Joseph Ponthus

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Joseph Ponthus (* 4. September 1978 in Reims, als Baptiste Cornet; † 24. Februar 2021 in Lorient) war ein französischer Schriftsteller. Sein erster Roman, À la ligne: Feuillets d’usine (dt. Am laufenden Band. Aufzeichnungen aus der Fabrik; aus dem Französischen von Mira Lina Simon und Claudia Hamm), wurde unter anderem mit dem Grand Prix RTL-Lire, dem Prix Eugène-Dabit du roman populiste, dem Prix des lycéens 2021–2022 sowie dem Prix Régine Deforges du premier roman 2019 ausgezeichnet.

Joseph Ponthus stellt sein Werk „À la ligne : feuillets d’usine“ vor, das im Verlag La Table ronde erschienen ist. Literarische Saison Januar 2019.
Joseph Ponthus stellt sein Werk „À la ligne : Feuillets d’usine“ vor, das im Verlag La Table ronde erschienen ist. Literarische Saison Januar 2019.

Biographie

Ausbildung und beruflicher Werdegang

Joseph Ponthus, absolvierte eine weiterführende Ausbildung in der Region Grand Est, in Reims und Nancy.

Er arbeitete bei der Stadtverwaltung von Nanterre als Sozialpädagoge, betreute und unterstützte dort Jugendliche in schwierigen Lebenslagen. Gemeinsam mit vier dieser Jugendlichen verfasste er das Buch Nous… la cité (Wir... die Stadt), das 2012 in dem Verlag La Découverte erschien. Es entstand im Rahmen von Schreibwerkstätten und dient zugleich als Zeugnis der Jugendlichen über ihren Alltag und ihr Verhältnis zur Gesellschaft. Ponthus schildert darin seine eigenen Erfahrungen.

Im Jahr 2015 führte ihn seine Heirat in die Bretagne, nach Lorient. Da er dort keine Anstellung fand, die an seine frühere Tätigkeit im Großraum Paris anknüpfte, meldete er sich bei einer Zeitarbeitsfirma an. Diese vermittelte ihm nacheinander verschiedene Stellen als Fabrikarbeiter. Zunächst arbeitete er in einer Fischkonservenfabrik. Dort war er erst an der Linie für frischen Fisch, dann bei der Verarbeitung von paniertem Fisch, anschließend beim Abtropfen von Tofu und schließlich beim Kochen von Wellhornschnecken tätig. Seine nächste Anstellung führte ihn in einen Schlachthof.

Einstieg in die Literatur

Zwei Jahre lang hielt Joseph Ponthus abends seine Eindrücke und Empfindungen sowie die Gedanken seiner Kollegen fest. Sein daraus entstandenes Buch erschien 2019 unter dem Titel À la ligne im Verlag Éditions de la Table ronde. Im Anschluss an diese Veröffentlichung bemerkte er gegenüber einem Journalisten:

Formal gesehen verzichtet der Roman auf Interpunktion, er besteht stattdessen aus einer Aneinanderreihung von Sätzen, die an ein Gedicht in freien Versen erinnern.

À la ligne (In der deutschen Übersetzung: Am laufenden Band) stieß bei der Kritik auf positive Resonanz. In der Sendung La Grande Librairie kürte François Busnel das Werk zu seinem persönlichen Favoriten. Das Buch erhielt zahlreiche Auszeichnungen und war bereits vor diesen Ehrungen, im Buchhandel sehr erfolgreich.

Joseph Ponthus verstarb im Alter von 42 Jahren in der Nacht vom 23. auf den 24. Februar 2021 an den Folgen einer Krebserkrankung. Kurz nach seinem Tod eröffnete in Lorient eine Buchhandlung namens À La ligne – benannt nach Ponthus’ Buch.

Filmographie

Veröffentlichungen

Roman

  • À la ligne, Éditions de la Table ronde 2019
  • Am laufen Band. Aufzeichnungen aus der Fabrik, Original: À la ligne: Feuillets d’usine; Übersetzung aus dem Französischen von Mira Lina Simon und Claudia Hamm. Matthes & Seitz, Berlin 23021. ISBN 978-3-7518-0043-3

Weitere Schriften

  • Nous... la cité (collectif), Verlag Éditions La Découvert, Pairs 2013.
  • Aux flâneurs des deux rives », préface à Je ne sais écrire que ma vie, d’Henri Calet, Presses universitaires, Lyon 2021.
  • Hommage collectif à Xavier Grall, Joseph Ponthus : « À l’inconnue qui nous dévore, S. 35–40. Éditions Calligrammes 2021.

Rezensionen

„Roman, Prosagedicht, Manifest, Aufschrei: Der französische Autor Joseph Ponthus zeigt mit seinem autofiktionalen Buch in eindrucksvoller Form, wie ausbeuterische Arbeitsbedingungen auch im spätkapitalistischen Europa Leben zerstören“ schreibt Ulrich Rüdenauer über Joseph Ponthus’ Buch: Am laufenden Band. Aufzeichnungen aus der Fabrik.

Einzelnachweise

  1. ↑ Pauline Hachette: Peut-on faire du travail à l’usine une expérience ? Sur À la ligne de Joseph Ponthus. In: ELFe XX-XXI. Band 13, 2024, ISSN 2257-5529, doi:10.4000/11zmt.
  2. ↑ Jean-Pierre Garnier: Rachid Ben Bella, Sylvain Érambert, Riadh Lakhéchène, Alexandre Philibert, Joseph Ponthus, Nous… la cité, "On est parti de rien et on a fait un livre", Paris, Zones, 2012,. In: Espaces et sociétés. Nr. 154, März 2013, S. 194–198 (französisch).
  3. ↑ [https://www.calligrammes-editions.fr/produit/ne-vivent-haut-que-ceux-qui-revent-avec-xavier-grall/ Voir sur calligrammes-editions.fr.
  4. ↑ Deutschlandfunk 2021, abgerufen am 31. Oktober 2026