden die meisten von ihnen getötet. Bis Ende April 1945 starben so 2270 Kinder.
Nach dem Ende des Krieges wurden am Volksgericht Graz Ermittlungen über die im Rahmen der Aktion T4 begangenen Verbrechen eingeleitet. Die Schuld wurde dem Primararzt des Feldhofes, Ernst Sorger, zugeschrieben. Dieser hatte jedoch Suizid begangen und die Untersuchungen wurden abgebrochen. Gegen Josefine Hermann und die anderen Ärzte, die ebenfalls an den NS-Morden teilgenommen hatten, wurde nicht ermittelt.
Nach Kriegsende erfolgte am 15. Juli 1946 die Verbeamtung von Josefine Hermann als Oberärztin der Frauenabteilung am „Feldhof“ und ihr wurde die Leitung der neuen Heilpädagogischen Abteilung für Kinder und Jugendliche übertragen. Am 30. Juni 1968 wurde sie in den Ruhestand versetzt, nicht zuletzt wegen der zuvor gestellten Diagnose „nervöser Erschöpfungszustand“. Sie hatte seit Jahren mit psychischen Belastungsstörungen zu kämpfen und litt unter Angstzuständen und Depressionen.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hermann, Josefine |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichische Ärztin und Euthanasiebeteiligte |
| GEBURTSDATUM | 1911 |
| GEBURTSORT | Bruck an der Mur |
| STERBEDATUM | nach 1968 |