Judy Pfaff

Judy Pfaff (* 1946 in London) ist eine US-amerikanische Bildhauerin und Installationskünstlerin, die auch malt, zeichnet, Druckgrafiken und Bühnenbilder schafft. Sie gilt als Vorreiterin raumgreifender Installationen, die Malerei, Skulptur, Zeichnung und Architektur zusammenführen.

Leben

Pfaff wurde im London der Nachkriegszeit geboren, lernte ihren Vater nie kennen und wuchs, nachdem ihre Mutter kurz nach der Geburt nach Detroit gezogen war, mit ihrem älteren Bruder bei der Großmutter auf. Mit 13 zog sie zur Mutter nach Detroit, verließ mit 15 das Elternhaus und heiratete einen Offizier der United States Air Force, dem sie nach Neufundland und Texas folgte; die Ehe endete nach vier Jahren. Danach studierte sie Kunst und erwarb 1971 den Bachelor of Fine Arts an der Washington University in St. Louis sowie 1973 den Master of Fine Arts an der Yale University, wo der Maler Al Held ihr Mentor wurde. Unmittelbar danach zog sie nach New York; 1975 nahm sie an der Whitney Biennial teil und wurde wenig später von der Holly Solomon Gallery vertreten. Da ihre Installationen selten verkauft wurden, finanzierte sie ihre Arbeit lange vor allem durch Lehrtätigkeiten; von 1992 bis 1994 war sie Professorin an der Columbia University und wechselte anschließend an das Bard College. Zu ihren Auszeichnungen zählen die Guggenheim Fellowship (1983), der Bessie Award (1984), die MacArthur Fellowship (2004) und der Lifetime Achievement Award des International Sculpture Center (2014). Sie war 1982 auf der documenta 7 vertreten und repräsentierte die Vereinigten Staaten 1998 bei der Biennale von São Paulo. 2023 wurde Pfaff in die American Academy of Arts and Sciences gewählt.

Wirken

Pfaff begann als Malerin, weitete ihre Arbeiten in den 1970er-Jahren jedoch in den Raum aus und entwickelte ortsbezogene Gefüge, in denen die Grenzen zwischen Bildfläche, Objekt und Architektur instabil werden. Sie verarbeitet industrielle Materialien wie Stahl, Draht, Fiberglas, Gips und Kunststoff ebenso wie Fundstücke, Wurzeln, Blüten und Ranken. Ihre Arbeitsweise hält Planung und Improvisation in Spannung; die scheinbar chaotischen Anordnungen sind auf den jeweiligen Raum abgestimmt und organisieren Fülle, Schwebezustand und Bewegung. Um 1990 wurden ihre Wandkonstruktionen leichter und konzentrierter; Alltagsgegenstände, bemaltes Holz und Drahtgerüste erschienen darin als dreidimensionale Zeichnungen. In Neither Here Nor There (2003) kombinierte sie modernistische Träger und Raster, eine chinesische Pagodensäule, Bauteile eines amerikanischen Hauses sowie Anspielungen auf persische und birmanische Architektur. Die Überblicksausstellung Five Decades (2010) zeigte die Kontinuität ihrer schwerelos wirkenden Materialfülle und ihren Einfluss auf Assemblage und Installationskunst. Neben Installationen und Skulpturen schafft Pfaff auch Druckgrafiken, in denen sie Pflanzenformen, Karten und medizinische Abbildungen aufgreift. Für die Tanzproduktion Wind Devil erhielt sie 1984 den Bessie Award; 2005 entwarf sie am Bard College das Bühnenbild für die Oper Regina. Ihre oft temporären, teils aus vergänglichen Materialien aufgebauten Installationen erschweren Sammlung und Verkauf, beeinflussten jedoch jüngere Generationen von Installationskünstlern. Werke Pfaffs befinden sich unter anderem im Museum of Modern Art und im Whitney Museum of American Art in New York.

Commons: Judy Pfaff – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 Judy Pfaff. In: Art21. Abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
  2. 1 2 3 4 5 6 Benjamin Genocchio: Now She Can Finish That Warehouse. In: The New York Times. 22. Mai 2005, abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
  3. 1 2 Judith Olch Richards: Oral history interview with Judy Pfaff, 2010 Jan. 27–Feb. 4. In: Archives of American Art, Smithsonian Institution. Abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
  4. 1 2 3 Judy Pfaff. In: MacArthur Foundation. 28. September 2004, abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
  5. 1 2 Brooke Kamin Rapaport: Judy Pfaff: Evolution of an Innovator. In: Sculpture. 1. März 2013, abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
  6. ↑ CV. In: Judy Pfaff Studio. Abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
  7. ↑ Book of Members 1780–present, Chapter P. (PDF; 1,1 kB) In: amacad.org. American Academy of Arts and Sciences, abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
  8. ↑ Roberta Smith: Review/Art; For Judy Pfaff, Moderation at Last. In: The New York Times. 28. September 1990, abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
  9. ↑ Roberta Smith: Art in Review; Judy Pfaff – ‘Neither Here Nor There’. In: The New York Times. 12. September 2003, abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
  10. ↑ Roberta Smith: Judy Pfaff: ‘Five Decades’. In: The New York Times. 15. Oktober 2010, abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
Personendaten
NAME Pfaff, Judy
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanische Bildhauerin und Installationskünstlerin
GEBURTSDATUM 1946
GEBURTSORT London