Julien Perrichon

Julien (Jean) Per(r)ichon (lateinisch: Joannes Perrichonius (Parisiensis); * 6. November 1566 in Paris; † um 1600 ebenda) war ein französischer Lautenist und Komponist.

Leben

Julien Perrichons Vater Jehan Perrichon wirkte bereits als Hofviolist und Spieler der Schalmei, einem Vorläufer der Oboe, am Hof des französischen Königs. Seinen ersten Lautenunterricht hatte er vermutlich bei Vaumesnil, Valet de Chambre, Kammerjunker und zwischen 1560 und 1574 Lautenist des französischen Königs Karl IX. und danach bei dessen Nachfolgern Jean de La Fontaine (Lautenist) und Samuel de La Roche. Zwischen 1576 und 1578 wird er erstmals in den Aufzeichnungen des Hofes, Rechnungslisten der Pensionäre des französischen Königs Heinrich III., als „junger Perrichon“ und Lautenschüler erwähnt. 1595 trug er den Titel Valet de Chambre et joueur de luth [Kammerdiener(-junker) und Lautenist] des Königs Heinrich IV. In dieser Stellung blieb er bis zu seinem Tod. Sein Todesdatum und -jahr ist nicht bekannt. Antoine Francisque spricht über Perrichon im Trésor d’Orphée aus dem Jahr 1600 schon in der Vergangenheit und seine Witwe Anna d’Hoey vermählte sich im Jahr 1602 erneut mit Antoine Oultrebon einem Sänger des Königs. Beides lässt ein Todesdatum vor oder im Jahr 1600 vermuten. Obwohl sich Vater und Sohn Perrichon gut unterscheiden lassen, kommt es in den Folgejahren zwischen 1600 und 1615 in verschiedenen musikalischen Quellen zu Verwirrungen. Dazu trugen unter anderem Jean-Baptiste Besard, John Dowland und Georg Leopold Fuhrmann, die in ihren Büchern aufgenommene Lautenstücke, vermutlich irrtümlich einem „Jehan Perrichon“ zuordneten.

Andere Quellen vermuten seinen Tod erst um das Jahr 1612, wozu auch Werkzuschreibungen nach 1600 beigetragen haben könnten.

Werke

Einträge beim Répertoire International des Sources Musicales
Einträge bei Grove Music Online (alles Werke für Laute)
Werke in MGG 2

Neben dem oben aufgeführten erwähnen Meyer und Lesure noch weitere Aufnahmen der Werke Julien Perrichons in Sammelwerken:

Moderne Notenausgaben

Weitere Werke, Ausgaben und Digitalisate

Rezeption

Er hinterließ nur wenige Werke für Laute in verschiedenen Sammlungen, die nach dem Urteil der Zeitgenossen von großer Meisterschaft waren und gilt heute als ein wichtiger Vertreter der frühen französischen Lautenschule. So bezeichnet Michael Prätorius seine Stücke in Terpsichore (RISM ID: 990052756) aus dem Jahr 1612 als „trefflich“. Christian Meyer schreibt in MGG 2: Nach Mary Burwell muss Perrichon neben Lorenzino dal Leuto und Jakub Reys als einer der Pioniere der französischen Lautenschule angesehen werden.

Einspielungen

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Robert Eitner: Perrichonius, Joannes, Parisiensis. In: Biographisch-bibliographisches Quellenlexikon der Musiker und Musikgelehrten der christlichen Zeitrechnung bis zur Mitte des neunzehnten Jahrhunderts. Band 7. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1902, S. 379 (archive.org).
  2. 1 2 3 4 5 6 Ruth K. Inglefield: Perrichon, Julien [Jean]. In: Grove Music Online. Oxford University Press, 2001, abgerufen am 1. November 2022 (englisch).
  3. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Christian Meyer, François Lesure: Perrichon, Julien. In: Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Zweite Ausgabe, Personenteil, Band 13 (Paladilhe – Ribera). Bärenreiter/Metzler, Kassel u. a. 2005, ISBN 3-7618-1133-0, Sp. 347 (Online-Ausgabe, für Vollzugriff Abonnement erforderlich)
  4. ↑ Christian Meyer bezeichnet ihn in MGG 2 vermutlich nicht zeitgemäß als Violinisten und Oboisten.
  5. ↑ Meyer vermutet in MGG 2, das Jehan Perrichon sich auch für Laute interessiert habe, da er 1602 als Pate eines Kindes des Lautenmachers Christophe Oudet auftrat.
  6. ↑ Julien Perrichon, valet de chambre et joueur de luth de la musique du Roi, demeurant à Paris rue de la Vieille-Monnoye, paroisse Saint-Jacques de la Boucherie : déclaration par laquelle il exprime la volonté que Jeanne Fortier, actuellement femme de Jean Perrichon, violon du Roi, son frère, ait après le décès dudit Jean Perrichon, la jouissance viagère de tous les biens meubles et conquêts immeubles appartenant à Jean Perrichon. | Notice n° 4018. In: https://francearchives.fr. France Archives, abgerufen am 1. November 2022 (französisch).
  7. ↑ Peter Päffgen: Review: Oeuvres de VAUMESNIL, EDINTHON, PERRICHON, RAEL, MONTBUYSSON, LA GROTTE, SAMAN et LA BARRE. (Corpus des Luthistes Français, ohne Bandzählung) by André SOURIS, Monique ROLLIN, Jean-Michel VACCARO. In: Gesellschaft für Musikforschung e.V. (Hrsg.): Die Musikforschung. Band 31, Nr. 3. Bärenreiter, Juli 1978, S. 384–386, JSTOR:41118313.
  8. ↑ Margaret M. McGowan: MARGUERITE DE VALOIS, REINE DE NAVARRE (1553–1615): PATRONESS AND PERFORMER. In: Early Music History. Band 34. Cambridge University Press, 2015, S. 191–206, JSTOR:26294244 (englisch).
  9. ↑ Elisabeth Kenny: Introduktion. Text des begleitenden Booklets der CD in der deutschen Übersetzung von Renate Wendel. In: https://www.hyperion-records.co.uk. Hyperion Records, 2009, abgerufen am 1. November 2022.
  10. ↑ Masakata Kanzawa: Review: Œuvres de Vaumesnil, Edinthon, Perrichon, Raël, Montbuysson, La Grotte, Saman [et] La Barre. In: Music Library Association (Hrsg.): Notes. Band 32, Nr. 4, Juni 1976, S. 870 f., doi:10.2307/897757, JSTOR:897757 (englisch).
Personendaten
NAME Perrichon, Julien
ALTERNATIVNAMEN Perrichon, Jean; Perichon Parisien, Julian; Perrichonius, Joannes; Perrichonius Parisiensis, Joannes
KURZBESCHREIBUNG französischer Lautenist und Komponist
GEBURTSDATUM 6. November 1566
GEBURTSORT Paris
STERBEDATUM um 1600
STERBEORT Paris