Joy Kogawa

Joy Kogawa (* 6. Juni 1935 in Vancouver) ist eine kanadische Schriftstellerin. Bekannt wurde sie durch ihren Roman Obasan (1981), eine Darstellung der Ausgrenzung und Deportation der japanischstämmigen Kanadier (Nisei) im Zweiten Weltkrieg.

Leben und Schaffen

Sie wurde 1935 als Joy Nozomin Nakayama in Vancouver geboren und wuchs dort bis 1942 auf. Ihre Eltern waren japanischer Herkunft; ihr Vater Goichi Gordon Nakayama arbeitete seit 1932 als anglikanischer Priester. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, als die japanischstämmigen Kanadier an den Küsten als potentielle Gefahr galten, wurde sie mit ihrer Familie in ein Internierungslager in Slocan (British Columbia) verbracht. Nach dem Krieg wurden ihre Familie in Coaldale in der Prärieprovinz Alberta interniert. Dort beendete sie ihre Schulausbildung. 1957 heiratete sie David Kogawa. Sie studierte an der University of Saskatchewan, am Anglican Women’s Training College und am Toronto Conservatory of Music sowie Pädagogik an der University of Alberta.

1967 debütierte Kogawa mit dem Gedichtband The Splintered Moon, in dem sie sich mit ihrer gescheiterten Ehe auseinandersetzt. 1968 wurde sie von David Kogawa geschieden. Von 1974 bis 1976 arbeitete sie für das Büro des Premierministers. 1978 war sie Writer-in-Residence an der University of Ottawa.

In ihrem ersten Roman Obasan (1981) beschreibt sie die Erniedrigung und das Leid der japanischstämmigen Kanadier während des Zweiten Weltkriegs aus der Perspektive einer Frau namens Naomi Nakane, die sich an ihre Kindheitserlebnisse erinnert. Darin verarbeitet Kogawa zahlreiche Tagebucheinträge, Briefe, Regierungsdokumente und Zeitungstexte aus dem Nachlass der japanisch-kanadischen Journalistin Muriel Kitagawa (1912–1974). Der Roman wurde u. a. mit dem Books in Canada First Novel Award (1982) ausgezeichnet. Aufgrund der historischen Parallelen gehört Obasan auch in den USA zur Standardlektüre vieler Kurse der Asian-American Studies, die sich mit der Internierung japanischstämmiger Amerikaner beschäftigen. 1986 verarbeitete Kogawa die Geschichte in das Bilderbuch Naomi's Road.

Neben ihrer schriftstellerischen Aufklärungsarbeit setzte sich Kogawa auch für eine offizielle staatliche Entschuldigung und eine Entschädigung der Insassen sowie Hinterbliebenen der Opfer der kanadischen Internierungslager ein.

1986 wurde Kogawa zum Member of the Order of Canada ernannt.

1992 veröffentlichte Kogawa Itsuka, eine Fortsetzung von Obasan. Nachdem ihr Vater 1994 in einem Brief an die anglikanische Kirche mehrfachen sexuellen Missbrauch eingestanden hatte, arbeitete Kogawa dies in ihrem Roman The rain ascends (1995) in fiktionalisierter Form auf.

Auf Grundlage ihres Buches Naomi’s Road produzierte die Vancouver Opera 2005 die gleichnamige Kinderoper. 2006 wurde Kogawa in den Order of British Columbia aufgenommen. Im selben Jahr wurde ihr Geburtshaus in Vancouver vom Land Conservancy of British Columbia erworben und zu einer Autorenresidenz mit Writer-in-Residence-Programm ausgebaut.

Für „ihren Beitrag zum Verständnis und zur Wahrung der japanisch-kanadischen Geschichte“ verlieh ihr das Japanische Kabinett 2010 den Orden der Aufgehenden Sonne. 2012 bis 2013 war sie Writer-in-Residence an der University of Toronto.

Werke

Lyrik
Romane
Kinderliteratur

Ehrungen (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 Joy Kogawa auf: encyclopediecanadienne.ca, abgerufen am 19. September 2015 (englisch, französisch).
  2. ↑ Brian Morton, Anglican bishops to apologize for abuse by former Japanese-Canadian priest (11. Juni 2015) auf: vancouversun.com, abgerufen am 19. September 2015 (englisch).
  3. 1 2 Obasan (1998) auf: encyclopedia.com, abgerufen am 19. September 2015 (englisch).
  4. ↑ Merna Forster: Betrayed Muriel Kitagawa (1912–1974), in: 100 More Canadian Heroines: Famous and Forgotten Faces. Dundurn, 2011, ISBN 978-1-55488-970-9, S. 201–206.
  5. Sau-Ling Cynthia Wong: Reading Asian American Literature: From Necessity to Extravagance. Princeton University Press, 1993 ISBN 978-0-691-01541-5
    1. ↑ S.21.
    2. ↑ S.16.
  6. 1 2 3 Joy Kogawa: Awards and Honours auf: canpoetry.library.utoronto.ca, abgerufen am 19. September 2015 (englisch).
  7. ↑ Marilyn Rose, Erica Kelly, Joy Kogawa (1935 – ) auf: brocku.ca, abgerufen am 19. September 2015 (englisch).
  8. 1 2 About Joy auf: joykogawa.ca, abgerufen am 19. September 2015 (englisch).
  9. ↑ Roland Tanglao, Welcome to Historic Joy Kogawa House: About (Memento des Originals vom 12. Dezember 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (30. Oktober 2005) auf: kogawahouse.com, abgerufen am 19. September 2015 (englisch).
  10. ↑ The Jack McClelland Writer-in-Residence (Memento des Originals vom 1. März 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., Universität Toronto, abgerufen am 19. September 2015 (englisch).
Personendaten
NAME Kogawa, Joy
ALTERNATIVNAMEN Kogawa, Joy Nozomi; Kogawa, Joy Nozomi Nakayaman
KURZBESCHREIBUNG kanadische Schriftstellerin
GEBURTSDATUM 6. Juni 1935
GEBURTSORT Vancouver