
Joseph J. Ellis (* 18. Juli 1943 in Alexandria (Virginia)) ist ein US-amerikanischer Historiker und Hochschullehrer, der sich auf die Gründerväter der Vereinigten Staaten spezialisiert hat.
Ellis studierte Geschichte am College of William and Mary, dann erwarb er den Master und promovierte 1969 an der Yale University. Darauf diente er in der US-Army als Captain und lehrte in West Point. 1972 wechselte er an das Mount Holyoke College in Massachusetts, lehrte dort als Professor und von 1980 und 1990 als Dean, und wurde danach zum Inhaber des Ford Foundation Chair ernannt. 2001 musste er wegen einer falschen Behauptung, am Vietnamkrieg teilgenommen zu haben, zurücktreten, wurde aber 2005 erneut berufen und ging 2012 in den Ruhestand. Er lebt mit seiner Frau in Amherst, Massachusetts.
Sein Buch Founding Brothers wurde 2001 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet, und American Sphinx: The Character of Thomas Jefferson wurde mit dem National Book Award for Nonfiction ausgezeichnet. Er trat in mehreren Dokumentationen auf und schreibt in großen Zeitungen wie der New York Times. Seine Bücher Founding Brothers, der Bestseller His Excellency George Washington sowie 1776. Sommer der Revolution wurden ins Deutsche übersetzt.
Präsident Donald Trump hat Vorwürfe auf sich gezogen, die amerikanische Verfassung zu ignorieren. Ellis hat ihm vorgeworfen, sie nie gelesen zu haben und sie nicht zu verstehen.
Ellis’ erstes Werk The New England Mind in Transition: Samuel Johnson of Connecticut, 1696–1772 aus dem Jahr 1973 ist die erste wissenschaftliche Biografie des Geistlichen Samuel Johnson, des ersten Chancellor des Kings College, den er nutzt, um die intellektuelle Entwicklung Neu-Englands zu zeigen. Johnsons Philosophie sieht Ellis als „Mischmasch alter und neuer Ideen“, d. h. von Aufklärung und Puritanismus geprägt. Dabei bewertet er Johnson als nicht besonders genial, doch als bedeutenden Intellektuellen, der sich mit den wichtigen Themen seiner Zeit beschäftigte. Wahrscheinlich verstand er aber gerade die neuen Ideen nicht. Gerald G. Goodwin beschreibt das Buch als „nützlich und handwerklich“, allerdings sei noch mehr über Johnson zu sagen. James A. Henretta sieht das Buch zwar als eine normale Biografie, doch das Buch sei darin gut.
Zusammen mit Robert Moore, der auch in West Point wirkte, schrieb er School for Soldiers: West Point and the Profession of Arms, das 1974 veröffentlicht wurde. Es versucht die damalige Philosophie und Operation der Militärakademie West Point zu zeigen. Dafür interviewen sie Kadetten und Offiziere und nutzen Veröffentlichungen der Akademie. Sie urteilen, dass die Akademie ein Anachronismus der modernen Zeit sei, was aber positiv genutzt werde. Als exzellent bezeichnet John F. Marszalek das Buch. Allan R. Millett bezeichnet das Buch als guten Anfang für Recherche über West Point.
In seinem 1979 veröffentlichten Buch After the Revolution: Profiles of Early American Culture behandelt Ellis die Biografien von Charles Wilson Peale, Hugh Henry Brackenridge, William Dunlap und Noah Webster, in denen er sowohl liberale und traditionelle Einflüsse entdeckt. Sie sollen kulturelle Spannungen zwischen republikanischem Idealismus und aufkommenden Kapitalismus repräsentieren.
Sein 1993 veröffentlichtes Werk Passionate Sage: The Character and Legacy of John Adams behandelt den Ruhestand des zweiten Präsidenten der Vereinigten Staaten John Adams, also nach seiner Niederlage während der Wahl 1800, mit einem Fokus auf seine späteren politischen Schriften. Anders als viele vorherige Historiker urteilt Ellis positiv über Adams und löste damit eine Vielzahl an Biografien von Adams aus. George W. Franz bewertet das Buch als einfach zu lesen und gut geschrieben.
1997 erschien American Sphinx: The Character of Thomas Jefferson, eine unkonventionelle Biografie, die nur Teile seines Lebens umfasst, weil schon genug gute Biografien geschrieben wurden. Ellis beschreibt also vier Teile seines Lebens: seine politische Etablierung in Philadelphia (1775–1776), seine Zeit als Diplomat in Frankreich (1784–1789), seine Zeit auf seinem Gut Monticello (1794–1797), sein erster Teil der Präsidentschaft (1800–1804) und sein letztes Jahrzehnt (1816–1826). Dabei versucht er eine Mitte zwischen „Götzendienst und Ausweidung“. Alan Taylor bezeichnet das Buch als durchgehend interessant und oft elegant, jedoch ist es unfertig, wie Monticello in Jeffersons Leben.
Einen Pulitzer-Preis erhielt Ellis für Founding Brothers: The Revolutionary Generation, in dem er sechs Momente im Leben mehrerer Gründerväter (Burr-Hamilton Duell, Kompromiss von 1790, Petitionen zur Beendigung der Sklaverei, die Farewell Adress von George Washington, die Kollaboration zwischen James Madison, Jefferson, Adams und Abigail Adams sowie Adams und Jeffersons Freundschaft in ihrem Lebensabend) beschreibt. Diese historischen Momente nutzt er zur Besprechung der politischen Themen der frühen Republik. John Ferling sieht besonders Kapitel 3 und 4 positiv, doch kritisiert er, dass Ellis nicht auch politische Figuren von 1776 wie Samuel Adams beschreibt. Auch kritisiert er die Bewertungen von Abigail Adams und Madison: Abigail sei nicht so wichtig für ihren Ehemann wie ein politischer Verbündeter. Madisons Denken wird zwar als außerordentlich beschrieben, doch die Beschreibung seiner Tätigkeit als Politiker lässt zu wünschen übrig. Insgesamt sieht Ferling das Buch positiv. Von James M. Bauer wird das Buch als auf der Ebene von The Age of Federalism von Stanley Elkins und Eric McKitrick gesehen.
Ellis 2005 veröffentlichtes Buch His Excellency: George Washington ist eine Biografie und Charakterstudie zu George Washington, der von Ellis positiv bewertet wird. In einem Review von mehreren Büchern über Washington, u. a. His Excellency beschreibt William C. Calhoun diese als exzellent. R. William Weisberger bewertet das Buch als exzellent, doch weist er auf einige Details, z. B. Washingtons Freimaurerei, hin, die fehlen.
Ellis verfasste weitere Werke über die Gründerväter: First Family Abigail and John Adams über die Beziehung zwischen Abigail und John Adams, Revolutionary Summer über den Sommer 1776, The Quartet: Orchestrating the Second American Revolution 1783-1789 über den Verfassungskonvent und American Dialogue: The Founders and Us über die Meinungen von Gründervätern zu modernen politischen Themen.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Ellis, Joseph J. |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Historiker |
| GEBURTSDATUM | 18. Juli 1943 |
| GEBURTSORT | Alexandria (Virginia) |