
Jules Scalbert (* 9. August 1851 Douai; † 22. November 1933 in Paris) war ein französischer Maler, Keramikmaler und Zeichner (Pastell) des akademischen Realismus, aber auch der Kunst der Belle Époque. Er ist ein bedeutender Vertreter der traditionellen französischen Genremalerei des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts.
Jules Scalbert wurde am 9. August 1851 in Douai im Norden Frankreichs geboren. Seine künstlerische Ausbildung absolvierte er an der renommierten École nationale supérieure des Beaux-Arts in Paris. Dort war er Schüler von Isidore Pils und Henri Lehmann, zweien der bedeutendsten Meistern der akademischen Malerei. Scalbert gab 1876 sein offizielles Debüt im Pariser Salon. Von da an stellte er bis 1931, also über mehr als 50 Jahre, regelmäßig im Salon aus. Damit war er dort einer der Künstler mit der längsten Ausstellungshistorie. Auch wenn er keiner der ganz herausragenden Vertreter der Salonmalerei war, fanden seine Arbeiten mehrfach Anerkennung. So erhielt er beim Salon 1889 eine mention honorable (lobende Erwähnung) im Jahr 1889 sowie Medaillen dritter Klasse in den Jahren 1891 und 1901. 1883 wurde er Sociétaire (festes Mitglied) der einflussreichen Künstlervereinigung Salon des Artistes Français. Reisen führen ihn nach Nordeuropa und Italien. In Venedig, Florenz und Rom beeinflussten ihn insbesondere die Strenge der Zeichnung sowie die Frische der Farben, die er bei den Meistern der italienischen Renaissance studierte. So zeichnen sich seine Werke durch eben diese strenge Zeichnung, durch eine feine Pinselführung und extreme Detailtreue aus. Da Scalbert früh private Käufer für sich gewinnen und an sich binden konnte, war es ihm möglich unabhängig zu bleiben und er musste sich nicht den Trends der Zeit oder den Regeln künstlerischer Veranstaltungen unterwerfen, von denen er sich somit weitestgehend fernhalten konnte.

Scalbert war ein äußerst vielseitiger Genremaler. Seine Motive umfassten historische und allegorische Szenen, klassische Stillleben – insbesondere Blumenarrangements – sowie Akte und Porträts. Besonders populär war er für seine unbeschwerten Szenen, in denen er die die Vergnügungen und Freizeitgestaltungen des Bürgertums während der Belle Époque zeigte. Darunter fallen beispielsweise Bootsausflüge auf der Marne, Strandszenen oder heitere Aktdarstellungen in der Natur. Von besonderer Bedeutung sind heute Scalberts Bilder, die den zeitgenössischen Wandel der Strände und Flussufer hin zu lebhaften Orten des gesellschaftlichen Amusements dokumentieren. Auch dokumentierte er in seinen Werken auf präzise Weise die Entwicklung eben diese französischen Strand- und Freizeitkultur des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, die das Ergebnis der Veränderungen waren. Seine Darstellungen spiegeln den Übergang von rein medizinisch begründeten Bädern hin zum gesellschaftlichen Vergnügen wider. Seine badenden Frauen tragen die damals üblichen, recht hochgeschlossenen Badeanzüge aus schwerer Wolle oder Flanell, die meist aus einer Tunika mit kurzen Ärmeln und einer darunter liegenden Kniebundhose (Pantaloons) bestanden. Auf seinen Strandbildern kontrastiert er Badende oft mit den sie begleitenden Gouvernanten oder Familienmitgliedern, die in voller zeitgenössischer Tagesgarderobe, einschließlich der ausladenden Kleider, Hüten und Sonnenschirmen, im Sand sitzen. In scharfem Kontrast zu dieser züchtigen, schweren Strandkleidung steht eine zweite Kategorie seiner Bilder. Bei Fluss- und Bachmotiven greift er auf die akademische Tradition des vollständigen Akts zurück. Hierbei handelt es sich weniger um eine Dokumentation realer zeitgenössischer Bademode, sondern um die romantisierte, oft humorvolle Darstellung nackter Badender in freier Natur. Da er seine Bilder im Allgemeinen nicht signierte, können sie selten genauer datiert werden, wenn sie nicht wie als Beiträge zum Salon durch externe Quellen datierbar sind. Scalbert verstarb am 22. November 1933 in Paris. Er wurde auf dem Pariser Friedhof Thiais beigesetzt; sein Grab wurde inzwischen aufgelassen.
Scalbert arbeitete sowohl in Öl, als auch mit Pastellfarben. Daneben betätigte er sich als Keramikmaler. Seine Werke befinden sich heute vor allem in vielen französischen Sammlungen, vor allem Regionalmuseen, darunter dem Musée de la Chartreuse in Douai, dem Musée Antoine Vivenel in Compiègne, dem Musée du Vieux-Château in Laval, dem Musée d’Art et d’Industrie André Diligent (La Piscine) in Roubaix sowie in der École nationale supérieure des Beaux-Arts in Paris. Der größte Teil seiner Werke befindet sich bis heute allerdings – zumeist in französischem – Privatbesitz. Auf dem internationalen Kunstmarkt erzielen seine Werke sehr unterschiedliche Preise, insbesondere aber seine gut erhaltenen Ölgemälde können bei Auktionen Spitzenpreise von, wie im Falle von Le bord de la Marne (um 1883) im Jahr 2018, bis zu 275.000 US-Dollar erreichen.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Scalbert, Jules |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Maler, Keramikmaler und Zeichner des Realismus |
| GEBURTSDATUM | 9. August 1851 |
| GEBURTSORT | Douai |
| STERBEDATUM | 22. November 1933 |
| STERBEORT | Paris |