Joseph Hehle

Joseph Hehle (um 1895)

Joseph Hehle (* 4. April 1842 in Niederwangen; † 2. Januar 1928 in Ehingen) war ein deutscher katholischer Priester, Gymnasiallehrer und Heimatforscher.

Leben

Joseph Hehle war der Sohn des Gutsbesitzers Joseph Hehle und seiner Frau Kreszentia geb. Bauhofer. Hehle besuchte die Volksschule in Niederwangen, konnte aufgrund seiner Begabung das Gymnasium in Ehingen besuchen und absolvierte 1860 die Reifeprüfung. Er studierte in Tübingen von 1860–1864 als Zögling des Wilhelmsstifts Katholische Theologie und Klassische Philologie und wurde am 10. August 1865 zum Priester geweiht. Seine Primiz hielt Hehle in Niederwangen am 20. August 1865. 1866–1867 unterrichtete Hehle als Präzeptoratsverweser in Riedlingen und war 1867 Lehramtskandidat. 1867–1868 setzte er sein Studium in Tübingen fort, welches er 1868 mit dem Dr. phil. abschloss. 1869 legte er seine Prüfung zum Professor an Gymnasien ab.

Hehle trat daraufhin in den Schuldienst und wurde 1869 Professoratsverweser in Ehingen und 1871 dort zum Professor befördert. Hehle lehrte vornehmlich die klassischen Sprachen Griechisch und Latein. Im Jahre 1886 wurde er Rektor des Gymnasiums Ehingen, welche Position er bis zu seiner Pensionierung 1908 beibehielt. Kurz vor der Zurruhesetzung wurde Hehle noch 1906 zum Oberstudienrat befördert.

Hehle setzte sich während seiner Zeit als Rektor für den Wiederaufbau des 1769 abgebrannten oberen Teils des Turmes der ehemaligen Kollegiumskirche in den Jahren 1885/86 ein und sorgte für die Ausstattung der Kirche mit neuen Altären und Chorgestühl; die Innenausstattung war nach der Säkularisation vollständig verloren gegangen. In der Gymnasiumskirche führte er die Herz-Jesu-Bruderschaft ein. Mit dem Ehinger Konviktsvorstand Joseph Herter und Stadtpfarrer Max Ströbele gründete Hehle das „Collegio St. Josephi“.

Neben seiner Berufsarbeit und insbesondere seit seiner Pensionierung 1908 zeichnete sich Hehle durch zahlreiche historische Studien zu Ehingen und seiner Umgebung aus. In seinen frühen Arbeiten beschäftigte sich mit dem Humanismus, insbesondere mit dem Ehinger Humanisten Jakob Locher, wofür ihm die Stadt Ehingen am 4. August 1875 das Ehrenbürgerrecht verlieh. Weitere Arbeiten untersuchten die Ehinger Patrizierfamilie Winckelhofer. Der Schwerpunkt seiner Forschungen aber war die Ehinger Kirchengeschichte mit Studien zur St.-Blasius-Pfarrkirche und ihren Grabdenkmälern, dem Franziskanerkloster mit der Liebfrauenkirche und dem Kloster im Groggental. Weiterhin befasste sich Hehle in zwei Arbeiten mit der Geschichte seines Wirkungsorts, des Ehinger Gymnasiums. Was die nähere Umgebung Ehingens betrifft, so interessierte er sich für die Geschichte des Klosters Urspring und den Justinger Mathematiker und Astronomen Johannes Stöffler. Der Sammelband Geschichtliche Forschungen über Ehingen und Umgegend von 1925 fasste frühere Studien zusammen und erweiterte sie auf Grundlage neuer Archivalienfunde.

Seine Heimatgemeinde Niederwangen verlieh ihm anlässlich seines diamantenen Priesterjubiläums am 30. August 1925 das Ehrenbürgerrecht. Zusätzlich zum bereits 1875 verliehenen Ehrenbürgerrecht ehrte die Stadt Ehingen Hehle außerdem durch die Benennung der Straße hinter dem Gymnasium zur Hehlestraße. Auch seine Heimatgemeinde Niederwangen benannte ihm zu Ehren den Dr.-Hehle-Weg.

Zusätzlich zu diesen Ehrungen wurde Hehle auch staatlicherseits dekoriert: 1887 erhielt er das Ritterkreuz I. Klasse des Friedrichsordens; 1902 wurde ihm der Rang auf der V. Stufe der Rangordnung verliehen. Aus Anlass seiner Pensionierung wurde er 1908 mit dem Ritterkreuz des Württembergischen Kronordens ausgezeichnet.

Hehle wohnte in Ehingen in der Spitalgasse. Er starb in Ehingen am 2. Januar 1928 und wurde in seiner Heimatgemeinde Niederwangen beigesetzt. Hehle war Mitglied der katholischen Studentenverbindung AV Guestfalia Tübingen.

Veröffentlichungen

Literatur

Wikisource: Arbeiten von Joseph Hehle – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. ↑ Universitätsarchiv Tübingen, Studentenakte Nr. 16839, Bestellsignatur: 40/87,109.
  2. ↑ Joseph Hehle (Memento vom 13. November 2013 im Internet Archive) auf dem Oberschwaben-Portal
  3. ↑ Porträtfotos von Hehle sind abgedruckt in seinem Buch Geschichtliche Forschungen über Ehingen und Umgegend, in Gymnasium Ehingen, hrsg. von Walter Frei (1986) und in Rainer Jensch, unter Mitarbeit von Franziska Roth (2006), 1150 Jahre Niederwangen. Wangen im Allgäu: Ortschaft Niederwangen, S. 158.
  4. ↑ August Vezin: 100 Jahre Tübinger Guestfalia. 1859–1959. Müller, Köln-Braunsfeld 1965, S. 97.
Personendaten
NAME Hehle, Joseph
KURZBESCHREIBUNG deutscher Priester, Gymnasiallehrer und Heimatforscher
GEBURTSDATUM 4. April 1842
GEBURTSORT Niederwangen
STERBEDATUM 2. Januar 1928
STERBEORT Ehingen (Donau)