
Julija Wolodymyriwna Mendel (ukrainisch Юлія Володимирівна Мендель, russisch Юлия Владимировна Мендель/Julija Wladimirowna Mendel; * 3. September 1986 in Henitschesk, Oblast Cherson, Ukrainische SSR, Sowjetunion) ist eine ukrainische Journalistin. Von Juni 2019 bis Juli 2021 war sie Pressesprecherin des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Im September 2026 wurde sie wegen „Verbreitung von Desinformation und russischer Propaganda“ von Wolodymyr Selenskyj per Präsidialerlass sanktioniert.
Mendel absolvierte die Nationale Taras-Schewtschenko-Universität Kiew und ist Kandidatin der philologischen Wissenschaften. Im Juni 2008 machte sie ihren Abschluss am Institut für Philologie der KNU, wo sie Englisch und Polnisch, Ukrainisch und Literatur studierte. 2012 promovierte sie zum Thema Die naturphilosophische Metalogie der Lyrik von Wolodymyr Zatulywiter im Kontext der Poesie der Jahre 1970–90.
Danach arbeitete Mendel als Journalistin für die Sender ICTV, Espreso TV, 112 Ukraine und Inter TV. Auch war sie als Kommunikationsberaterin bei der Weltbank aktiv und verfasste journalistische Beiträge für die The New York Times. Mendel arbeitete auch für verschiedene weitere internationale Medien wie Politico Europe, Atlantic Council, Vice, Spiegel Online und Forbes.
Im April 2016 war sie die Produzentin des ersten Dokumentarfilms über posttraumatische Belastungsstörung, Shell-Shocked: Ukraine's Trauma. Im Oktober 2019 wurde sie vom Focus Magazin in die Bewertung der 100 einflussreichsten Frauen in der Ukraine aufgenommen.
Im Juni 2019 wurde sie Sprecherin des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj; sie leitete die Kontakte zu internationalen Medien, insbesondere für Interviews mit führenden europäischen Medien, wie Le Monde, Der Spiegel, sowie Gazeta Wyborcza. Sie begleitete den Präsidenten bei allen regionalen und internationalen Besuchen und befasste sich mit offiziellen Stellungnahmen. Im Juli 2021 – mehrere Monate vor der russischen Vollinvasion der Ukraine im Februar 2022 – schied sie als Pressesprecherin aus.
Ab Juli 2021 war Mendel für eine unbestimmte Zeit als freiberufliche Beraterin des damaligen Leiters des Präsidialamts der Ukraine, Andrij Jermak, tätig; in dieser Position war sie für die Zusammenarbeit mit ausländischen Medien zuständig.
Zu Beginn der russischen Vollinvasion in die Ukraine informierte sie in Interviews über die Situation im Land und hoffte auf einen Sieg im Kampf gegen Russland, der die Freiheit und Unabhängigkeit der Ukraine wahren würde.
Seit Ende 2024 setzt sich Julija Mendel für einen Waffenstillstand und für Friedensverhandlungen ein.
Im April 2026, auf dem Höhepunkt der ukrainischen Drohnenkampagne gegen die russische Ölindustrie, die Russland schweren ökonomischen Schaden zufügt, kritisierte sie die Verwendung von Drohnen als Angriffswaffen, die laut ihr nur den Krieg verlängern würden. Dabei bemerkt sie, dass besonders Vertraute des Präsidenten vom Drohnenprogramm profitieren würden, das u. a. durch einen Kredit der Europäischen Union finanziert wird.
Mendel wurde am 13. September 2026 von Selenskyj per Präsidialerlass wegen „Verbreitung von Desinformation und russischer Propaganda“ sanktioniert. Es wurden ihr unter anderem ihre staatlichen Auszeichnungen aberkannt und ihre Vermögenswerte eingefroren. Zuvor erhob sie im Mai 2026 in einem Interview mit Tucker Carlson schwere Vorwürfe gegen Präsident Selenskyj, meist unbelegt. Dies kam überraschend, da sie in ihren Büchern aus den Jahren 2021 und 2022 ein äußerst positives Bild des Präsidenten zeichnete. Anfang 2026 behauptete Mendel auf Facebook, dass der ehemalige Bürochef Andrij Jermak schwarze Magie betreibe, Friedhöfe besuche und Leichenwasser aufbewahre. Mendel kritisierte diese Sanktion, ebenso wie viele andere Entscheidungen von Selenskyj, als verfassungswidrig und warf ihm vor, nicht nur den Krieg zu führen, sondern jeden, der seine Version davon in Frage stelle.
Am 16. September 2026 verweigerte der Sicherheitsdienst des Europäischen Parlaments Mendel den Zutritt zu einer von AfD-Mandatar Hans Neuhoff organisierten Diskussion mit dem Titel „Frieden wagen – Diplomatie statt Eskalation“, wo sie als Hauptrednerin vorgesehen war und nur via Videoschaltung ihre Rede halten konnte. Die Veranstaltung war keine offizielle Veranstaltung des Europäischen Parlaments.
2022 heiratete sie Pawlo Kuchta, einen ukrainischen Ökonomen und Politiker, erster stellvertretender Wirtschaftsminister der Ukraine von 2019 bis 2020. Sie lebt derzeit (2026) in den USA.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Mendel, Julija |
| ALTERNATIVNAMEN | Mendel, Julija Wolodymyriwna; Мендель, Юлія Володимирівна (ukrainisch); Мендель, Юлия Владимировна (russisch); Mendel, Julija Wladimirowna (russisch) |
| KURZBESCHREIBUNG | ukrainische Journalistin, Beamtin und Pressesprecherin des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj |
| GEBURTSDATUM | 3. September 1986 |
| GEBURTSORT | Henitschesk, Oblast Cherson, Ukrainische SSR, Sowjetunion |