Hexenverfolgungen in Sindelfingen

Von 1562 bis 1684 gerieten in den Hexenverfolgungen in Sindelfingen 34 Frauen in Hexereiverdacht. Im Gegensatz zu vielen anderen Gebieten in Württemberg fanden über die Hälfte der Verdächtigen den Tod: 19 der angeklagten Frauen wurden in Hexenprozessen hingerichtet.

Namen der Opfer der Hexenprozesse

Hexenprozesse 1562 bis 1596

Hexenprozesse 1609

1605 wurde Sindelfingen ein eigenständiges Amt und unabhängig von Böblingen. Das Sindelfinger Stadtgericht tagte im Alten Rathaus der kleinen Stadt (mit etwa 1400 Einwohnern) und bestand aus zwölf Männern aus der städtischen Oberschicht. Vogt Wendel von Maur als Stellvertreter des Herzogs von Stuttgart war der öffentliche Ankläger.

Vogt Wendel von Maur führte 1609 seinen ersten Hexenprozess gegen Agatha Eberwein, eine arme alte Witwe. Die Eltern eines kranken Kindes hatten sie des Schadenzaubers (Krankheit) bezichtigt. Agatha Eberwein wusste sich unschuldig und gestand nichts. Die Regierung in Stuttgart befürwortete eine Anklage und forderte ein Gutachten der Juristen der Universität Tübingen. Der schlechte Ruf der Angeklagten war gravierend für das Territionsurteil (Folter). Unter der Folter gestand Agatha Eberwein und belastete drei weitere Frauen. Als diese fliehen wollten, ordnete der Vogt ein Verhör und Konfrontation mit Agatha Eberwein an. Ottilia Krumm hätte an Hexentänzen und Wettermachen teilgenommen. Margaretha Mögelin, Ottilia Krumms Schwester, wäre die vornehmste der Hexengesellschaft beim Hexensabbat.

Hexenprozesslawine 1615 bis 1616

In der Hexenprozesslawine von Mai 1615 bis September 1616 gerieten 19 Frauen in den Verdacht des Schadenzaubers und der Hexerei. Zwölf Frauen verloren ihr Leben.

Zwo Hexen Zeitung, Tübingen 1616

Hexenzeitung Tübingen 1616

Auf die Hexenverfolgungen 1615/1616 in den württembergischen Ämtern Dornstetten, Leonberg und Sindelfingen (Sündelfingen) machte eine sogenannte Hexenzeitung aus Tübingen 1616 aufmerksam: Zwo Hexenzeitung (…) Die ander: Auß dem Hertzogthumb Würtenberg: Wie der Hertzog zu Würtenberg in unterschiedlichen Stätten das Hexenbrennen auch angefangen. Der Hertzog zu Würtenberg / hatt das Hexenbrennen auch angefangen / in den Stätten / Dornstatt / Sündelfingen…. Der Text dieser ander Hexenzeitung auß Würtenberg ist nachzulesen bei Wikisource.

Weitere Hexereiverdächtigungen 1628 bis 1684

Stadtgeschichtlicher Weg zum Thema Hexenverfolgung

2007 wurde in Sindelfingen ein stadtgeschichtlicher Weg zum Thema Hexenverfolgung eingeweiht mit neun Informationstafeln und detaillierten Hinweisen auf die Hexenprozesse in der Stadt in der Zeit von 1563 bis 1616. Begleitmaterialien wurden entwickelt, um den Schulen zu helfen, sich intensiver mit der Stadtgeschichte zu beschäftigen.

Quellen und Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Namen der Opfer der Hexenprozesse/ Hexenverfolgung Sindelfingen (PDF; 200 kB), abgerufen am 9. Mai 2016.
  2. ↑ Anita Bindner: „…mit dem feuer vom Leben zum Tod…“, Hexenverfolgung in Sindelfingen, in: Horst Zecha (Hrsg.): Sindelfingen und seine Altstadt: ein verborgener Schatz, Stadt Sindelfingen Kultur- und Schulamt, Sindelfingen 2013, S. 427–447
  3. ↑ Stadtarchiv Sindelfingen 143
  4. ↑ Württembergische Landesbibliothek Stuttgart, Crim. R. 4° Kaps. 24.
  5. ↑ Zwo Hexen Zeitung
  6. ↑ Felix Bubner (Arbeitskreis RP Stuttgart): Sindelfingen - Stadtmuseum und Hexenpfad, abgerufen am 30. April 2016. (Memento des Originals vom 30. April 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  7. ↑ Schulmaterialien zu den Stationen der Hexenverfolgung in Sindelfingen (PDF), abgerufen am 30. April 2016. (Memento des Originals vom 24. Januar 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.