Joseph Schlechter

Moderne Darstellung des Wappens nach der Fischnaler-Wappenkartei

Joseph Schlechter, auch Josef Schlechter (* 1765 oder 1766 in Going; † 4. Februar 1814), war ein Tiroler Gastwirt, Stadtschreiber und Schützenmajor. Er organisierte Schützenkompanien im Gericht Kitzbühel und war an der Tiroler Landesverteidigung sowie am Tiroler Aufstand von 1809 beteiligt. Während der Blockade der Festung Kufstein führte er als Distriktskommandant die am rechten Innufer eingesetzten Kompanien.

Leben

Herkunft und Beruf

Schlechter war ein Sohn Sebastian Schlechters, des Besitzers des Gasthauses beim Stangl in Going. Er begann ein Theologiestudium, trat in ein Alumnat ein und empfing die Vorweihen. Nach Anton Peternader wollte er anschließend in ein Kloster im Chiemseegebiet eintreten, in dem er zuvor Unterricht erhalten hatte. Die Aufnahme scheiterte an einer Regierungsverordnung, die dem Kloster die Aufnahme neuer Priester untersagte. Schlechter gab daraufhin die geistliche Laufbahn auf. Seine Eltern kauften ihm das Auwirtshaus in Kössen. Er heiratete Maria Fux aus Kitzbühel und bewirtschaftete den Gasthof sechs Jahre lang. 1793 erhielt er die Stelle des Stadtschreibers in Kitzbühel und erwarb zusätzlich einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb.

Landesverteidigung 1796 bis 1805

1796 organisierte Schlechter im Gericht Kitzbühel fünf Schützenkompanien und legte deren Standeslisten am 3. März der übergeordneten Behörde vor. Die zweite Kompanie wählte ihn einstimmig zum Hauptmann. Zu ihren Offizieren gehörte der spätere Schützenkommandant Rupert Wintersteller. Die Kompanie rückte ins Engadin aus. 1797 wurden Schlechter, mehrere Offiziere und Schützen mit silbernen Tapferkeitsmedaillen ausgezeichnet.

Am 11. Februar 1798 wurde Schlechter gemeinsam mit Hauptmann Anton Feller erneut mit der Organisation der Schützenkompanien des Gerichts beauftragt. 1799 zog er mit seiner Kompanie nach Zernez. Für das Verhalten beim dortigen Einsatz wurden die Kompanie und insbesondere Schlechter durch ein Dekret vom 9. Januar 1800 belobigt. Anschließend erhielt er die große silberne Medaille und wurde Divisionskommandant. Er war an der Grenzverteidigung bei Kössen und Windhausen sowie im Achental und am rechten Innufer beteiligt. Bei einem Einsatz am Inn erlitt er nach Peternader einen Streifschuss an der Fußsohle.

Mit Dekret vom 17. Januar 1801 wurde er zum landschaftlichen Schützenmajor ernannt. Peternader druckt das Ernennungsdekret Nr. 9285 ab, das Landeshauptmann Paris Graf Wolkenstein unterzeichnet hatte. Darin werden Schlechters frühere Auszüge und die Übernahme des Kommandos über elf organisierte und zwei Sturmkompanien hervorgehoben. Das Dekret nennt einen Majorssold von vier Gulden täglich für die in dieser Funktion geleisteten Dienste.

1801 bedankten sich die Gemeinden der Schranne Erl bei Schlechter und den beteiligten Hauptleuten und Schützen für die Verteidigung des rechten Innufers. Peternader berichtet im Zusammenhang mit der Medaillenverteilung vom 8. August 1801 auch von einer goldenen Medaille im Gewicht von zehn Dukaten, die Schlechter selbst erhielt. 1805 leitete er erneut die Organisation und den Einsatz von Schützenkompanien zur Verteidigung der Gerichte Kitzbühel und Kufstein. Sein Hauptquartier befand sich in Kössen.

Tiroler Aufstand 1809

Nach der Niederlage Österreichs gegen Napoleon Bonaparte wurde Tirol im Frieden von Pressburg vom 26. Dezember 1805 an Bayern abgetreten. Der Tiroler Aufstand von 1809 gegen die bayerische Herrschaft entwickelte sich im Zusammenhang mit dem erneuten Krieg Österreichs gegen Napoleon und das mit Frankreich verbündete Bayern. Zu den führenden Persönlichkeiten der Erhebung gehörte Andreas Hofer.

Eine Verbindung zu den Vorbereitungen Hofers überliefert Schlechters Sohn Johann Georg in seinen von Peternader veröffentlichten Erinnerungen. Johann Georg arbeitete damals bei einem Kaufmann in Rattenberg, den Hofer Anfang 1809 aufsuchte und mit dem er Geschäftsbeziehungen unterhielt. Nach Hofers Besuch erfuhr Johann Georg aus einem Gespräch seines Arbeitgebers mit weiteren Beteiligten von Hofers Reise nach Wien und den Vorbereitungen eines Aufstandes. Er berichtete, diese Beobachtungen seinem Vater schriftlich mitgeteilt zu haben.

1809 bereitete Joseph Schlechter nach Peternader gemeinsam mit Wintersteller den Aufstand im Gericht Kitzbühel vor. Er war an der Gefangennahme der dort stationierten bayerischen Truppen im April beteiligt. Anschließend bestellte ihn der österreichische Intendant Roschmann zum Distriktskommandanten am rechten Innufer zur Leitung der bei der Blockade der Festung Kufstein eingesetzten Kompanien.

Johann Georg Schlechter berichtet außerdem, dass Hofer und der Kapuziner Joachim Haspinger nach Beginn der Erhebung mit Schützen in Rattenberg eintrafen. Bei der anschließenden Aufstellung einer Kompanie wurde auch Johann Georg eingereiht. Mit dieser rückte er zur Belagerung Kufsteins aus und traf dort seinen Vater, der die Schützen am rechten Innufer befehligte.

Peternader veröffentlicht zwei Berichte Joseph Schlechters an die Kitzbüheler Stadt- und Landgerichtsbehörden sowie einen Befehl an Hauptmann Reischer. Der Bericht aus Wörgl vom 18. April 1809 behandelt das Aufgebot der Mannschaft, die Verteilung von Proklamationen und die Beschaffung von Munition. Der Befehl aus Sparchen vom 29. April betrifft die Aufstellung von Schützen und Landsturm sowie den Bau von Verteidigungsstellungen. In einem weiteren Bericht aus Niederdorf vom 1. Mai schilderte Schlechter Truppenbewegungen und die militärische Nachrichtenlage.

Gefangenschaft und letzte Lebensjahre

1810 wurde Schlechter mit weiteren Einwohnern der Gerichte Kitzbühel, Rattenberg und Kufstein als Geisel zunächst auf die Festung Kufstein und danach nach Ingolstadt gebracht. Nach mehrmonatiger Haft richtete er nach Peternaders Darstellung ein Bittgesuch an König Maximilian I. Joseph von Bayern, in dem er um die Freilassung sämtlicher Geiseln ersuchte. Dem Gesuch sei stattgegeben und dessen Wortlaut im königlich bayerischen Regierungsblatt veröffentlicht worden. Schlechter kehrte zu seiner Familie zurück und starb am 4. Februar 1814.

Peternader überliefert, dass Schlechter und andere Kitzbüheler Bürger unter bayerischer Herrschaft bei Gesprächen im Gasthaus verschlüsselte Wendungen verwendeten. „Die Blaumeisen streichen“ habe französische Siege bezeichnet, „Die Getreidemücken fliegen herum“ Bewegungen bayerischer Truppen.

Familie und Überlieferung

Nach Peternader hinterließ Schlechter seine Ehefrau und zehn Kinder. Sein am 19. März 1789 in Kössen geborener Sohn Johann Georg Schlechter stellte dem Verfasser die Urkunden für die Lebensbeschreibung zur Verfügung. Peternader veröffentlichte außerdem dessen Erinnerungen an die Kriegsjahre. Johann Georg berichtet darin von seiner kaufmännischen Ausbildung in Rattenberg, seiner Beteiligung an der Belagerung Kufsteins 1809 und einem Besuch bei seinem in Kufstein gefangenen Vater 1810.

Die Angaben zu Schlechters Geburt weichen voneinander ab. Peternader und Wurzbach nennen 1765, die Chronik der Goinger Schützenkompanie den 10. Januar 1766.

Wappen

Die Fischnaler-Wappenkartei der Tiroler Landesmuseen verzeichnet unter „Schlechter Jos.“ einen Wappenbeleg aus Kitzbühel von 1803. Der Wappenträger wird als Hauptmann der Kitzbüheler Kompanie bezeichnet. Die zugehörige Karte enthält eine Zeichnung mit einem aufgerichteten Löwen, der einen Palmzweig hält. Über dem Schild befinden sich ein Helm mit Helmwulst sowie eine Helmzier mit einem liegenden Pferd auf einer Platte und einem schräg gestellten Kreuz.

Gedenken

Die 1961 gegründete Schützenkompanie Going wurde nach Josef Schlechter benannt.

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Peternader: Tirols Landes-Vertheidigung. 1853, Teil I, S. 5 (Digitalisat).
  2. 1 2 3 Constantin von Wurzbach: Schlechter, Joseph. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. Band 30, Wien 1875, S. 70–71 (Online-Transkription).
  3. 1 2 3 Schützenbataillon Rupert Wintersteller: Schützenkompanie Going. In: 1952–2022. 70 Jahre Wintersteller Bataillon. 2022, Kompaniechronik (online, abgerufen am 25. Oktober 2026).
  4. 1 2 Anton Peternader: Tirols Landes-Vertheidigung nebst interessanten Biografien und Skizzen merkwürdiger Tiroler Landesvertheidiger. Drei Theile in einem Band. In Commission bei A. Witting, Innsbruck 1853, Teil I, S. 1 (Digitalisat).
  5. ↑ Peternader: Tirols Landes-Vertheidigung. 1853, Teil I, S. 1–2 (Digitalisat).
  6. ↑ Peternader: Tirols Landes-Vertheidigung. 1853, Teil I, S. 2–3 (Digitalisat).
  7. ↑ Peternader: Tirols Landes-Vertheidigung. 1853, Teil I, S. 3 (Digitalisat).
  8. ↑ Fondation Napoléon: Andreas Hofer and the insurrection in the Tyrol, 1809–1810. Chronologie, insbesondere die Einträge zum 26. Dezember 1805 und zum Frühjahr 1809 (online, abgerufen am 25. Oktober 2026).
  9. ↑ Peternader: Tirols Landes-Vertheidigung. 1853, Teil I, S. 10 (Digitalisat).
  10. ↑ Peternader: Tirols Landes-Vertheidigung. 1853, Teil I, S. 11 (Digitalisat).
  11. ↑ Peternader: Tirols Landes-Vertheidigung. 1853, Teil I, S. 6–7 (Digitalisat).
  12. ↑ Peternader: Tirols Landes-Vertheidigung. 1853, Teil I, S. 7–8 (Digitalisat).
  13. ↑ Peternader: Tirols Landes-Vertheidigung. 1853, Teil I, S. 8 (Digitalisat).
  14. ↑ Peternader: Tirols Landes-Vertheidigung. 1853, Teil I, S. 8–14 (Digitalisat).
  15. ↑ Tiroler Landesmuseen: Schlechter Jos. In: Die Fischnaler Wappenkartei. Datensatz 25245, Kartenscan TLM_Wappen_Sche-St_0338. Online-Katalog mit historischer Zeichnung, abgerufen am 25. Oktober 2026.